Wenn Waldhof Mannheim auf den 1. FC Kaiserslautern trifft, geht es traditionell um weit mehr als nur drei Punkte oder den Aufstieg in die nächste Pokalrunde. Die Rivalität der beiden nur rund 60 Kilometer voneinander entfernten Klubs entwickelte sich vor allem ab 1983. Nach dem Bundesliga-Aufstieg musste Waldhof seine Heimspiele im Ludwigshafener Südweststadion austragen – und damit in einem Gebiet, das Kaiserslautern als Teil seines Einzugsbereichs betrachtete. Die Spannungen zwischen den Vereinen übertrugen sich in den folgenden Jahren zunehmend auf die Fanszenen.
Die Polizei stufte das erste Pflichtspiel zwischen den beiden Rivalen seit mehreren Jahren entsprechend als Hochrisikopartie ein. Schon vor dem Anpfiff war die Atmosphäre im mit 23.513 Zuschauern gefüllten Carl-Benz-Stadion aufgeheizt.
Viel Kampf, wenig klare Chancen
Auch sportlich brauchte die Partie kaum Anlaufzeit, wenngleich zunächst vor allem das Geschehen auf den Tribünen auffiel. Nach massiver Pyrotechnik im Lauterer Gästeblock musste Schiedsrichter Robert Schröder bereits in der dritten Minute unterbrechen, weil dichter Rauch über den Rasen zog. Aus dem Mannheimer Block waren zudem Gegenstände in Richtung von FCK-Torhüter Julian Krahl geflogen.
Nach der Fortsetzung entwickelte sich das erwartete intensive Derby. Die erste gute Möglichkeit gehörte Waldhof: Kushtrim Asallari prüfte Krahl nach zwölf Minuten, der Lauterer Schlussmann konnte jedoch abwehren. Danach kam der Zweitligist zunehmend besser ins Spiel. Paul Joly bereitete eine Möglichkeit für Marlon Ritter vor, ehe der junge ÖFB-Legionär Thierry Fidjeu-Tazemeta kurz vor der Pause nach einem abgefälschten Abschluss nur die Stange traf.
Nach dem Seitenwechsel wurde Mannheim stärker. Der Drittligist hielt körperlich dagegen und brachte Kaiserslautern zunehmend aus dem Rhythmus. Die beste Gelegenheit zum Führungstreffer hatte der eingewechselte Gonçalo Gregório in der 74. Minute, dessen leicht abgefälschter Schuss ebenfalls am Aluminium landete. So ging es trotz insgesamt 40 Abschlüssen – 22 für den FCK, 18 für Mannheim – torlos in die Schlussphase.
Partie steht vor dem Abbruch
Unmittelbar vor dem Übergang in die Verlängerung eskalierte die Situation dann vollständig. Nach einer Auseinandersetzung auf dem Platz bildete sich eine größere Spielertraube. Kurz darauf wurden aus dem Lauterer Bereich Feuerwerkskörper in Richtung anderer Tribünen geschossen. Mannheimer Anhänger drangen anschließend auf den Rasen vor.
Schröder schickte beide Mannschaften in die Kabinen. Zahlreiche Polizeikräfte betraten das Spielfeld, teilweise waren auch berittene Beamte im Einsatz. Erst nach einer mehr als halbstündigen Unterbrechung und einer deutlichen Durchsage, wonach jeder weitere Zwischenfall zum endgültigen Abbruch führen würde, konnte die Verlängerung beginnen.
Sportlich blieb es auch dort lange eng. Beide Teams wirkten zunehmend erschöpft, ein Elfmeterschießen schien bereits unausweichlich. Dann bekam der eingewechselte Ibrahim Kanaté in der 120. Minute noch einmal Raum. Der 19-Jährige zog nach einem Zuspiel von Alex Murphy aus der Distanz ab und schlenzte den Ball sehenswert zum 1:0 ins Tor. Wenige Augenblicke später war Schluss – Kaiserslautern hatte das Derby und damit auch das Ticket für die zweite Runde gewonnen.
Schwere Ausschreitungen überschatten das Derby
Die sportliche Entscheidung rückte angesichts der Vorfälle allerdings beinahe in den Hintergrund. Nach Angaben der Polizei wurden insgesamt 35 Beamte verletzt, darunter 33 Bundespolizisten. 85 Personen mussten medizinisch betreut werden, acht kamen ins Krankenhaus. Rund 1.400 Sicherheitskräfte waren im Einsatz. Ermittlungen laufen unter anderem wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzung und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz. Der DFB kündigte bereits eine umfassende Aufarbeitung an.
Auch in den beiden anderen Freitagsspielen setzten sich die Favoriten durch. Eintracht Frankfurt zerlegte den Oberligisten SC St. Tönis mit 11:0 und führte dabei bereits zur Pause 10:0. Der Karlsruher SC musste dagegen hart arbeiten: Beim Drittligisten Preußen Münster drehte der KSC einen 0:1-Rückstand noch in einen 2:1-Erfolg.