Nachdem die ersten fünf Etappen jeweils im Sprint entschieden worden waren, fiel die Entscheidung über das Rote Trikot erst am letzten Anstieg. Widar beendete die sechstägige Rundfahrt neun Sekunden vor Pidcock, während Louis Barré mit 16 Sekunden Rückstand den dritten Gesamtrang belegte. Dahinter folgten Marco Brenner und Martin Tjøtta.
Widar setzt sich in Nongla gegen Pidcock durch
Die 166 Kilometer lange Schlussetappe von Yizhou zum Nongla Scenic Spot bot den entscheidenden Anstieg der Rundfahrt. Während sich die Sprinter auf den vorangegangenen Tagen durchgesetzt hatten, waren am Sonntag die Kletterqualitäten gefragt. Besonders die letzten Kilometer mit zweistelligen Steigungsprozenten verlangten den Fahrern alles ab.
Zunächst bestimmte eine Ausreißergruppe das Geschehen. Im Finale erhöhten die Favoriten jedoch das Tempo, sodass die letzten verbliebenen Fluchtfahrer eingeholt wurden. Nach mehreren Angriffen blieb vorne anschließend nur noch eine kleine Gruppe übrig.
Der junge Däne Peter Øxenberg versuchte rund 1,6 Kilometer vor dem Ziel, die Konkurrenz zu überraschen. Sein Vorsprung hielt bis etwa 350 Meter vor der Ziellinie. Rund 300 Meter vor dem Ziel verschärfte Louis Barré das Tempo, nur Pidcock und Widar konnten folgen.
Pidcock beschleunigte auf den letzten Metern nochmals, doch Widar hatte die bessere Antwort. Der Belgier zog am Briten vorbei und gewann nach 3:39:05 Stunden mit sechs Sekunden Vorsprung. Barré erreichte das Ziel zehn Sekunden hinter dem Sieger, Brenner folgte eine weitere Sekunde später.
Nur wenige Tage nach seinem ersten Profisieg bei Tre Valli Varesine feierte Widar in Nongla seinen ersten Etappensieg und zugleich seinen ersten Gesamterfolg auf WorldTour-Niveau.
Magnier und Fretin prägen die Sprintetappen
Vor dem Finale in Nongla gehörte die Rundfahrt den Sprintern. Zum Auftakt in Chongzuo gewann Paul Magnier, der bereits 2025 fünf der sechs Etappen für sich entschieden hatte.
Auf der zweiten Etappe gelang Frits Biesterbos eine Überraschung. Der Niederländer vom Team Picnic PostNL schlug Magnier und Olav Kooij im Sprint und feierte seinen ersten Profisieg. Für seine Mannschaft war es zugleich der erste WorldTour-Erfolg der Saison.
Am dritten Tag triumphierte Milan Fretin nach 212,3 Kilometern von Jingxi nach Bama. Magnier konnte diesmal nicht entscheidend eingreifen, nachdem er während des Sprints mit dem Fuß aus dem Pedal gerutscht war. Biesterbos übernahm dadurch zwischenzeitlich die Gesamtführung.
Doch Magnier schlug zurück. Auf der anspruchsvollen vierten Etappe mit rund 2.700 Höhenmetern gewann er erneut, holte sich das Rote Trikot zurück und wurde mit nun sieben Etappensiegen alleiniger Rekordhalter der Rundfahrt. Damit übertraf er die bisherige Bestmarke von Fernando Gaviria, der sechsmal erfolgreich gewesen war.
Auch die fünfte Etappe ging an Fretin, der damit seinen zweiten Tagessieg feierte. Magnier und Max Kanter stürzten im Finale, Magnier ging dennoch als Gesamtführender in die abschließende Bergankunft.
Neun Sekunden entscheiden über den Gesamtsieg
Widar benötigte für die sechs Etappen insgesamt 22:22:45 Stunden. Sein Vorsprung auf Pidcock betrug lediglich neun Sekunden, auf Barré waren es 16 Sekunden.
Dahinter blieb die Gesamtwertung außergewöhnlich eng. Marco Brenner belegte mit 21 Sekunden Rückstand Rang vier, Martin Tjøtta folgte nur eine Sekunde später. Juan Ayuso wurde mit 26 Sekunden Rückstand Sechster, Jhonatan Narváez mit 29 Sekunden Siebenter.
Auch die nächsten drei Fahrer lagen dicht beisammen: Afonso Eulálio und Clément Braz Afonso verloren jeweils 31 Sekunden, Maxim Van Gils komplettierte die Top Ten mit 33 Sekunden Rückstand.
Dass zwischen dem Gesamtsieger und dem zehntplatzierten Fahrer lediglich 33 Sekunden lagen, zeigt, wie entscheidend der Schlussanstieg von Nongla für den Ausgang der Rundfahrt war.
Magnier holt Punktewertung, Widar auch das Nachwuchstrikot
Neben dem Gesamtsieg gewann Widar auch die Nachwuchswertung. Sein Team Lotto-Intermarché durfte sich darüber hinaus über einen weiteren Erfolg freuen: Baptiste Veistroffer sicherte sich mit 46 Punkten die Bergwertung vor Peter Øxenberg mit 20 Zählern.
Die Punktewertung ging an Paul Magnier. Der Franzose sammelte 40 Punkte und lag damit vor Frits Biesterbos und Max Kanter, die jeweils 32 Punkte erreichten. Milan Fretin folgte mit 30 Punkten auf Rang vier.
In der Mannschaftswertung setzte sich Netcompany INEOS durch. Insgesamt wurden bei der sechstägigen Rundfahrt gut 1.040 Kilometer zurückgelegt.
Für Widar ist der Erfolg in China ein weiterer wichtiger Schritt in seiner Entwicklung. Nach starken Auftritten bei Nachwuchsrennen und seiner ersten Grand-Tour-Teilnahme hat der Belgier nun gezeigt, dass er auch auf höchster Ebene eine Rundfahrt für sich entscheiden kann. Mit dem Etappen- und Gesamtsieg in Guangxi beendete Widar seine erste Profisaison mit dem bislang größten Erfolg seiner Karriere.