Das Duell an der Anfield Road bot lange wenig Spielfluss, dafür zwei folgenschwere Fehler innerhalb weniger Minuten und ein dramatisches Elfmeterschießen. Liverpool-Trainer Andoni Iraola setzte mit Blick auf das bevorstehende Ligaspiel gegen Arsenal auf eine stark veränderte Mannschaft, während Chelsea unter Xabi Alonso nach der Niederlage gegen Tottenham auf Wiedergutmachung hoffte.
Zwei Elfmeter bringen Bewegung in eine zähe Partie
Liverpool begann mit sieben Änderungen in der Startelf. Zu den neuen Spielern gehörten die Nachwuchskräfte Trey Nyoni, James McConnell, Rio Ngumoha und Lewis Koumas. Chelsea stellte sein Mittelfeld um: Roméo Lavia spielte hinter Moisés Caicedo und Jordan Henderson, Danny Welbeck begann im Sturm.
Die erste halbe Stunde verlief ohne nennenswerte Torchancen, beiden Mannschaften fehlte die Präzision im Kombinationsspiel. Kurz vor der Pause brachte Ryan Gravenberch den in den Strafraum eindringenden Moisés Caicedo zu Fall. Morgan Rogers verwandelte den fälligen Strafstoß in der 40. Minute zur Führung der Gäste.
Nur drei Minuten später leistete sich Wesley Fofana auf der Gegenseite ein Handspiel bei einem Eckball. Cody Gakpo ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und stellte auf 1:1. Noch vor der Pause musste Chelsea außerdem den angeschlagenen Innenverteidiger Maxence Lacroix durch Levi Colwill ersetzen.
Nyoni überzeugt, Chelsea sucht Lösungen über die Flügel
Liverpool versuchte, über die linke Seite Räume zu schaffen. Kostas Tsimikas schob weit nach vorne, während Ngumoha zwischen Außenbahn und Halbraum pendelte. Der 19-jährige Nyoni ließ sich wiederholt tief fallen, half beim Spielaufbau und überzeugte durch seine Ruhe am Ball. Bei seiner Auswechslung in der 82. Minute hatte er 86 Ballkontakte gesammelt.
Chelsea verteidigte phasenweise in einem 4-4-2-Mittelblock und suchte selbst vor allem über die linke Seite Durchbrüche. Malo Gusto rückte auf, Rogers bewegte sich ins Zentrum. Caicedo konnte aus dem Mittelfeld gelegentlich in die Tiefe starten, insgesamt fehlte den drei zentralen Spielern jedoch die Abstimmung, um Liverpool regelmäßig unter Druck zu setzen.
Nach der Pause kamen die größeren Möglichkeiten: Chelsea-Keeper Mike Penders parierte gegen Ronald Araújo und Bradley Barcola, Liverpool-Torhüter Giorgi Mamardashvili verhinderte gegen den eingewechselten Marco Palestra die erneute Führung der Gäste.
Statistisch lagen beide Teams nahezu gleichauf: Liverpool verzeichnete 52 Prozent Ballbesitz und zehn Abschlüsse, Chelsea elf. Beide Mannschaften brachten je vier Schüsse aufs Tor. Die Expected Goals lagen bei 2,10:1,82 knapp zugunsten der Gastgeber. Allerdings entfielen auf die beiden Strafstöße jeweils knappe 0,8 xG. Ohne die Elfmeter lagen die Werte damit nur bei ungefähr 1,3 beziehungsweise 1,0 erwarteten Toren.
Fofanas Fehlschuss entscheidet den Elfmeterkrimi
Ohne Verlängerung ging es direkt ins Elfmeterschießen. Nachdem Valentín Barco für Chelsea an der Stange gescheitert war, hätte Tsimikas Liverpool vorzeitig ins Viertelfinale schießen können, setzte seinen Versuch aber deutlich über das Tor.
Später parierte Penders gegen Gravenberch und eröffnete Chelsea eine weitere Chance auf den Sieg. Doch Mamardashvili hielt unmittelbar danach gegen Debütant Emmanuel Emegha, den ehemaligen Torjäger des SK Sturm Graz. Joe Gomez traf anschließend für Liverpool, Fofana jagte den 16. Versuch des Elfmeterschießens über die Latte. Damit entschieden die Reds das Duell mit 6:5 für sich – Liverpool hat somit sämtliche fünf Elfmeterschießen gegen Chelsea gewonnen.
Iraola lobt den Einsatz, Alonso sieht Fortschritte
Iraola stellte nach dem Spiel den Einzug ins Viertelfinale in den Mittelpunkt. Seine Mannschaft habe großen Aufwand betrieben und sich mit dem Aufstieg belohnt. In der nächsten Runde trifft Liverpool zu Hause auf Iraolas ehemaligen Verein Bournemouth.
Alonso zog trotz des Ausscheidens ein versöhnliches Fazit. Chelsea habe im Vergleich zu den vorherigen Spielen Fortschritte gezeigt und mit mehr Mut agiert, das Elfmeterschießen aber verloren. Offen ist der Zustand von Maxence Lacroix, der noch vor der Pause verletzt vom Feld musste. Wie schwer die Blessur am Oberschenkel ist, lasse sich laut Alonso erst in einigen Tagen sagen.
Für Chelsea folgt am Samstag das Ligaspiel gegen Manchester United, Liverpool empfängt am Sonntag Meister Arsenal.