Italien startet als amtierender Weltmeister in das Turnier, Polen reist als Titelverteidiger und frischgebackener Sieger der Volleyball Nations League an. Deutschland und die Schweiz sind ebenfalls dabei, Österreich verpasste hingegen die Qualifikation.
24 Teams und ein Olympia-Ticket
Das seit 2019 verwendete EM-Format bleibt bestehen. Die 24 Teilnehmer sind auf vier Gruppen mit jeweils sechs Mannschaften verteilt. Nach fünf Gruppenspielen ziehen die jeweils besten vier Teams ins Achtelfinale ein, danach wird bis zum Finale im K.-o.-System gespielt. Die entscheidenden Partien steigen am 25. und 26. September im Unipol Forum bei Mailand.
Zusätzliche Brisanz erhält das Turnier durch die Olympia-Qualifikation: Der Europameister löst direkt das Ticket für die Spiele 2028 in Los Angeles. Auch der internationale Spielkalender wurde neu geordnet: Seit 2026 finden die Kontinentalmeisterschaften wieder in geraden Jahren statt.
Die ersten Spiele steigen bereits heute in Sofia und Cluj-Napoca. Das offizielle Eröffnungsspiel folgt am Donnerstag mit einem besonderen Schauplatz: Weltmeister Italien trifft unter freiem Himmel auf der Piazza del Plebiscito in Neapel auf Schweden.
Italien und Polen führen den Favoritenkreis an
An der Spitze des Favoritenkreises stehen Italien und Polen, die mit dem WM- beziehungsweise EM-Titel im Rücken in das Turnier gehen. Italien verteidigte 2025 seinen WM-Titel und gewann das Finale gegen Bulgarien mit 3:1. Im Mittelpunkt steht Außenangreifer Alessandro Michieletto, der zum MVP der Weltmeisterschaft gewählt wurde. Mit Zuspieler Simone Giannelli, Diagonalangreifer Yuri Romanò und Libero Fabio Balaso verfügt Trainer Ferdinando De Giorgi über weitere Spieler, die bei der WM ins All-Star-Team gewählt wurden.
Polen kommt ebenfalls mit viel Rückenwind zur EM. Der Europameister von 2023 gewann Anfang August zum zweiten Mal in Folge die Nations League. Tomasz Fornal wurde dabei zum MVP gewählt, daneben gehören Wilfredo León und Mittelblocker Jakub Kochanowski zu den besten Spielern der Mannschaft.
Zum engsten Favoritenkreis zählen auch Olympiasieger Frankreich und Bulgarien. Die Bulgaren waren die große Überraschung der WM 2025 und erreichten mit einer jungen Generation um Aleksandar Nikolov das Finale. Der 21-Jährige wurde anschließend auch in der Nations League 2026 als bester Scorer und Angreifer ausgezeichnet.
Deutschland ohne Grozer in schwieriger Gruppe
Deutschland bekommt es in Gruppe D in Cluj-Napoca mit Frankreich, der Türkei, Gastgeber Rumänien, Lettland und der Schweiz zu tun. Für Massimo Botti ist es die erste EM als deutscher Bundestrainer. Der Italiener nutzte die Nations League intensiv, um jüngere Spieler einzubauen und unterschiedliche Formationen zu testen.
Kurz vor dem Turnier gab es allerdings einen Rückschlag: Der 41-jährige Georg Grozer ist nicht fit genug und fehlt im endgültigen 14-Mann-Kader. Dafür kehrten Johannes Tille und Moritz Karlitzek zurück. Zu den wichtigen Spielern zählen außerdem Tobias Krick, Erik Röhrs und Tobias Brand. Deutschland reist nach zwei deutlichen Testspielsiegen gegen die Niederlande mit Selbstvertrauen nach Rumänien. Das erklärte Ziel ist zunächst das Viertelfinale.
Schweiz wieder dabei, Österreich fehlt
Für die Schweiz ist bereits die Teilnahme bemerkenswert. Nach 1971 und 2023 steht sie erst zum dritten Mal bei einer EM-Endrunde. Die Qualifikation für 2026 gelang mit vier Siegen aus vier Spielen. Zum Auftakt wartet am Donnerstag allerdings sofort Olympiasieger Frankreich, ehe unter anderem die Türkei und am Montag das direkte Duell mit Deutschland folgen.
Österreich schaffte es dagegen nicht ins Teilnehmerfeld. Das ÖVV-Team landete in seiner Qualifikationsgruppe hinter den ungeschlagenen Belgiern auf Platz zwei, verpasste als einer der schlechter platzierten Gruppenzweiten aber dennoch die EM-Endrunde. Seit März arbeitet der Verband mit dem polnischen Teamchef Adam Swaczyna an einem Neuaufbau. Das erklärte nächste große Ziel ist die Rückkehr auf die EM-Bühne 2028.
Rekordeuropameister ist Russland mit insgesamt 14 Titeln, wobei zwölf davon noch zu Zeiten der Sowjetunion gewonnen wurden. Italien folgt mit sieben Europameisterschaften und könnte nun vor heimischem Publikum erstmals seit 2021 wieder Europas Nummer eins werden. Polen will dagegen den 2023 gewonnenen Titel verteidigen – und nach dem Triumph in der Nations League auch den nächsten großen Wettbewerb für sich entscheiden.