{"id":3032,"date":"2026-08-04T20:20:05","date_gmt":"2026-08-04T18:20:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.interwetten.news\/?post_type=blog&#038;p=3032"},"modified":"2026-08-04T20:22:20","modified_gmt":"2026-08-04T18:22:20","slug":"infantino-unter-druck-fifa-krise-spitzt-sich-zu","status":"publish","type":"blog","link":"https:\/\/www.interwetten.news\/de\/news\/infantino-unter-druck-fifa-krise-spitzt-sich-zu\/","title":{"rendered":"Infantino unter Druck: FIFA-Krise spitzt sich zu"},"content":{"rendered":"<section class=\"text-module  bg-bg-default text-text-default  dark:!bg-dark dark:!text-white\" >\n  <div id=\"acf-block-6a722d5547d4e\"  class=\"transform -translate-y-2xl\"><\/div>\n    <div class=\"mx-auto max-w-screen-3xl spacing-px spacing-py\">\n          <div class=\"typo-body text-element max-w-3xl align-left \">\n        <p>Was zun\u00e4chst wie ein weiterer umstrittener Machtzug des FIFA-Pr\u00e4sidenten wirkte, ist l\u00e4ngst zu einer Grundsatzfrage geworden. Es geht um Geld, Kontrolle, N\u00e4he zur Politik, Governance und letztlich um die Frage, wem die Weltmeisterschaft geh\u00f6rt. Infantino hat seinen Plan mittlerweile zur\u00fcckgezogen, doch der Schaden ist angerichtet. Die n\u00e4chsten Monate k\u00f6nnten dar\u00fcber entscheiden, ob er die FIFA bis 2031 f\u00fchren kann \u2013 oder ob aus dem Aufstand tats\u00e4chlich ein Machtwechsel wird.<\/p>\n<h2>Worum es im Kern geht<\/h2>\n<p>Ausl\u00f6ser der Krise war das Projekt \u201eFIFA Forward Enterprise\u201c. Die FIFA wollte eine neue kommerzielle Tochtergesellschaft schaffen, in der unter anderem die Vermarktung der Weltmeisterschaft und anderer FIFA-Wettbewerbe geb\u00fcndelt werden sollte. Diese Gesellschaft wurde mit rund 20 Milliarden US-Dollar bewertet, bis zu 20 Prozent sollten an externe Investoren verkauft werden. Damit h\u00e4tte die FIFA laut Reuters bis zu 4,2 Milliarden Dollar erl\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Offiziell argumentierte Infantino, das Geld solle in den Fu\u00dfball reinvestiert werden und vor allem kleinere Verb\u00e4nde st\u00e4rken. Kritiker sahen darin aber eine historische Grenz\u00fcberschreitung: Die WM w\u00e4re erstmals nicht nur kommerziell verwertet, sondern teilweise zu einem Investmentprodukt gemacht worden. Besonders brisant: Als f\u00fchrender Investor war Thrive Eternal vorgesehen, ein Fonds aus dem Umfeld von Joshua Kushner, dem Bruder von Jared Kushner, also dem Schwiegersohn von US-Pr\u00e4sident Donald Trump.<\/p>\n<h2>UEFA droht mit Boykott<\/h2>\n<p>Die sch\u00e4rfste Reaktion kam aus Europa. Die UEFA und ihre 55 Nationalverb\u00e4nde ver\u00f6ffentlichten ein ungew\u00f6hnlich hartes Statement und k\u00fcndigten an, nicht an FIFA-Wettbewerben teilzunehmen, solange solche Pl\u00e4ne weiter im Raum stehen. Der zentrale Satz: Die Weltmeisterschaft sei \u201enot for sale\u201c.