Es war ein Ergebnis, das die Tennis-Welt aufhorchen ließ: Botic van de Zandschulp besiegte Daniil Medvedev beim ATP Masters 1000 in Montreal mit 6:3 und 7:6 (7:5) und schrieb damit ein kleines Stück persönliche Geschichte. Für den Niederländer, aktuell die Weltranglisten-70, war es der erste Sieg gegen Medvedev überhaupt – in allen vier vorangegangenen Duellen hatte er stets den Kürzeren gezogen. Der viertgesetzte Medvedev hingegen muss eine weitere bittere Niederlage in einer schwächelnden Saison verkraften.
Dominanter erster Satz, dramatisches Tiebreak
Van de Zandschulp startete entschlossen in die Partie. Er baute früh im zweiten Satz einen 3:0-Vorsprung aus und ließ sich auch im weiteren Verlauf nicht aus dem Konzept bringen. Den ersten Durchgang sicherte er sich klar mit 6:3. Medvedev, der in diesem Match von insgesamt neun Doppelfehlern geplagt wurde, fand gegen einen aufgeräumten und variabel agierenden Gegner kaum Mittel. Die Aufschlagquote des Weltranglisten-Sechsten blieb weit unter seinen eigenen Ansprüchen: Nur 46 Prozent der Aufschlagpunkte konnte er für sich verbuchen, während seine Breakchancen-Verwertung bei lediglich 25 Prozent lag.
Im zweiten Satz kämpfte sich Medvedev zurück. Er erzwang nach einem Rückstand den Tiebreak – und weckte damit für einen Moment Hoffnung auf eine Wende. Doch van de Zandschulp blieb die ruhigere Hand. Er entschied das Tiebreak mit 7:5 für sich, verwertete seine Breakchancen in der gesamten Partie mit beeindruckenden 75 Prozent und profitierte von uncharakteristischen Fehlern seines Gegners. Am Ende stand ein 6:3, 7:6-Erfolg – eine echte Machtdemonstration über zwei Sätze.
Taktische Umstellung als Schlüssel
Der Schlüssel zum Erfolg lag laut van de Zandschulp in einer bewussten taktischen Umstellung: Der Niederländer variierte sein Spiel konsequent und verließ bewusst seine Komfortzone. Statt der erwartbaren Grundlinienrallye suchte er Abwechslung und setzte Medvedev damit immer wieder vor neue Aufgaben. Diese Strategie zahlte sich aus: Mit 54 Prozent der Gesamtpunkte und 55 Prozent gewonnener Return-Spiele kontrollierte van de Zandschulp das Match über weite Strecken.
Auf der anderen Seite des Netzes spiegelt das Ergebnis den schwierigen Saisonverlauf Medvedevs wider. Nach den Halbfinals in Rom war er bei den French Open bereits in der ersten Runde ausgeschieden und in Wimbledon in der dritten Runde gestoppt worden. In Montreal, wo das Feld ohne die Top-Stars Jannik Sinner, Carlos Alcaraz und Novak Djokovic antritt, hätte sich für ihn eine Chance auf einen tieferen Turnierlauf geboten.
Historischer Erfolg und nächste Aufgabe
Für van de Zandschulp ist dieser Sieg laut ATP der bedeutendste seiner Karriere gegen einen Spieler vom Format Medvedevs. Er hatte die Partie zuvor gewonnen, nachdem er in der ersten Runde Giovanni Mpetshi Perricard bezwungen hatte. Mit dem Einzug in die nächste Runde des prestigeträchtigen Hartplatzturniers – einem der wichtigsten Vorbereitungsevents auf die US Open – untermauert der Niederländer seinen Anspruch, auf dieser Oberfläche zu den Spielern zu gehören, mit denen zu rechnen ist.