Wir werfen einen Blick auf die sechs Samstagsspiele.
Augsburg gegen Bayern: Der Favorit ist gewarnt
Auf dem Papier scheint die Rollenverteilung im bayerischen Duell klar. Der FC Bayern ist nach vier Spielen noch ungeschlagen, hält bei zehn Punkten und erzielte bereits 14 Tore. Direkt vor der Pause fegte die Mannschaft von Vincent Kompany Union Berlin mit 7:0 vom Platz.
Augsburg startete mit sieben Punkten allerdings ebenfalls stark und erzielte bereits elf Treffer. Noch wichtiger für die Psyche der Gastgeber: Das letzte direkte Duell gewann der FCA im Jänner sensationell mit 2:1 in München. Es war die einzige Bayern-Niederlage in den vergangenen 47 Bundesligaspielen. Davor hatte Bayern das Hinspiel in Augsburg nur knapp mit 3:2 gewonnen.
Ganz ohne Probleme geht Augsburg jedoch nicht in die Partie. Noahkai Banks, der bislang keine einzige Bundesligaminute verpasst hatte, verletzte sich bei der deutschen U21 am Außenband im Knie. Auch Tim Breithaupt und Steve Mounié fehlen.
Bei Bayern fällt Jamal Musiala mit einem Muskelfaserriss aus. Ansonsten kommt Kompany mit einem weitgehend vollständigen Kader aus der Pause. Zudem sind die Münchner seit mittlerweile 28 Bundesliga-Auswärtsspielen ungeschlagen. Eine Augsburger Sensation ist dennoch weniger abwegig, als es die Namen vermuten lassen.
Mainz gegen Leverkusen: Fast ein Duell auf Augenhöhe
Wer nur auf die Tabelle blickt, findet zwischen Mainz und Leverkusen derzeit kaum Unterschiede. Beide Teams holten aus vier Spielen sieben Punkte. Mainz gewann unmittelbar vor der Pause spektakulär mit 4:3 in Mönchengladbach, Leverkusen setzte sich mit 2:0 gegen Leipzig durch.
Die Rheinhessen müssen allerdings weiterhin ohne Stammtorhüter Robin Zentner auskommen. Dominik Kohr fehlt ebenfalls, während Paul Nebel, Silvan Widmer und Fabio Gruber wieder ins Training eingestiegen sind. Bei Nebel dürfte ein Einsatz nach seiner langen Pause aber noch zu früh kommen. Leverkusen reist ohne Doué, Culbreath und Eichhorn an.
Die jüngere direkte Bilanz spricht für die „Werkself“, eindeutig waren diese Spiele allerdings selten. In der Vorsaison gab es zunächst ein wildes 4:3 für Leverkusen in Mainz, ehe das Rückspiel 1:1 endete. Auch das letzte Mainzer Heimspiel der Saison 2024/25 endete gegen Bayer 2:2. Der letzte Mainzer Sieg gegen Leverkusen liegt dennoch bereits mehr als dreieinhalb Jahre zurück.
Paderborn gegen Stuttgart: Vorsicht vor dem Aufsteiger
Beim VfB Stuttgart ist der Druck bereits erstaunlich groß. Nach vier Spieltagen stehen lediglich drei Punkte und Rang 15 zu Buche. Der Champions-League-Teilnehmer des Vorjahres muss sich nach der Pause entsprechend schnell stabilisieren.
Die Aufgabe in Paderborn ist dabei unangenehmer, als sie auf den ersten Blick wirkt. Der Aufsteiger hat vier Punkte gesammelt und vor der Länderspielpause Hoffenheim mit 3:1 besiegt.
Zudem muss Sebastian Hoeneß im Tor umstellen. Dennis Seimen feiert ausgerechnet bei jenem Klub sein Bundesliga-Debüt, bei dem er in der vergangenen Saison leihweise spielte. Jacques, Tiago Tomás und Dan-Axel Zagadou fehlen ebenfalls.
Paderborn muss zwar auf Nyamekye Awortwie-Grant verzichten, besitzt aber einige statistisch auffällige Spieler. Laurin Curda gewann in den ersten vier Runden mehr Zweikämpfe als jeder andere Bundesligaprofi. Sollte Stuttgart nach der Pause nicht sofort wieder seinen Rhythmus finden, gehört dieses Spiel zu den klarsten Kandidaten für eine Überraschung.
