Ralf Rangnick muss seine Mannschaft erneut umbauen. Paul Wanner und Nikolas Veratschnig fallen verletzt aus, Sascha Horvath musste ebenfalls abreisen und Kevin Danso fehlt gesperrt. Dafür steht Konrad Laimer erstmals in diesem Lehrgang zur Verfügung. Der Bayern-Legionär wird allerdings noch nicht beginnen. Anpfiff in Dublin ist um 20:45 Uhr.
Zwei Siege, aber unterschiedliche Auftritte
Österreich führt die Gruppe B3 mit sechs Punkten an. Zum Auftakt wurde Israel in Linz mit 3:1 besiegt, wobei die Entscheidung erst spät fiel. Romano Schmid brachte die ÖFB-Elf per Elfmeter in Führung, Israel glich nach der Pause aus, schwächte sich unmittelbar danach aber durch einen Ausschluss. Phillipp Mwene und Sasa Kalajdzic sorgten erst in der Schlussphase für den 3:1-Endstand.
Wesentlich überzeugender war das folgende 3:1 gegen den Kosovo. David Affengruber köpfte Österreich nach einem Standard in Führung, Junior Adamu schloss unmittelbar vor der Pause einen starken Umschaltangriff zum 2:0 ab. Nach dem Seitenwechsel erhöhte der eingewechselte Carney Chukwuemeka, ehe Edon Zhegrova per Elfmeter verkürzte. Vor allem Intensität, Gegenpressing und das schnelle Umschalten funktionierten deutlich besser als noch gegen Israel.
Irland zeigte dagegen innerhalb weniger Tage zwei völlig unterschiedliche Gesichter. Beim 0:1 im Kosovo war die Mannschaft von Heimir Hallgrímsson klar unterlegen. Kosovo kam auf 22 Abschlüsse, während Irland offensiv kaum Gefahr entwickelte und erst in der 83. Minute durch Vedat Muriqi bezwungen wurde.
Die Antwort folgte beim 3:0 gegen Israel. Troy Parrott, Adam Idah und Jack Moylan trafen allesamt bereits in der ersten Halbzeit. Besonders Moylan machte mit einem Tor und einem Assist auf sich aufmerksam und dürfte sich damit auch gegen Österreich einen Platz hinter den beiden Spitzen verdient haben.
Rangnick erwartet viele lange Bälle
Rangnick sieht in der wechselhaften irischen Form eine zusätzliche Herausforderung. „Wir haben zwei Gesichter von Irland gesehen“, erklärte der ÖFB-Teamchef. Im Kosovo hätten die Iren kaum Chancen gehabt, gegen Israel sei die Mannschaft hingegen „komplett anders“ aufgetreten und habe verdient gewonnen.
Taktisch erwartet Rangnick ein deutlich direkteres Spiel als zuletzt gegen den Kosovo. „Das ist eine Mannschaft, die schnell versucht, Bälle vorne reinzuspielen. Ich rechne auch mit vielen langen Bällen, mit Bällen in unseren Sechzehner.“ Österreich müsse deshalb nicht nur spielerische Lösungen finden, sondern auch körperlich dagegenhalten. „Wir brauchen wieder eine höhere Energie auf dem Platz als unser Gegner.“
Gerade zweite Bälle dürften damit eine Schlüsselrolle spielen. Irland besitzt mit Parrott und Idah zwei körperlich robuste Angreifer und versucht häufig, das Mittelfeld mit direkten Zuspielen zu überspielen. Österreich wird dagegen versuchen, die irische Dreier- beziehungsweise Fünferkette früh unter Druck zu setzen und nach Ballgewinnen schnell hinter die Wingbacks zu kommen.
Wiegele startet – Danso, Wanner und Veratschnig fehlen
Im österreichischen Tor steht diesmal Florian Wiegele. Rangnick bestätigte bereits vor der Abreise, dass der 2,05 Meter große Keeper von Viktoria Pilsen sein zweites Länderspiel absolvieren wird. „Er hat es im Training wieder richtig gut gemacht, spielt in seinem Verein jedes Spiel“, begründete der Teamchef seine Entscheidung.
In der Abwehr fehlt Danso nach seiner zweiten Gelben Karte gesperrt. Philipp Lienhart dürfte daher neben Affengruber ins Zentrum rücken, während Stefan Posch für den verletzten Veratschnig rechts beginnen könnte. Phillipp Mwene ist nach seinen Beschwerden wieder einsatzfähig, Maximilian Wöber bleibt ebenfalls eine Option für die linke Seite.
Im Mittelfeld fehlen Wanner und Horvath. Dadurch bietet sich für Chukwuemeka nach seinem Jokertor gegen den Kosovo die Chance auf seinen ersten Start in diesem Lehrgang. Laimer soll dagegen zunächst auf der Bank sitzen. Rangnick stellte dem zuletzt an den Adduktoren verletzten Bayern-Spieler rund 30 Minuten in der zweiten Hälfte in Aussicht.
Auch Gregoritsch steht nach seiner Sprunggelenksverletzung wieder zur Verfügung. Im Sturmzentrum hat Rangnick damit die Wahl zwischen ihm, Adamu und Kalajdzic.
Hallgrímsson setzt auf Heimstärke
Irlands Teamchef Hallgrímsson bezeichnete Österreich als „die höchstplatzierte Mannschaft in unserer Gruppe“ und machte deutlich, dass sich seine Mannschaft nach turbulenten Tagen wieder vollständig auf den Fußball konzentrieren müsse. Nach dem Sieg gegen Israel sei die Stimmung im Kader gut.
Personell fehlen den Gastgebern insbesondere Kapitän Nathan Collins wegen einer Wadenverletzung und Angreifer Evan Ferguson aufgrund von Sprunggelenksproblemen. Bosun Lawal ist zwar wieder beim Team, für einen Einsatz aber noch nicht bereit.
Dafür besitzt Irland im Aviva Stadium eine bemerkenswerte Serie: Die Mannschaft ist seit acht Heimspielen ungeschlagen und blieb in den vergangenen vier Heimpartien ohne Gegentor. Österreich wiederum hat seit 1995 nicht mehr in Irland gewonnen.
Die möglichen Aufstellungen
Irland könnte erneut in einem 3-4-1-2 bzw. 5-2-1-2 beginnen: Kelleher – Abankwah, O’Shea, O’Brien – Kitching, Molumby, Coventry, Manning – Moylan – Idah, Parrott.
Gegen Israel funktionierte diese kompakte Grundordnung mit schnellen Angriffen über die beiden Spitzen ausgezeichnet.
Bei Österreich erscheint ein 4-2-3-1 wahrscheinlich: Wiegele – Posch, Affengruber, Lienhart, Wöber – Seiwald, Xaver Schlager – Schmid, Chukwuemeka, Wimmer – Adamu.
Gregoritsch, Kalajdzic und Mwene sind Alternativen, Laimer soll im Verlauf der zweiten Hälfte dazukommen.
Nach zwei Heimspielen ist Dublin damit der erste echte Auswärtstest des neu formierten ÖFB-Teams. Ein dritter Sieg würde Österreich bereits früh eine ausgezeichnete Ausgangsposition im Kampf um die Rückkehr in Liga A verschaffen. Irland wiederum könnte mit einem Heimsieg nach Punkten gleichziehen – entsprechend intensiv dürfte es im Aviva Stadium werden.