Das Ergebnis bildet den Spielverlauf allerdings nur teilweise ab. Belgien war vor der Pause klar überlegen, Italien entwickelte nach dem Seitenwechsel aber erheblich mehr Druck und kam insgesamt sogar auf 21 Abschlüsse. Dass die Azzurri dennoch ohne Tor blieben, lag neben einer mangelhaften Chancenverwertung auch an Senne Lammens, der im belgischen Tor mehrere gute Möglichkeiten vereitelte.
Neustart auf beiden Trainerbänken
Im Mittelpunkt standen bereits vor dem Anpfiff die beiden Trainer. Roberto Mancini kehrte drei Jahre nach seinem überraschenden Rücktritt als italienischer Nationaltrainer auf die Azzurri-Bank zurück. Nach dem erneuten Verpassen einer Weltmeisterschaft leitete er einen deutlichen Umbruch ein und berief für diesen Lehrgang gleich neun Spieler erstmals ins Nationalteam. Alessandro Romano stand gegen Belgien direkt in der Startelf.
Auch Belgien begann unter einem neuen Teamchef. Mark van Bommel setzte bei seinem Pflichtspieldebüt auf ein nominelles 4-3-3 mit Kevin De Bruyne, Youri Tielemans und Nicolas Raskin im Mittelfeld. Mika Godts und Diego Moreira flankierten Charles De Ketelaere. Jeremy Doku und Leandro Trossard fehlten verletzt, Thibaut Courtois war für diesen Lehrgang nicht dabei.
Italien begann ebenfalls im 4-3-3. Riccardo Calafiori spielte links in der Viererkette, während Romano zwischen Nicolò Barella und Sandro Tonali im Mittelfeld debütierte. Vorne starteten Moise Kean, Francesco Pio Esposito und Nicolò Cambiaghi. Alessandro Bastoni fehlte gesperrt, Federico Dimarco und Bryan Cristante waren verletzt.
Godts bestraft Italiens Fehler im Aufbau
Beide Mannschaften kamen früh zu Abschlüssen. Donnarumma musste gegen De Ketelaere eingreifen, auf der Gegenseite prüfte Kean Lammens aus der Distanz. Nach rund 20 Minuten übernahm Belgien jedoch deutlich die Kontrolle.
Der Führungstreffer entstand aus einem italienischen Fehler. Romano spielte im Aufbau einen ungenauen Pass, Belgien schaltete sofort um. De Bruyne erkannte den freien Raum und schickte Godts in Richtung Strafraum. Der 21-Jährige zog nach innen, ließ Gianluca Mancini und Diego Coppola stehen und traf flach zum 0:1.
Danach bekam Italien große Probleme mit dem belgischen Umschaltspiel. Van Bommels Mannschaft verteidigte kompakt und spielte nach Ballgewinnen schnell nach vorne. Gerade De Bruyne fand immer wieder Räume hinter dem italienischen Mittelfeld und bereitete insgesamt fünf Abschlüsse vor.
Belgien hätte bereits vor der Pause höher führen können. Donnarumma parierte zunächst gegen De Ketelaere und unmittelbar danach den Nachschuss von Raskin. Wenig später reagierte der italienische Kapitän auch bei einem Kopfball von Godts stark. Die Zahlen unterstrichen die Kräfteverhältnisse: Belgien kam in der ersten Hälfte auf 14:5 Abschlüsse und 2,48:0,30 xG.
Italien erhöht nach der Pause deutlich den Druck
Nach dem Seitenwechsel änderte sich die Partie. Italien schob höher, spielte schneller über die Außen und brachte deutlich mehr Spieler in den gegnerischen Strafraum. Bereits zwei Minuten nach Wiederbeginn kam Kean nach einer Cambiaghi-Flanke aus kurzer Distanz zum Abschluss, doch Lammens parierte mit dem Bein.
Auch Pio Esposito bekam nun seine Möglichkeiten. Zunächst köpfte der Inter-Stürmer direkt auf den belgischen Torhüter, kurz darauf kam er nach einem Rückpass von Cambiaghi erneut frei zum Abschluss. Belgien geriet nun deutlich stärker unter Druck, überstand diese Phase aber ohne Gegentreffer.
