Platz 10 in Wimbledon war am Montag Schauplatz eines zähen Erstrunden-Duells, das alles bot, was Tennis so unberechenbar macht: Lichtunterbrechungen, Satzrückstände und ein Ergebnis, das sich erst in den letzten Spielen abzeichnete. Jesper de Jong setzte sich gegen Rinky Hijikata mit 7:6, 3:6, 5:7, 6:4, 6:3 durch – nach rund vier Stunden und zwanzig Minuten auf dem Rasen.
Tiebreak-Krimi zum Auftakt
Der erste Satz gab die Richtung für das gesamte Match vor: Keiner der beiden Spieler ließ sich im eigenen Aufschlagspiel erschüttern, sodass der Tiebreak die Entscheidung bringen musste. De Jong behielt dort die Nerven und gewann ihn mit 7:4 – ein kleiner, aber wichtiger Vorsprung in einem Match, das noch lange nicht entschieden war.
Hijikata, der mit einer überzeugenden Rasensaison-Vorbereitung nach London gekommen war – unter anderem hatte er beim Queen's Club als Qualifier das Viertelfinale erreicht und dabei den Wimbledon-2025-Finalisten Jiri Lehecka besiegt –, ließ sich vom verlorenen Auftaktsatz nicht beirren. Im zweiten Durchgang übernahm der Australier das Kommando und gewann deutlich mit 6:3.
Lichtunterbrechung und Hijikatas Führung
Das Match musste nach dem ersten Satz wegen schlechter Lichtverhältnisse unterbrochen werden. Als die Partie fortgesetzt wurde, zeigte Hijikata seine beste Tennis-Qualität. Er gewann auch den dritten Satz mit 7:5 und führte damit mit 2:1 in Sätzen – de Jong stand mit dem Rücken zur Wand.
Statistisch bewegten sich beide Spieler auf ähnlichem Niveau: Die Aufschlagquoten lagen bei 57 beziehungsweise 59 Prozent für den ersten Aufschlag, die Break-Conversion-Rate bei beiden exakt bei 29 Prozent. Entscheidend war letztlich, dass Hijikata seine Breakchancen zu selten in Punkte ummünzen konnte – eine Schwäche, die ihn das Match kostete.
De Jong dreht auf – und holt sich den Sieg
Doch de Jong, der kurz vor Wimbledon den Parma Challenger gewonnen hatte und mit neuem Selbstvertrauen ins Turnier gestartet war, gab nicht auf. Im vierten Satz fand der Niederländer zurück in seinen Rhythmus, steigerte sein Return-Spiel und sicherte sich den Durchgang mit 6:4. Der fünfte Satz wurde zur Nervenschlacht: De Jong behielt den kühlereren Kopf und gewann mit 6:3.
Bemerkenswert: De Jong gewann das Match trotz einer insgesamt vergleichbaren Gesamtpunktzahl – ein Beleg dafür, wie sehr Tennisentscheidungen von den richtigen Punkten zur richtigen Zeit abhängen. Mit 19 Assen unterstrich de Jong zudem die Bedeutung seines Aufschlags auf dem schnellen Untergrund.
Für de Jong ist der Einzug in die zweite Runde bei Wimbledon die Wiederholung seines bisherigen Bestresultats beim traditionsreichsten Grand-Slam-Turnier der Welt. Sein nächster Gegner ist der brasilianische Youngster Joao Fonseca – eine Aufgabe, die erneut alles abverlangen dürfte. Hijikata, der 2023 an der Seite von Jason Kubler den Australian-Open-Doppeltitel gewann, verabschiedet sich trotz starker Vorbereitung bereits in der ersten Runde.