Die Nominierung ist daher weniger als Ankündigung eines neuerlichen Blitz-Comebacks zu verstehen. Vonn erfüllte aufgrund ihrer Leistungen die sportlichen Kriterien für den A-Kader und bleibt während ihrer Rehabilitation offiziell Teil des Teams. Ob sie überhaupt noch einmal in den Rennsport zurückkehrt, ist weiterhin offen.
Ein langer Weg nach dem Horrorcrash
Vonn hatte in ihrer Comeback-Saison eindrucksvoll bewiesen, dass sie selbst mit über 40 Jahren noch zur absoluten Weltspitze gehört. Vor den Olympischen Spielen führte sie sogar die Abfahrtswertung im Weltcup an.
Dann folgte eine dramatische Verletzungsserie. Ende Jänner riss sich Vonn bei einem Sturz in Crans-Montana das Kreuzband im linken Knie. Trotzdem entschied sie sich, bei den Olympischen Spielen in Cortina anzutreten.
Nur 13 Sekunden nach dem Start der Olympia-Abfahrt stürzte sie schwer und zog sich eine komplizierte Fraktur des linken Schienbeins zu. Die Verletzung war derart gravierend, dass zwischenzeitlich sogar eine Amputation des Beines im Raum stand. Mehrere Operationen waren notwendig.
Im August erklärte Vonn, dass ihr noch eine weitere Operation am Kreuzband bevorstehe. Danach rechne sie mit etwa neun weiteren Monaten Rehabilitation.
„Ich weiß nicht wirklich, was die Zukunft bringt. Ich bin einfach dankbar dafür, wo ich jetzt stehe“, sagte die US-Amerikanerin. Bereits zuvor hatte sie klargestellt, dass auch ein endgültiges Karriereende für sie inzwischen eine akzeptable Möglichkeit sei.
Ein Renn-Comeback käme frühestens in der Saison 2027/28 infrage.
Shiffrin erneut die große Gejagte
Sportlich startet der Damen-Weltcup damit ohne Vonn in die Saison. Die prominenteste Favoritin bleibt ihre Landsfrau Mikaela Shiffrin. Die 31-Jährige gewann im vergangenen Winter sowohl den Gesamtweltcup als auch erneut die Slalomwertung. Im Riesentorlauf möchte sie in der neuen Saison ebenfalls wieder stärker angreifen.
Im Slalom zählen neben Shiffrin vor allem die Schweizerinnen Camille Rast und Wendy Holdener sowie Paula Moltzan, Katharina Truppe und Emma Aicher zum engsten Kreis der Herausforderinnen.
Im Riesentorlauf trägt hingegen Österreich die Nummer eins. Julia Scheib gewann 2025/26 erstmals die kleine Kristallkugel und startet damit als Titelverteidigerin in die neue Saison. Camille Rast, Sara Hector, Alice Robinson und Shiffrin gehören zu ihren prominentesten Konkurrentinnen.
Goggia und Pirovano bei den Speedrennen im Fokus
In der Abfahrt ist das Feld nach Vonns Ausfall besonders offen. Laura Pirovano gewann im vergangenen Winter die Disziplinenwertung vor der vielseitigen Deutschen Emma Aicher. Auch Olympiasiegerin Breezy Johnson, Kira Weidle-Winkelmann und Sofia Goggia sind bei normalem Saisonverlauf jederzeit Siegkandidatinnen.
Im Super-G führt der Weg vor allem über Goggia. Die Italienerin gewann die vergangene Weltcupwertung vor Alice Robinson und Aicher. Allerdings verlief Goggias Vorbereitung aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht völlig störungsfrei.
Auch Federica Brignone, die bei den Olympischen Spielen sensationell Gold im Super-G und Riesentorlauf gewann, wird zum Saisonstart fehlen. Nach einer weiteren Operation kann die Italienerin weder in Sölden noch bei den ersten Rennen in Nordamerika antreten.
Österreich und Schweiz mit mehreren Chancen
Österreichs Damen haben vor allem mit Scheib ein heißes Eisen im Riesentorlauf. Im Slalom zeigte Karin Truppe mit Rang vier im vergangenen Gesamtklassement, dass sie regelmäßig um Podestplätze mitfahren kann. Im Speedbereich bleiben Cornelia Hütter, Nina Ortlieb, Mirjam Puchner und Ariane Rädler wichtige Namen.
Bei den Schweizerinnen verschiebt sich das Gewicht nach dem Karriereende von Lara Gut-Behrami. Rast zählt sowohl im Slalom als auch im Riesentorlauf zu den stärksten Fahrerinnen der Welt, Holdener bleibt vor allem im Slalom gefährlich. Im Speedbereich ruhen die Hoffnungen unter anderem auf Corinne Suter und der aufstrebenden Malorie Blanc.
Und über all diesen sportlichen Fragen steht weiterhin der Name Lindsey Vonn. Dass sie trotz ihrer schweren Verletzungen im amerikanischen A-Kader geführt wird, hält zumindest eine kleine Tür offen. Ob sie diese tatsächlich noch einmal durchschreitet, wird sich allerdings frühestens in einem Jahr entscheiden.