Mancini reagierte nach 65 Minuten mit einem Dreifachwechsel und brachte Davide Frattesi, Daniel Maldini und Giorgio Scalvini. Italien erhöhte damit noch einmal das Tempo und drückte Belgien zunehmend zurück. Insgesamt hatte die Heimmannschaft nach der Pause 62 Prozent Ballbesitz und kam auf 16:5 Abschlüsse.
Barella war dabei der wichtigste Organisator. Er brachte 62 seiner 67 Pässe zum Mitspieler und bereitete zwei Abschlüsse vor. Cambiaghi sorgte mit vier Schlüsselpässen und zwei kreierten Großchancen vor allem über links für Gefahr.
Lukebakio entscheidet die Partie im Konter
Gerade in Italiens stärkster Phase fiel jedoch das 0:2. Der zur Pause noch auf der Bank sitzende Lukebakio war erst elf Minuten auf dem Feld, als Belgien einen weiteren italienischen Angriff abfing.
Der Flügelspieler trieb den Ball aus der eigenen Hälfte nach vorne, zog gegen Tonali und Maldini nach innen und schlenzte aus der Distanz präzise ins lange Eck. Der Treffer war sinnbildlich für Belgiens Plan: Die Gäste benötigten weniger längere Ballbesitzphasen, nutzten die Räume nach italienischen Ballverlusten aber wesentlich konsequenter. Beide belgischen Tore entstanden nach schnellen Umschaltaktionen.
Italien gab trotzdem nicht auf. Calafiori setzte einen Versuch knapp vorbei, in der Schlussphase traf Scalvini aus kürzester Distanz die Unterkante der Latte. Ein Anschlusstreffer gelang nicht mehr.
Belgien übersteht Italiens beste Phase
Die Gesamtstatistik zeigt deshalb ein differenziertes Bild. Italien hatte 56 Prozent Ballbesitz und führte bei den Abschlüssen mit 21:19, Belgien brachte allerdings acht Schüsse auf das Tor, die Azzurri sechs. Noch deutlicher war der Unterschied bei der Chancenqualität: Belgien kam auf 2,70 xG, Italien auf 1,52.
Bemerkenswert ist dabei die Verteilung. 1,22 der 1,52 italienischen xG entstanden erst nach der Pause. Der Spielstand von 0:2 fällt angesichts dieser starken zweiten Hälfte etwas deutlich aus, der belgische Sieg insgesamt aber nicht unverdient. Vor allem vor der Pause hatten die Gäste die wesentlich besseren Möglichkeiten.
Lammens beendete die Partie mit sechs Paraden, vier davon bei Abschlüssen aus dem Strafraum. Seine stärkste Phase hatte er unmittelbar nach der Pause, als Italien dem Ausgleich mehrfach nahekam. Auf der anderen Seite verhinderte Donnarumma mit ebenfalls sechs Paraden insbesondere in der ersten Hälfte einen höheren Rückstand.
Godts überzeugte neben seinem Treffer auch mit seinen direkten Läufen und fünf Dribblingversuchen. Romano erlebte dagegen ein schwieriges Debüt: Sein Ballverlust leitete das 0:1 ein, und gerade in der ersten Hälfte bekam das junge italienische Mittelfeld wenig Zugriff auf die belgischen Umschaltaktionen.
Belgien startet stark – Italien muss in der Türkei reagieren
Van Bommel kann mit seinem ersten Pflichtspiel zufrieden sein. Belgien verteidigte über weite Strecken kompakt, schaltete nach Ballgewinnen schnell um und war in den entscheidenden Situationen effizienter. De Bruyne gab dem Spiel vor seiner Auswechslung die nötige Struktur, während Godts und später Lukebakio die Räume konsequent nutzten.
Mancini dürfte vor allem die Reaktion nach der Pause positiv bewerten. Italien erzeugte ausreichend Möglichkeiten für zumindest einen Treffer, offenbarte davor aber Probleme im Aufbau und bei der Absicherung eigener Ballverluste.
Bereits am Montag geht es für beide Mannschaften weiter. Belgien empfängt Frankreich, das mit einem 1:0 in der Türkei gestartet ist. Italien tritt in der Türkei an und hat dort unmittelbar die Gelegenheit, auf den misslungenen Auftakt zu reagieren.