Es ist das Duell zweier Teams mit völlig unterschiedlichen Ausgangslagen: Während der FC Bayern München im Berliner Olympiastadion das erste Double seit 2020 anstrebt, geht der VfB Stuttgart als druckbefreiter Titelverteidiger ins DFB-Pokalfinale am Samstag (20.00 Uhr, ARD und Sky). Rund 74.000 Zuschauer werden das Aufeinandertreffen verfolgen – und damit exakt 73.300 mehr als beim letzten Münchner Pokalfinale in der Corona-Zeit vor 2149 Tagen.
“Bayern überzeugte mit dem Meistertitel in souveräner Manier und der VfB mit dem vierten Platz und der damit verbundenen Qualifikation für die Champions-League nächste Saison”, sagt Interwetten-Experte Peter Stöger und ergänzt: “Einen Titel zu gewinnen ist bekanntlich schwer, einen Titel zu wiederholen noch schwieriger, noch dazu wenn diesmal der amtierende Meister als Endspielgegner wartet”.
Einen Wermutstropfen gibt es beim Rekordpokalsieger: Manuel Neuer steht wegen muskulärer Probleme in der Wade nicht im Kader, Jonas Urbig hütet erneut das Tor. Neuer gehörte zu den letzten sechs aktiven Bayern-Profis, die beim damaligen Titelgewinn dabei waren.
Für Starstürmer Harry Kane steht fest, was eine Niederlage bedeuten würde: “Wenn wir nicht gewinnen, wird das einen bitteren Beigeschmack hinterlassen.” Bayerns Überlegenheit in dieser Saison ist statistisch eindeutig: Alle drei Duelle gegen Stuttgart gewann der Rekordmeister, mit einem Torverhältnis von 11:3. Dennoch warnt Stuttgarts Sportvorstand Fabian Wohlgemuth vor Übermut – und VfB-Trainer Sebastian Hoeneß träumt laut: “Ein Pokalsieg im Finale gegen die Bayern – da geht nichts mehr drüber.” Hoeneß kann dabei im Gegensatz zu Bayern-Coach Vincent Kompany personell aus dem Vollen schöpfen.
Deniz Undav, Stuttgarts Nationalstürmer, kennt die Rolle des Außenseiters: “Es gibt den klaren Favoriten, das ist der FC Bayern.” Dennoch zeigte er sich kämpferisch: “Wir müssen beten, dass sie Fehler machen und wir die ausnutzen.” Hoeneß selbst räumte die Kräfteverhältnisse ein – und setzte dennoch auf die Pokallogik: “Wenn wir zehnmal gegeneinander spielen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir sehr viele Spiele verlieren – aber wir müssen ja nur eins spielen.” Bayern-Präsident Herbert Hainer zeigte sich “sehr zuversichtlich” angesichts der Geschlossenheit seines Teams. Und Kane fasste zusammen, worum es letztlich geht: das Gefühl, “wirklich den nächsten Schritt gemacht zu haben”.
Den Weg zum erneuten Stuttgarter Titelgewinn zeigt Interwetten-Experte Peter Stöger auf: “Bei ihren Ballgewinnen müssen die Stuttgarter möglichst schnell umschalten und die letzte Kette der Bayern überwinden. Durch die Dominanz der Bayern in den meisten Spielen steht die Verteidigung unglaublich hoch, dahinter ist viel Raum, den man bespielen kann”.