Sportlich gibt es vor dem Wochenende viele offene Fragen. Die aktuelle Fahrzeuggeneration war noch nie in Sepang unterwegs, mehr als die Hälfte des Feldes kennt die Strecke nicht aus einem Formel-1-Rennen und Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit sowie mögliche Regenschauer sorgen für zusätzliche Unwägbarkeiten. Nach den ersten beiden freien Trainings zeichnet sich zudem noch kein eindeutiger Favorit ab.
Warum findet der Bahrain-GP in Malaysia statt?
Ursprünglich hätte der Grand Prix von Bahrain bereits im April in Sakhir stattfinden sollen. Aufgrund der angespannten Lage im Nahen Osten konnte das Rennen jedoch nicht wie geplant im April ausgetragen werden.
Im Sommer einigten sich die Formel 1, die FIA sowie die Verantwortlichen in Bahrain und Malaysia auf eine ungewöhnliche Lösung: Der Grand Prix sollte erhalten bleiben, aber auf dem Sepang International Circuit ausgetragen werden. Offiziell heißt die Veranstaltung deshalb „Formula 1 Gulf Air Bahrain Grand Prix in Malaysia“.
Malaysia fungiert damit als Gastgeber, während die Identität des ursprünglich vorgesehenen Bahrain-GP erhalten bleibt. Für Sepang bedeutet die Vereinbarung gleichzeitig ein überraschendes Formel-1-Comeback nach neun Jahren Pause.
Sepang verlangt den Autos alles ab
Die 5,543 Kilometer lange Strecke gehört zu den vielseitigsten Kursen im Kalender. Lange Geraden sorgen für hohe Geschwindigkeiten und gute Überholmöglichkeiten, während schnelle Kurvenkombinationen gleichzeitig viel aerodynamischen Abtrieb verlangen. Dazu kommen langsame Passagen und harte Bremszonen.
Besonders schwierig ist der Kompromiss beim Setup: Wer zu wenig Flügel fährt, gewinnt auf den Geraden Zeit, kann aber in den schnellen Kurven Probleme bekommen. Gleichzeitig verlangt der raue Asphalt den Reifen einiges ab.
Pirelli stellt mit C2, C3 und C4 die drei Mischungen für das Wochenende zur Verfügung. Die Auswahl ist etwas offensiver als eine konservativere Variante mit härteren Reifen. Damit könnten sowohl Einstopp- als auch Zweistoppstrategien interessant werden.
Ein weiterer Faktor ist das Wetter. Temperaturen von über 30 Grad, hohe Luftfeuchtigkeit und jederzeit mögliche tropische Regenschauer gehören in Sepang praktisch zum Gesamtpaket. Für Samstag liegt die Regenwahrscheinlichkeit aktuell bei rund 40 Prozent, für Sonntag bei etwa 30 Prozent.
Enges Bild nach den ersten beiden Trainings
Das erste freie Training bestätigte zunächst die starke Form von Max Verstappen. Der Red-Bull-Pilot fuhr in 1:37,520 Minuten die Bestzeit und lag damit 0,383 Sekunden vor George Russell. Isack Hadjar komplettierte als Dritter einen starken Auftakt für Red Bull.
Charles Leclerc wurde Vierter, WM-Leader Kimi Antonelli Fünfter und Lewis Hamilton Sechster. McLaren begann dagegen zurückhaltend: Oscar Piastri und Lando Norris belegten lediglich die Plätze elf und zwölf.
Schon im zweiten Training veränderte sich das Bild deutlich. Leclerc setzte in 1:37,528 Minuten die Bestzeit und verwies Hadjar um lediglich 0,099 Sekunden auf Rang zwei. Norris meldete sich mit nur 0,137 Sekunden Rückstand als Dritter zurück, Verstappen folgte auf Platz vier vor Hamilton und Piastri.
Interessant ist allerdings, dass Verstappens FP1-Runde um acht Tausendstelsekunden schneller war als Leclercs FP2-Bestzeit. Zudem verzichtete der Niederländer im zweiten Training auf eine schnelle Runde mit dem Soft-Reifen und setzte seine beste Zeit auf Medium. Red Bulls Freitag dürfte damit etwas stärker gewesen sein, als es die reine FP2-Tabelle vermuten lässt.
Generell ging es an der Spitze eng zu. Zwischen Leclerc auf Platz eins und Piastri auf Rang sechs lagen im zweiten Training weniger als vier Zehntelsekunden. Russell und Antonelli landeten diesmal lediglich auf den Positionen sieben und acht.
Die Freitagszeiten sind dennoch mit Vorsicht zu interpretieren. Die Teams arbeiten sich an einen Kurs heran, für den kaum aktuelle Formel-1-Daten existieren. Unterschiedliche Spritmengen, Reifenprogramme und der hohe Reifenverschleiß erschweren direkte Vergleiche zusätzlich.
Antonelli führt, Russell macht Druck
In der Weltmeisterschaft bleibt Mercedes das Maß der Dinge. Kimi Antonelli führt mit 302 Punkten, sein Teamkollege George Russell folgt mit 236 Zählern. Der Vorsprung des Italieners beträgt damit noch 66 Punkte.
Russell reist allerdings mit Rückenwind nach Malaysia. In Baku gewann der Brite nach einer starken Vorstellung knapp vor Max Verstappen, während Antonelli nach einem Qualifying-Unfall nur Fünfter wurde. Lewis Hamilton liegt mit 199 Punkten bereits 103 Zähler hinter dem WM-Führenden.
Verstappen spielt im Titelkampf mit 163 Punkten nur noch eine Außenseiterrolle, könnte in Sepang aber erstmals 2026 gewinnen. Der viermalige Weltmeister kennt die Strecke bestens und gewann hier bereits das bislang letzte Formel-1-Rennen im Jahr 2017.
Qualifying am Samstag, Rennen am Sonntag
Am Samstag steht zunächst das dritte freie Training an. Um 6:30 Uhr österreichischer Zeit bekommen die Teams noch einmal eine Stunde, um ihre Abstimmungen zu optimieren. Das Qualifying beginnt um 10:00 Uhr.
Der Grand Prix startet am Sonntag um 9:00 Uhr österreichischer Zeit. Gefahren werden 56 Runden über insgesamt 310,4 Kilometer.
Die Ausgangslage verspricht ein ungewöhnlich offenes Wochenende. Red Bull hinterließ am Freitag einen starken Eindruck, Ferrari antwortete im zweiten Training, McLaren machte einen deutlichen Schritt nach vorne und Mercedes bleibt trotz des schwächeren FP2 aufgrund der bisherigen Saisonleistungen ein zentraler Faktor. Hinzu kommen hoher Reifenverschleiß und das unberechenbare Wetter von Sepang – die Trainingszeiten vom Freitag dürften daher wenig über den Ausgang am Sonntag aussagen.