<\/p>\n<p>Die UEFA kritisierte nicht nur den Inhalt des Projekts, sondern vor allem den Prozess. Ein Vorhaben dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung sei im Geheimen vorbereitet und ohne echte Konsultation an den Rand einer Entscheidung gebracht worden. F\u00fcr die Europ\u00e4er ist das der entscheidende Punkt: Es geht nicht nur darum, ob private Investoren Geld in FIFA-Produkte stecken d\u00fcrfen, sondern ob Infantino die gro\u00dfen Verb\u00e4nde, Ligen, Klubs, Spieler und Fans bei der Zukunft des Weltfu\u00dfballs \u00fcbergehen kann.<\/p>\n<h2>Der R\u00fcckhalt br\u00f6ckelt<\/h2>\n<p>Infantino galt lange als beinahe unangreifbar. Seine Machtbasis lag vor allem au\u00dferhalb Europas: Bei kleineren und wirtschaftlich schw\u00e4cheren Verb\u00e4nden, die stark von FIFA-Zahlungen profitieren. Genau dort soll sein Projekt auch mit dem Versprechen zus\u00e4tzlicher Aussch\u00fcttungen verkauft worden sein. Laut \u201eReuters\u201c war von 20 bis 40 Millionen Dollar pro Verband die Rede, wenn das Modell unterst\u00fctzt werde.<\/p>\n<p>Doch diese Logik funktioniert derzeit nicht mehr so reibungslos. Mehrere europ\u00e4ische Verb\u00e4nde haben ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr Infantinos Wiederwahl zur\u00fcckgezogen oder \u00f6ffentlich erkl\u00e4rt, ihn nicht mehr unterst\u00fctzen zu wollen. England, Wales, Finnland, Serbien, Schweden, Deutschland und die Niederlande z\u00e4hlen zu den sichtbarsten Kritikern. Gleichzeitig w\u00e4chst auch in der CONCACAF-Zone Unmut. Laut \u201eGuardian\u201c pr\u00fcfen mehrere Verb\u00e4nde aus Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik, ob sie ihre Unterst\u00fctzung zur\u00fcckziehen.<\/p>\n<p>Ganz verloren ist Infantino aber keineswegs. Katar, Marokko, Kuwait, Libanon und Sri Lanka stellten sich \u00f6ffentlich hinter ihn. Auch aus Afrika gibt es einzelne Unterst\u00fctzungsbekundungen, w\u00e4hrend der Kontinentalverband CAF noch keine klare Linie vorgegeben hat. Genau deshalb ist die Lage offen: Infantino hat R\u00fcckhalt verloren, aber nicht zwingend schon die Mehrheit.<\/p>\n<h2>Bruchlinien innerhalb der FIFA<\/h2>\n<p>Besonders gef\u00e4hrlich f\u00fcr Infantino ist, dass sich auch Personen aus dem FIFA-Umfeld distanzieren. Generalsekret\u00e4r Mattias Grafstr\u00f6m schrieb laut \u201eReuters\u201c in einer internen Nachricht an Mitarbeiter von einer \u201etraurigen und vorwerfbaren\u201c Abfolge von Ereignissen, ohne Infantino namentlich zu nennen. Ars\u00e8ne Wenger erkl\u00e4rte \u00f6ffentlich, er sei nicht in das Projekt eingebunden gewesen und habe erst aus den Medien davon erfahren. Die Entscheidung, das Projekt zur\u00fcckzuziehen, sei \u201eabsolut notwendig\u201c gewesen.<\/p>\n<p>Dazu kommt der Vorwurf von Ali bin Hussein, dem Pr\u00e4sidenten des jordanischen Verbands. Er sprach \u00f6ffentlich von \u201eErpressung\u201c und behauptete, FIFA-Hilfe sei in Zusammenhang mit einer Unterst\u00fctzung Infantinos gestellt worden. Die FIFA wurde dazu um Stellungnahme gebeten, der Vorwurf zeigt aber, wie toxisch die Stimmung geworden ist.