Union gegen Elversberg: Wer ist hier eigentlich Favorit?
Noch ungewöhnlicher ist die Situation in Berlin. Union empfängt erstmals in seiner Geschichte die SV Elversberg – und der Aufsteiger reist als klar besser gestartete Mannschaft an.
Elversberg holte sieben Punkte und steht auf Rang acht. Union ist mit nur einem Punkt Vorletzter und kassierte in vier Spielen bereits 17 Gegentore. Alleine beim 0:7 in München vor der Pause wurde die defensive Instabilität schonungslos offengelegt.
Auch die Intensitätswerte sprechen überraschend für die Saarländer: Elversberg bestritt bislang 115 Zweikämpfe mehr als Union und absolvierte auch mehr Sprints.
Trainer Vincent Wagner formulierte es entsprechend selbstbewusst: Die Alte Försterei sei zwar eine große Herausforderung, „ganz so schlecht sind wir aber auch nicht“.
Elversberg muss lediglich auf den verletzten Frederik Schmahl verzichten, Union unter anderem auf Markgraf und Nsoki. Wenn man an diesem Wochenende überhaupt noch von einer Elversberger Sensation sprechen kann, dann nur wegen der Namen und der Historie der beiden Vereine.
Hoffenheim gegen HSV: Beide brauchen dringend Punkte
Hoffenheim und Hamburg stehen jeweils erst bei drei Punkten. Die TSG verlor drei ihrer vier Ligaspiele, ebenso der HSV.
Für Hamburg war der 2:1-Erfolg gegen Köln unmittelbar vor der Pause enorm wichtig. Dennoch zeigen zwei Tore und bereits 13 Gegentreffer, wie groß die Probleme des Aufsteigers bislang waren. Mit Daka und Grønbæk fallen nun auch noch zwei Offensivspieler mit Muskelfaserrissen aus.
Hoffenheim ist allerdings ebenfalls verwundbar. Trainer Christian Ilzer kritisierte die lange Länderspielphase offen, weil ihm zahlreiche Nationalspieler für die tägliche Arbeit fehlten.
Die direkte Bilanz macht den HSV ebenfalls nicht optimistischer. Hoffenheim gewann beide Duelle der vergangenen Saison, zunächst zuhause mit 4:1 und später in Hamburg mit 2:1. Zudem blieb die TSG zuhause gegen keinen Bundesligagegner häufiger ohne Gegentor als gegen den HSV.
Eine Stärke könnte nach der Pause besonders wichtig werden: Hoffenheim erzielte bereits drei Tore nach Kontern und ist damit aktuell das erfolgreichste Umschaltteam der Liga.
Leipzig gegen Frankfurt: Druck auf beiden Seiten
Das Abendspiel bietet schließlich die prominenteste Paarung. Leipzig steht mit sechs Punkten nur auf Rang neun, Frankfurt mit fünf Zählern direkt dahinter.
Bei RB fehlen Marc Guiu und Assan Ouédraogo, Christoph Baumgartner befindet sich noch im Aufbautraining. Bei Frankfurt sind Malik Pimpong und Jeremiaha Maluze nicht verfügbar, dafür ist Can Uzun wieder fit.
Frankfurt zeigte in dieser Saison eine auffällige Spezialität: An allen vier Spieltagen traf die Eintracht innerhalb der ersten zehn Minuten. Fünf Treffer in der Anfangsviertelstunde sind mit Abstand Ligabestwert. Leipzig erzielte in diesem Zeitraum dagegen noch kein einziges Tor.
Für die Eintracht gilt es allerdings, ein Trauma aus der vergangenen Saison zu korrigieren. Vor einem Jahr ging Frankfurt in Leipzig mit 0:6 unter. Insgesamt gelang den Hessen in den vergangenen zehn Jahren nur ein Auswärtssieg bei RB.
Adi Hütter fordert deshalb vor allem Kompaktheit. Werden die Abstände zu groß, seien die schnellen Leipziger „sehr, sehr unangenehm und sehr, sehr gefährlich“.
Damit könnte gerade das Abendspiel zeigen, welche Mannschaft die dreiwöchige Pause besser genutzt hat. Leipzig benötigt nach seinem schwächsten Bundesligastart seit vier Jahren eine Reaktion – Frankfurt wiederum hat die Chance, einen direkten Konkurrenten früh in der Saison weiter unter Druck zu setzen.