Für den Dreh wechselte Klien vom Expertenplatz zurück ins Cockpit. Am Steuer eines Sportwagen-Prototyps des österreichischen Herstellers Pedrazza Racing Cars zeigt der Vorarlberger, welche Kräfte beim Anbremsen wirken, warum die starke Steigung die Wahrnehmung des Fahrers verändert und weshalb die richtige Linie durch Kurve 3 entscheidend ist.
Von über 330 auf rund 70 km/h
Das Besondere beginnt bereits lange vor dem eigentlichen Kurveneingang. Von Kurve 1 bis zur Interwetten-Kurve sind es knapp ein Kilometer, die mit Vollgas absolviert werden – und zum Schluss steigt die Strecke mit bis zu zwölf Prozent steil an.
Aus dem tiefen Cockpit eines Rennwagens wirkt diese Passage laut Klien noch extremer. „Wenn’s dann auf einmal zwölf Prozent nach oben geht, fühlt sich das an, als ob du gegen ‚ne Wand fährst.“
Klien zufolge kommen Formel-1-Autos vor Kurve 3 mit mehr als 330 km/h an und bremsen auf rund 70 km/h herunter. Entscheidend ist dabei nicht nur, möglichst spät zu verzögern. Der Fahrer muss gleichzeitig den Scheitelpunkt sauber treffen und das Auto für die Beschleunigungsphase am Ausgang stabil halten.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen
Die Kuppe erschwert den Kurvenausgang
Kurve 3 ist eine enge Rechtskurve von etwas mehr als 90 Grad. Eine zusätzliche Herausforderung entsteht durch die Topografie: Im Bereich des Kurvenausgangs führt die Strecke über eine Kuppe, wodurch das Heck des Autos leichter wird.
Klien erklärt im Video, dass dadurch die Traktion eine entscheidende Rolle spielt. Wer zu aggressiv ans Gas geht oder das Fahrzeug nicht sauber ausrichtet, riskiert ein ausbrechendes Heck. Gleichzeitig darf am Ausgang keine unnötige Geschwindigkeit verloren gehen, denn unmittelbar danach folgt die nächste lange Beschleunigungsphase in Richtung Kurve 4.
Gerade im direkten Duell besitzt die Passage deshalb große Bedeutung. Kurve 3 gilt als eine der wichtigsten Überholzonen des Red Bull Rings – wer hier verteidigt, braucht laut Klien vor allem die richtige Linie. Wer innen spät bremst, muss sicherstellen, dass er den Kurvenausgang trotzdem sauber erwischt.
Nur zehn Kurven – aber große Höhenunterschiede
Mit lediglich zehn Kurven wirkt der Red Bull Ring auf dem Papier vergleichsweise übersichtlich. Die starken Höhenunterschiede sorgen allerdings dafür, dass die Strecke fahrerisch deutlich anspruchsvoller ist, als der Streckenplan vermuten lässt.
Die ursprüngliche Rennstrecke in Spielberg entstand 1969. Die Formel 1 gastierte am Österreichring zunächst von 1970 bis 1987 und nach dem Umbau zum A1-Ring erneut von 1997 bis 2003. Im Jahr 2014 kehrte die Königsklasse auf den heutigen Red Bull Ring zurück und ist seither regelmäßig in Spielberg zu Gast.
Kurve 3 nimmt innerhalb des vergleichsweise kurzen Kurses eine besondere Rolle ein. Dort treffen eine sehr hohe Anfahrtsgeschwindigkeit, hartes Bremsen, starke Steigung, eine enge Linienwahl und ein anspruchsvoller Kurvenausgang innerhalb weniger Sekunden aufeinander.
Klien zeigt die Strecke aus Fahrersicht
Genau diese Perspektive steht im rund viereinhalb Minuten langen Kurzfilm im Vordergrund. Statt die Kurve ausschließlich anhand von Streckendaten zu erklären, demonstriert Klien direkt vor Ort, worauf ein Rennfahrer achten muss – vom Bremspunkt über den Apex bis zur Traktion beim Herausbeschleunigen.
Dass die Kurve neben ihrer sportlichen Herausforderung auch Risiken birgt, verschweigt Klien nicht. Wer innen über das Kiesbett gerät, kann im Zweikampf schnell einen Konkurrenten treffen. Eine Kurve, die so viel Adrenalin erzeuge, bringe eben immer auch ein gewisses Risiko mit sich.
Interwetten baut Motorsport-Engagement aus
Der ehemalige Formel-1-Pilot ist seit dieser Saison als Experte für Interwetten tätig und freut sich, dass Kurve 3 nun als Interwetten-Kurve geführt wird: „Das unterstreicht die tiefe Verbundenheit der Marke mit dem Rennsport auf perfekte Art und Weise.“
Für Interwetten ist die Namenspatronanz ein weiterer Schritt im Motorsport-Engagement. „In unserer mehr als 35-jährigen Unternehmensgeschichte ist der Motorsport seit jeher ein zentraler Pfeiler“, heißt es seitens des Unternehmens. Mit der Interwetten-Kurve setze man „ein sichtbares Ausrufezeichen auf einer der populärsten Rennstrecken der Welt“.
Vor allem eines macht der Kurzfilm deutlich: Die Interwetten-Kurve ist weit mehr als eine langsame Rechtskurve nach einer langen Geraden. Innerhalb weniger Sekunden muss der Fahrer von maximaler Geschwindigkeit zu maximaler Präzision wechseln – und genau darin liegt der besondere Reiz dieser Schlüsselstelle in Spielberg.