Machtdemonstration im Louis Armstrong Stadium
Es war ein Duell zweier Welten: Auf der einen Seite Daniil Medvedev, an Nummer 7 gesetzt und US-Open-Champion von 2021, der 2025 noch in der ersten Runde gegen Benjamin Bonzi in fünf Sätzen gescheitert war und nun mit breiter Brust antrat. Auf der anderen Seite Sebastian Gorzny, 22 Jahre alt, Weltranglistenposition 731, Grand-Slam-Hauptfeld-Debütant – und Lokalmatador, der das Publikum im Louis Armstrong Stadium von der ersten Minute an hinter sich hatte. Das Ergebnis nach gut zwei Stunden war eindeutig: Medvedev gewann 6:1, 6:3, 7:5 und lieferte eine Machtdemonstration ab, die kaum Fragen offen ließ.
Medvedev war mit dem Schwung eines überzeugenden Erstrundensiegs gegen Hugo Gaston (6:4, 6:2, 6:4) ins Match gegangen. Gorzny hingegen hatte in der ersten Runde ein kräftezehrendes Fünf-Satz-Match gegen den Belgier Raphael Collignon überstanden, bei dem er im fünften Satz mehrere Matchbälle abwehren musste. Der Kraftaufwand war Gorzny in den entscheidenden Momenten anzumerken.
Aufschlag als Waffe, Return als Kontrollinstrument
Die Statistiken spiegelten die Überlegenheit des Favoriten deutlich wider. Medvedev dominierte mit seinem Aufschlag: Er gewann 87 Prozent der Punkte bei seinem ersten Aufschlag und ließ keinen einzigen Breakball des Gegners zu – seine Quote abgewehrter Breakbälle lag bei 100 Prozent. Dazu schlug er 14 Asse und unterlief lediglich drei Doppelfehler. Gorzny hingegen brachte bei eigenem Aufschlag nur 62 Prozent der Punkte bei seinem ersten Aufschlag durch und kassierte mehrere Breaks, ohne selbst einen einzigen Breakball verwerten zu können.
Auch im Return war Medvedev klar überlegen: 47 Prozent der Punkte beim Return standen Gorznys mageren 27 Prozent gegenüber. Mit 38 Winnern bei lediglich 22 unerzwungenen Fehlern agierte der Favorit präzise und konsequent, während Gorzny mit 39 unerzwungenen Fehlern zu häufig selbst für Punktverluste sorgte.
Gorzny kämpft, Medvedev entscheidet
Die ersten beiden Sätze verliefen weitgehend einseitig. Im ersten Durchgang ließ Medvedev Gorzny nur ein Spiel – ein klares Zeichen der Dominanz von der Grundlinie und beim Aufschlag. Auch der zweite Satz blieb fest in der Hand des Favoriten, der Gorzny kaum Breakbälle ließ und seine eigenen Chancen konsequent verwertete.
Im dritten Satz zeigte Gorzny, was ihn trotz der klaren Niederlage zu einer bemerkenswerten Geschichte macht. Der Texaner, der 2019 als 15-Jähriger eine lebensbedrohliche Erkrankung mit einer ärztlich prognostizierten Überlebenschance von fünf Prozent überstand und 2022 den Wimbledon Boys' Doubles-Titel gewann, kämpfte sich in den Satz und hielt lange mit. Beim Stand von 5:5 schien kurzzeitig sogar ein Tiebreak möglich. Doch Medvedev ließ sich nicht beirren, brach durch und gewann den dritten Satz 7:5.
Medvedev in der dritten Runde
Mit dem Sieg zog Medvedev in die dritte Runde der US Open 2026 ein und bewies, dass er nach dem frühen Ausscheiden im Vorjahr wieder in der Lage ist, bei diesem Turnier für Furore zu sorgen. Gorzny verabschiedete sich als Debütant, der sein erstes Grand-Slam-Hauptfeld-Match gewann und eine Runde weiter kam – eine Leistung, die angesichts seiner Geschichte und des kräftezehrenden Weges dorthin durchaus Respekt verdient.