Es war das erste Aufeinandertreffen der beiden in ihrer gesamten Karriere – und es hätte für einen kurzen Moment so ausgesehen, als könnte Billy Harris dem Favoriten ernsthaft gefährlich werden. Am Ende aber setzte sich Karen Khachanov am 30. Juni 2026 auf Court 18 klar mit 6:3, 5:7, 6:3, 6:3 durch und zog als Nummer 19 des Tableaus sicher in die zweite Runde der Wimbledon Championships 2026 ein.
Solider Start, dann der Ausgleich
Khachanov übernahm im Eröffnungsdurchgang sofort das Kommando. Mit einer Aufschlagquote von 67 Prozent und starken 72 Prozent gewonnener Punkte beim ersten Aufschlag ließ er Harris kaum Luft zum Atmen und gewann den ersten Satz mit 6:3. Doch der Brite aus der Isle of Man gab sich nicht kampflos geschlagen. Harris, der sich über drei Qualifikationssiege – gegen Stefano Napolitano, Zsombor Piros und Yi Zhou – ins Hauptfeld gespielt hatte, zeigte im zweiten Satz sein bestes Tennis. Er führte zwischenzeitlich mit 4:2, gab diesen Vorsprung zwar noch aus der Hand, kämpfte sich aber durch ein entscheidendes Break zurück und holte sich den Satz schließlich im Tiebreak mit 7:5. Ein lautstarker Jubel dürfte auf Court 18 zu hören gewesen sein – und für einen Moment wirkte der Qualifikant wie ein ernsthafter Störenfried.
Khachanov dreht das Spiel und zeigt seine Klasse
Doch die Aufbruchstimmung auf Harris' Seite verflog rasch. Khachanov, zweifacher Wimbledon-Viertelfinalist aus den Jahren 2021 und 2025, schüttelte den Satzverlust ab und dominierte die verbleibenden zwei Durchgänge nach Belieben. Den dritten und vierten Satz gewann er jeweils klar mit 6:3 und ließ Harris dabei kaum Breakchancen zu. Besonders auffällig: Khachanov sicherte sich 70 Prozent seiner Netzpunkte und konnte 60 Prozent der Breakchancen verwerten – eine Effizienz, die den Unterschied zwischen beiden Spielern an diesem Tag deutlich unterstrich.
Bemerkenswert ist dabei, dass Khachanov in die Rasen-Saison 2026 mit wenig Matchpraxis gegangen war. Sein einziges Vorbereitungsspiel auf Gras hatte er in Halle gegen Ethan Quinn verloren. Auf dem wichtigsten Rasenplatz der Welt zeigte er jedoch, warum er in den Tiefpunkten seiner Karriere – sein Höchstranking liegt bei Weltranglistenplatz 8 aus dem Jahr 2019 – immer wieder zu den Großen gezählt wurde.
Harris scheitert, liefert aber eine Leistung mit Charakter
Für Billy Harris endet das Turnier erneut in der ersten Runde, nachdem er 2025 noch die zweite Runde erreicht hatte. Der 46-Prozent-Anteil an gewonnenen Gesamtpunkten zeigt aber, dass der Brite kein einfaches Opfer war. Mit 34 Winnern und einer Rückgabe-Effizienz von 48 Prozent beim zweiten Aufschlag des Gegners bewies Harris, warum er in dieser Rasensaison zuvor sieben von zehn Matches gewonnen hatte und im September 2025 seinen ersten ATP-Challenger-Titel beim Cassis Open Provence feiern durfte. Für Khachanov geht die Reise in Wimbledon 2026 weiter – in der zweiten Runde wartet nun Yannick Hanfmann.