Ein Formel-1-Sprint unterscheidet sich deutlich vom eigentlichen Grand Prix. Das kurze Rennen geht über rund 100 Kilometer – in Singapur waren ursprünglich 21 Runden vorgesehen – und kennt keinen verpflichtenden Boxenstopp. Punkte erhalten lediglich die ersten acht Fahrer, vom Sieger mit acht Zählern bis zu einem Punkt für Rang acht. Außerdem besitzt der Sprint ein eigenes Qualifying; die Startaufstellung für das Hauptrennen wird erst im regulären Qualifying am Samstag ermittelt.
Starkregen verzögert den Start
Verstappen hatte sich am Freitag die Sprint-Pole gesichert und stand neben Russell in der ersten Reihe. Dahinter folgten Leclerc und Piastri, Norris startete als Fünfter vor Hamilton. WM-Leader Kimi Antonelli musste sich mit Rang sieben begnügen.
Kurz vor dem geplanten Start setzte heftiger Regen ein. Besonders in den ersten und letzten Streckenabschnitten bildete sich viel Wasser, weshalb die Rennleitung die Freigabe um rund eine halbe Stunde verschob. Nachdem sich die Bedingungen verbessert hatten, absolvierten die Fahrer zwei zusätzliche Formationsrunden hinter dem Safety Car. Das gesamte Feld wechselte auf Intermediate-Reifen.
Der Regen könnte auch für das weitere Wochenende ein Thema bleiben. Für den Sonntag besteht weiterhin die Möglichkeit von Schauern oder Gewittern. Auf dem engen Stadtkurs von Marina Bay würde erneuter Niederschlag das ohnehin anspruchsvolle Hauptrennen noch unberechenbarer machen.
Zahlreiche Ausfälle nach turbulentem Auftakt
Beim stehenden Start erwischte Russell den besseren Auftakt. Der Mercedes-Pilot zog an Verstappen vorbei und setzte sich zunächst an die Spitze. Auch Hamilton machte einen gewaltigen Sprung und arbeitete sich von Startplatz sechs bis auf Rang drei nach vorne.
Russells Führung hielt allerdings nicht lange. Am Ende der ersten Rennrunde geriet der Brite im letzten Kurvenbereich auf der noch sehr rutschigen Strecke außer Kontrolle. Sein Mercedes schlug in die Streckenbegrenzung ein, für Russell war der Sprint beendet.
Damit erbte Verstappen die Führung zurück. Das Safety Car musste auf die Strecke, während sich auch weiter hinten mehrere Zwischenfälle häuften. Sergio Perez und Lance Stroll waren bereits früh aneinandergeraten, in der Folge mussten unter anderem auch Franco Colapinto und Isack Hadjar aufgeben. Später schieden Alexander Albon, Gabriel Bortoleto und Valtteri Bottas nach einem weiteren Zwischenfall aus.
Nur 13 Fahrer sollten schließlich tatsächlich die Zielflagge sehen.
Verstappen bleibt bei den schwierigen Verhältnissen fehlerfrei
Nach dem Neustart setzte sich Verstappen zunehmend von seinen Verfolgern ab. Die größte Herausforderung bestand nun darin, die Intermediate-Reifen auf der immer trockener werdenden Strecke am Leben zu halten. Ein Wechsel auf Slicks hätte zwar zunehmend Zeitgewinn bringen können, wäre bei der kurzen verbleibenden Distanz aber auch mit großem Risiko verbunden gewesen.
Verstappen fand dabei den besten Kompromiss. Der Red-Bull-Pilot vermied Fehler, hielt Hamilton außerhalb unmittelbarer Schlagdistanz und baute seinen Vorsprung schrittweise aus.
Hamilton fuhr gleichzeitig ein starkes Rennen. Nach seinem hervorragenden Start konnte der Ferrari-Pilot den zweiten Platz festigen und kam letztlich 2,591 Sekunden hinter Verstappen ins Ziel. Leclerc hatte deutlich mehr Schwierigkeiten mit seinen immer stärker abbauenden Intermediate-Reifen, hielt sich aber auf Rang drei.
