Mit einem Vorsprung von 0,48 Sekunden auf Loïc Meillard und 0,49 Sekunden auf Marco Odermatt feierte Braathen seinen zweiten Sieg auf dem Rettenbachgletscher. Der Brasilianer hatte bereits nach dem ersten Durchgang geführt und ließ sich die Spitze trotz schwieriger Bedingungen auch im Finale nicht mehr nehmen. Österreich blieb zum Saisonauftakt ohne Podestplatz, obwohl Stefan Brennsteiner nach dem ersten Durchgang noch auf dem dritten Rang gelegen war.
Starker Wind verändert die Ausgangslage
Der Auftakt am Rettenbachgletscher stand im Zeichen schwieriger Bedingungen. Kräftige Windböen zwangen die Veranstalter, den Start nach unten zu verlegen und die Strecke um zehn Tore zu verkürzen. Eingeschränkte Sicht erschwerte den Athleten zusätzlich die Orientierung.
Braathen kam mit diesen Verhältnissen am besten zurecht. Mit Startnummer vier erzielte der 26-Jährige in 52,40 Sekunden die Bestzeit des ersten Durchgangs. Im Steilhang fuhr er eine direkte Linie und verlor dabei kaum Geschwindigkeit. Der Schweizer Meillard lag 0,24 Sekunden zurück, Österreichs Stefan Brennsteiner reihte sich mit 0,49 Sekunden Rückstand auf Platz drei ein. Vorjahressieger Odermatt folgte weitere sechs Hundertstel dahinter.
Schwarz scheidet früh aus, Brennsteiner auf Podestkurs
Für Marco Schwarz endete der Saisonstart bereits nach vier Toren. Der Kärntner, im Vorjahr Zweiter in Sölden, geriet beim Übergang ins steile Gelände zu stark auf den Innenski und verpasste ein Tor. Er konzentriert sich in diesem Winter auf Riesentorlauf und Speedbewerbe, nachdem er auf weitere Slalomeinsätze verzichtet.
Brennsteiner bewahrte dagegen die österreichischen Podesthoffnungen. Hinter ihm schafften auch Patrick Feurstein, Joshua Sturm und Riesentorlauf-Weltmeister Haaser den Sprung in die Entscheidung. Feurstein belegte nach dem ersten Lauf zeitgleich mit River Radamus Rang 15 (+1,15 Sekunden), Sturm folgte als 17. (+1,16). Haaser musste als 20. mit bereits 1,28 Sekunden Rückstand erheblich aufholen.
Haaser fährt Laufbestzeit, Braathen bleibt souverän
Im Finale entwickelte sich der Steilhang erneut zur entscheidenden Passage. Mehrere Läufer verloren mit zu harten Kanteneinsätzen oder weiten Linien wertvolle Zehntelsekunden. Haaser fand dagegen eine flüssige Spur und erzielte mit 51,90 Sekunden die schnellste Zeit des gesamten zweiten Durchgangs. Der Tiroler verbesserte sich damit um 15 Plätze auf Rang fünf und war bester Österreicher. Auf den dritten Rang fehlten ihm lediglich 0,37 Sekunden.
Auch der US-Amerikaner Radamus nutzte die Gelegenheit: Er steigerte sich vom geteilten 15. auf den vierten Platz. Brennsteiner hingegen fand im Steilhang keinen sauberen Rhythmus, musste mehrfach korrigieren und fiel von Platz drei auf elf zurück. Patrick Feurstein wurde Zehnter.
Odermatt schob sich anschließend an Radamus vorbei, ehe Meillard den Gesamtweltcupsieger um eine einzige Hundertstelsekunde unterbot. Die Entscheidung lag damit bei Braathen. Der Brasilianer attackierte den Steilhang mit einer präzisen, direkten Linienführung und bewahrte auch auf den unruhigen Abschnitten die Balance. Im flacheren Zielteil büßte er etwas Zeit ein, doch sein Vorsprung reichte klar zum Sieg.
Zweiter Sölden-Triumph nach historischem Olympiawinter
Für Braathen war es bereits der zweite Erfolg auf dem Rettenbachgletscher. 2020 hatte er hier seinen ersten Weltcupsieg gefeiert, damals noch für Norwegen. Nach seinem zwischenzeitlichen Rücktritt kehrte er 2024 unter brasilianischer Flagge zurück. Im Februar 2026 gewann er olympisches Riesentorlaufgold – die erste Medaille Brasiliens bei Winterspielen überhaupt. Im März sicherte er sich zudem erstmals die kleine Kristallkugel im Riesentorlauf.
Moltzan gewinnt den Auftakt der Frauen
Bereits am Samstag hatten die Frauen ihren Riesentorlauf in Sölden bestritten. Die US-Amerikanerin Paula Moltzan feierte ihren ersten Weltcupsieg und setzte sich mit nur einer Hundertstelsekunde Vorsprung gegen Lara Colturi durch. Emma Aicher wurde Dritte. Franziska Gritsch belegte als beste Österreicherin Rang neun, Vorjahressiegerin Julia Scheib schied nach einem Sturz aus.
Weltcup geht Mitte November weiter
Für die Männer folgt nun eine knapp dreiwöchige Rennpause. Am 15. November steht in Levi der erste Slalom an, am 22. November folgt der nächste in Gurgl. Der zweite Riesentorlauf der Saison wird am 29. November in Copper Mountain ausgetragen. Saisonhöhepunkt sind die Weltmeisterschaften im Februar 2027 in Crans-Montana.