<\/p>\n<h2>Trump-Faktor sorgt f\u00fcr zus\u00e4tzliche Brisanz<\/h2>\n<p>Ein weiterer Strang betrifft Infantinos N\u00e4he zu Donald Trump. Berichte der \u201eNew York Post\u201c und der \u201eTimes\u201c legten nahe, Infantino habe nach dem Scheitern seines Plans versucht, Unterst\u00fctzung aus dem Trump-Umfeld zu erhalten. Die FIFA dementierte das scharf und sprach von frei erfundenen Berichten. Auch das US-Au\u00dfenministerium erkl\u00e4rte, es gebe kein geplantes Telefonat mit Au\u00dfenminister Marco Rubio.<\/p>\n<p>Trotzdem bleibt der politische Kontext problematisch. Infantino pflegte w\u00e4hrend der WM 2026 ein enges Verh\u00e4ltnis zu Trump, gleichzeitig gab es bereits zuvor Kritik rund um die aufgehobene Sperre von US-Spieler Folarin Balogun. F\u00fcr viele Kritiker verst\u00e4rkt das den Eindruck, dass FIFA-Entscheidungen zu sehr von politischen Beziehungen und pers\u00f6nlichen Netzwerken beeinflusst werden.<\/p>\n<h2>Wer k\u00f6nnten die Gegenspieler sein?<\/h2>\n<p>Die wichtigsten Player sind derzeit UEFA-Pr\u00e4sident Aleksander \u010ceferin, CONCACAF-Chef Victor Montagliani, AFC-Pr\u00e4sident Sheikh Salman, mehrere europ\u00e4ische Nationalverb\u00e4nde und m\u00f6gliche Reformfiguren wie Nasser Al-Khela\u00effi oder Lise Klaveness. Montagliani gilt als besonders interessanter Name, weil er aus dem CONCACAF-Verband kommt und damit nicht als rein europ\u00e4ischer Gegenkandidat wirken w\u00fcrde. Genau das w\u00e4re wichtig, wenn Infantino wirklich abgel\u00f6st werden soll.<\/p>\n<p>Eine rein europ\u00e4ische Revolte reicht kaum. Die FIFA hat 211 Mitgliedsverb\u00e4nde, gew\u00e4hlt wird global. Wer Infantino schlagen will, braucht eine Koalition aus Europa, Teilen Asiens, Nord- und Mittelamerika, Ozeanien und zumindest einem relevanten Block aus Afrika.<\/p>\n<h2>Wie kann die Krise enden?<\/h2>\n<p>Es gibt mehrere Szenarien. Das mildeste w\u00e4re ein kompletter R\u00fcckzug des Investorenmodells, schriftliche Garantien gegen \u00e4hnliche Konstruktionen und eine glaubw\u00fcrdige Governance-Reform. Dann k\u00f6nnte Infantino besch\u00e4digt, aber im Amt bleiben.<\/p>\n<p>Das zweite Szenario w\u00e4re eine politisch organisierte Abl\u00f6se bei der FIFA-Wahl im M\u00e4rz 2027. Neue Kandidaten m\u00fcssen bis November nominiert werden. Gelingt es der Opposition, eine einheitliche Figur aufzubauen, wird Infantinos Wiederwahl erstmals ernsthaft unsicher.<\/p>\n<p>Das dritte Szenario w\u00e4re die Eskalation: Rechtliche Schritte der UEFA, weitere Verb\u00e4nde, die ihre Unterst\u00fctzung zur\u00fcckziehen und im Extremfall Boykottdrohungen gegen FIFA-Wettbewerbe oder Gegenmodelle bei Turnieren. Das w\u00e4re f\u00fcr alle Seiten riskant, aber derzeit nicht mehr v\u00f6llig undenkbar.<\/p>\n<p>Der wichtigste Punkt: Infantino hat den Plan zwar zur\u00fcckgezogen, aber das Vertrauen damit nicht automatisch wiederhergestellt. Die Frage ist nun nicht mehr nur, ob \u201eFIFA Forward Enterprise\u201c tot ist. Die Frage ist, ob Gianni Infantino politisch stark genug bleibt, um nach dieser Krise weiter Pr\u00e4sident zu sein.<\/p>\n      <\/div>\n      <\/div>\n<\/section>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gianni Infantino erlebt die schwerste Krise seiner FIFA-Pr\u00e4sidentschaft. 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