Antonelli lag zunächst nur auf Position sechs. Der WM-Führende sollte am Ende jedoch noch von den Ereignissen unmittelbar vor ihm profitieren.
McLaren-Duell eskaliert in der letzten Runde
In der Schlussphase rückten die beiden McLaren immer stärker an Leclerc heran. Piastri lag auf Rang vier direkt hinter dem Ferrari, Norris folgte seinem Teamkollegen. Auf der abtrocknenden Strecke wurden die Abstände zunehmend kleiner.
In der letzten Runde eskalierte das interne Duell. Norris setzte zum Angriff auf Piastri an, die beiden McLaren berührten sich und der Australier wurde in einen Dreher geschickt. Piastri konnte das Rennen nicht mehr fortsetzen und wurde lediglich als 14. gewertet.
Auch Norris verlor durch die Kollision massiv an Zeit. Statt um Rang vier zu kämpfen, fiel der amtierende Weltmeister bis auf Platz acht zurück und rettete damit gerade noch den letzten Sprintpunkt.
Die großen Profiteure waren Antonelli, Liam Lawson, Oliver Bearman und Nico Hülkenberg. Antonelli rückte auf Rang vier vor und sammelte fünf Punkte, während sein WM-Rivale Russell leer ausging. Damit vergrößerte der Italiener seinen Vorsprung in der Weltmeisterschaft auf 89 Zähler.
Lawson brachte seinen Racing Bulls überraschend auf Platz fünf ins Ziel, Bearman wurde Sechster und Hülkenberg sicherte Audi als Siebter zwei Punkte.
Verstappen setzt seinen Aufwärtstrend fort
Für Verstappen war der Sieg gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Nachdem Red Bull lange auf den ersten großen Erfolg der Saison warten musste, hatte der Niederländer erst eine Woche zuvor den Bahrain Grand Prix in Sepang gewonnen. Nun folgte in Singapur unmittelbar der nächste Erfolg – und Verstappens erster Sieg überhaupt auf dem Marina Bay Street Circuit.
Ferrari durfte sich ebenfalls über einen gelungenen Sprint freuen. Hamilton und Leclerc brachten beide Autos auf das Podium und vermieden im Gegensatz zu mehreren direkten Konkurrenten kostspielige Fehler.
Für McLaren endete ein Rennen, das lange nach soliden Punkten aussah, dagegen mit einer bitteren Kollision zwischen den eigenen Fahrern. Besonders für Piastri war der Zwischenfall wenige Kurven vor dem Ziel ärgerlich.
Viel Zeit zur Aufarbeitung bleibt nicht. Noch am heutigen Samstagnachmittag steht das reguläre Qualifying für den Großen Preis von Singapur auf dem Programm. Dort wird die Startaufstellung für das Hauptrennen ermittelt, das am Sonntag folgt. Sollte erneut Regen einsetzen, dürfte Marina Bay auch dort für reichlich Unwägbarkeiten sorgen.
Ergebnis des Sprintrennens in Singapur
P1 – Max Verstappen – Red Bull
P2 – Lewis Hamilton – Ferrari – +2,591
P3 – Charles Leclerc – Ferrari – +16,871
P4 – Kimi Antonelli – Mercedes – +17,238
P5 – Liam Lawson – Racing Bulls – +20,632
P6 – Oliver Bearman – Haas – +24,321
P7 – Nico Hülkenberg – Audi – +27,525
P8 – Lando Norris – McLaren – +28,272
P9 – Pierre Gasly – Alpine – +36,220
P10 – Esteban Ocon – Haas – +37,640
P11 – Fernando Alonso – Aston Martin – +50,464
P12 – Carlos Sainz – Williams – +52,467
P13 – Arvid Lindblad – Racing Bulls – +55,792
P14 – Oscar Piastri – McLaren – DNF
P15 – Alexander Albon – Williams – DNF
P16 – Gabriel Bortoleto – Audi – DNF
P17 – Valtteri Bottas – Cadillac – DNF
P18 – Isack Hadjar – Red Bull – DNF
P19 – Franco Colapinto – Alpine – DNF
P20 – George Russell – Mercedes – DNF
P21 – Sergio Perez – Cadillac – DNF
P22 – Lance Stroll – Aston Martin – DNF