Der Erfolg war verdient, auch wenn die Wiener mehr Ballbesitz hatten. Sturm kam auf 13 Abschlüsse gegenüber acht der Austria und lag bei den Expected Goals mit 2,50:1,23 deutlich vorne. Der Elfmeter erhöhte den Grazer Wert zwar spürbar, doch auch aus dem Spiel heraus erzeugten die Gäste die gefährlicheren Situationen.
Austria mit Dreierkette – Sturm trotz Ausfällen offensiv
Stephan Helm schickte seine Austria in einem 3-4-2-1 aufs Feld. Vor Samuel Şahin-Radlinger verteidigten Johannes Handl, Aleksandar Dragović und Ibrahim Buhari, auf den Außenbahnen begannen Reinhold Ranftl und Daniel Nnodim. Valentino Müller und Philipp Maybach bildeten das Zentrum, Manfred Fischer und Sanel Šaljić unterstützten Johannes Eggestein.
Sturm musste unter anderem auf Otar Kiteishvili, Seedy Jatta und Filip Rózga verzichten. Fabio Ingolitsch stellte dennoch ein 4-2-3-1 auf. Luca Weinhandl und Jon Gorenc Stanković sicherten im Mittelfeld ab, davor agierten Jacob Hödl, Valmir Matoshi und Simon Seidl hinter Diakité.
Die Austria wollte über die Dreierkette aufbauen und die Schienenspieler hoch positionieren. Sturm verteidigte das Zentrum eng und suchte nach Ballgewinnen schnell die Tiefe. Dadurch hatten die Wiener längere Ballbesitzphasen, die Grazer wirkten bei ihren Angriffen geradliniger.
Mehr Ballbesitz für die Austria, klarere Aktionen für Sturm
Die erste Hälfte war keineswegs einseitig. Austria versuchte, das Spiel über längere Passfolgen zu bestimmen und drückte Sturm phasenweise zurück. Die Gäste verteidigten jedoch kompakt und verhinderten, dass Eggestein regelmäßig in gute Abschlusspositionen kam.
Besonders Valentino Müller gab dem Wiener Mittelfeld Stabilität. Eggestein blieb an der Spitze dagegen weitgehend isoliert.
Sturm war gefährlicher, sobald das Tempo erhöht wurde. Seidl und Matoshi suchten die Räume hinter den aufgerückten violetten Außenbahnen, Weinhandl spielte aus der Tiefe immer wieder vertikal. Kurz vor der Pause führte genau diese Direktheit zum 0:1: Weinhandl bediente Diakité, der das Zuspiel zur Grazer Führung verwertete.
Der Treffer in der Nachspielzeit war für die Austria besonders bitter, kam angesichts der klareren Grazer Möglichkeiten aber nicht völlig gegen den Spielverlauf.
VAR dreht Schwalben-Entscheidung in einen Elfmeter um
Unmittelbar nach Wiederbeginn rückte erneut Diakité in den Mittelpunkt. Der Stürmer dribbelte auf der rechten Seite am Strafraumrand und ging im Duell mit Ranftl im Sechzehner zu Boden. Schiedsrichter Walter Altmann entschied zunächst auf Schwalbe und zeigte Diakité Gelb.
Dann meldete sich der VAR. Altmann wurde zum Monitor geschickt und nahm seine Entscheidung nach Ansicht der Bilder zurück. Statt Freistoß für die Austria gab es Strafstoß für Sturm. Die Szene blieb umstritten, weil ein eindeutiger Kontakt in den TV-Bildern nur schwer auszumachen war.
Helm reagierte an der Seitenlinie mit großem Unverständnis. Diakité ließ sich davon nicht beeinflussen und verwandelte den Elfmeter in der 55. Minute zum 0:2.
Der 22-Jährige war damit klar der prägende Spieler der Partie. Auch Weinhandl stach heraus: Der erst 17-Jährige bereitete das 1:0 vor und gab dem Grazer Spiel im Zentrum Struktur.
Austria bleibt auch nach dem 0:2 aktiv
Die Austria gab sich nach dem zweiten Gegentor nicht auf. Helm ließ seine Mannschaft weiterhin hoch stehen, die Gastgeber kamen immer wieder in die gegnerische Hälfte und hatten am Ende 55 Prozent Ballbesitz.
Das Problem blieb die Qualität der Abschlüsse. Acht Schüsse und 1,23 xG waren nicht wenig, doch wirklich klare Möglichkeiten fehlten zu häufig. Sturm verteidigte den zentralen Bereich vor dem Tor diszipliniert und zwang die Austria immer wieder auf die Außenbahnen.
Helm erhöhte nach gut einer Stunde das Risiko. Vasilije Markovic und Julian Hettwer kamen, später folgten Tae-Seok Lee und Kelvin Boateng. Die Austria blieb offensiv orientiert, konnte den Grazer Block aber nicht entscheidend auseinanderziehen.
Sturm musste mit der Zwei-Tore-Führung nicht mehr permanent nach vorne spielen. Die Gäste standen kompakter, suchten nach Ballgewinnen aber weiterhin den schnellen Weg in die Tiefe. Mit 28 Strafraumkontakten gegenüber 24 der Austria blieb Sturm auch dort leicht vorne.
Sturm gewinnt verdient, Austria fehlt die Durchschlagskraft
Dass ausgerechnet Diakité zum Matchwinner wurde, war angesichts der Grazer Personalsituation besonders wertvoll. Sturm fehlten mehrere etablierte Offensivkräfte, der Angreifer übernahm aber Verantwortung und nutzte seine entscheidenden Situationen konsequent.
Auf Austria-Seite gehörten Müller und Şahin-Radlinger zu den stärkeren Akteuren. Im Angriff fehlte hingegen die letzte Durchschlagskraft.
Das 0:2 ist in der Tendenz verdient. Die Austria war keineswegs klar unterlegen, Sturm produzierte aber mehr Abschlüsse und die besseren Chancen. Der xG-Unterschied von 1,23:2,50 unterstreicht diesen Eindruck, auch wenn der umstrittene Elfmeter einen beträchtlichen Anteil am Grazer Wert hatte.
Sturm hält Anschluss auf die Spitzenplätze
Mit dem Auswärtssieg erhöht Sturm sein Konto auf 14 Punkte und bleibt in Schlagdistanz zu den Spitzenplätzen. Nach der 0:3-Niederlage in Salzburg war die Reaktion in Wien auch wegen der zahlreichen Ausfälle wichtig.
Für die Austria bleibt die Situation schwieriger. Die Wiener halten nach acht Spielen bei sieben Punkten und bleiben vorerst auf Rang zehn.
Sturm ist bereits am Donnerstag wieder gefordert und gastiert in der Europa League beim AFC Bournemouth, ehe am Sonntag das Grazer Derby gegen den GAK folgt. Austria Wien spielt am kommenden Samstag auswärts gegen die SV Ried.