Nach zwei Runden haben gleich acht Mannschaften sämtliche Spiele gewonnen. Gleichzeitig warten mehrere namhafte Klubs noch auf ihren ersten Sieg. Da in der Conference League nur sechs Partien in der Ligaphase ausgetragen werden, wächst der Druck auf die enttäuschend gestarteten Favoriten bereits erheblich.
Lugano überrollt Getafe nach frühem Rückstand
Die größte Überraschung aus Schweizer Sicht gelang dem FC Lugano. Die Mannschaft von Mattia Croci-Torti gewann beim spanischen Erstligisten Getafe mit 5:2 und setzte ihre beeindruckende Serie fort: Die Tessiner sind mittlerweile seit 20 Pflichtspielen ungeschlagen.
Dabei begann die Begegnung denkbar schlecht. Iván Azón brachte Getafe bereits nach 71 Sekunden in Führung. Lugano antwortete allerdings sofort. Albian Ajeti glich praktisch im Gegenzug aus (3.), Yanis Cimignani drehte die Partie nur vier Minuten später.
Besonders mit seinem schnellen Umschaltspiel stellte Lugano die Spanier vor erhebliche Probleme. Nach einer Balleroberung erhöhte Ajeti in der 26. Minute auf 3:1. Uran Bislimi legte unmittelbar nach der Pause das vierte Tor nach (50.).
Getafe verkürzte durch Borja Mayoral noch auf 2:4 (74.), ehe Kevin Behrens in der Nachspielzeit den Endstand herstellte.
Die Tessiner zeigten vor allem nach Ballgewinnen eine außergewöhnliche Konsequenz. Mit acht Toren aus den ersten beiden Europacupspielen gehört Lugano zu den offensivstärksten Mannschaften des Wettbewerbs und liegt auf Rang zwei.
Freiburg scheitert an Monacos individueller Klasse
Der SC Freiburg musste nach dem 3:2-Auftaktsieg gegen Jablonec einen empfindlichen Rückschlag hinnehmen. Die Mannschaft von Julian Schuster verlor bei der AS Monaco mit 0:3.
Die Gastgeber bestimmten die erste Halbzeit und kamen insbesondere durch den deutschen U21-Nationalspieler Paris Brunner zu gefährlichen Aktionen. Kurz vor der Pause belohnte sich der 20-Jährige mit einem sehenswerten Treffer (45.+2).
Freiburg hatte bereits früh Yannik Engelhardt verletzungsbedingt verloren. Nach dem Seitenwechsel steigerten sich die Breisgauer deutlich und kamen durch Lukas Kübler zu einer großen Ausgleichschance. Insgesamt fehlte gegen Monacos kompakte Defensive aber die notwendige Durchschlagskraft.
In der Schlussphase nutzten die Franzosen die größer werdenden Räume. Lamine Camara erhöhte in der 83. Minute, Ansu Fati stellte in der Nachspielzeit auf 3:0.
Schuster bemängelte anschließend vor allem die fehlende Energie in der ersten Halbzeit. Das Ergebnis sei angesichts der Leistungssteigerung nach der Pause zu deutlich ausgefallen.
Der SC hält weiterhin bei drei Punkten. Nach der Niederlage in Monaco wartet bereits am nächsten Spieltag mit Trabzonspor der nächste schwierige Gegner.
Thun bleibt ohne Tor und ohne Punkt
Auch für den zweiten Schweizer Vertreter verlief der Abend enttäuschend. Meister FC Thun verlor das Heimspiel gegen Hajduk Split mit 0:1 und steht nach zwei Begegnungen weiterhin ohne Punkt und ohne erzielten Treffer da.
Die Kroaten dominierten die Anfangsphase und gingen nach einem zu kurzen Rückpass durch Dalisson de Almeida in Führung. Erst danach fand Thun besser ins Spiel. Furkan Dursun und Brighton Labeau vergaben eine gute Ausgleichsmöglichkeit, später scheiterte Noah Christoffersson aus kürzester Distanz am praktisch leeren Tor.
Thun-Torhüter Niklas Steffen hielt seine Mannschaft mit einem parierten Elfmeter gegen Michele Šego im Spiel. Der Ausgleich gelang dennoch nicht.
Nach dem 0:1 bei Twente Enschede setzte es damit die zweite knappe Niederlage. Neben Thun sind nur noch vier weitere Mannschaften punktlos: Kauno Žalgiris, KuPS Kuopio, Inter Escaldes und die Lincoln Red Imps – allesamt alles andere als Fußballgrößen. Für den Schweizer Meister wird das kommende Heimspiel gegen Hearts somit bereits besonders wichtig. Eine weitere Niederlage ist praktisch verboten, wenn man europäisch überwintern möchte.
Ajax gewinnt Topspiel, Hajduk bleibt makellos
Im Duell zweier großer Namen setzte sich Ajax Amsterdam mit 2:0 gegen Atalanta Bergamo durch. Die Niederländer mussten nach ihrer Auftaktniederlage bei Hajduk Split reagieren und schafften dies dank zweier Joker.
Tolu Arokodare brachte Ajax in der 87. Minute nach einem langen Zuspiel von Youri Baas in Führung. In der Nachspielzeit bereitete der Nigerianer auch den Treffer von Abdellah Ouazane zum 2:0 vor. Ajax hatte über weite Strecken die besseren Chancen und feierte einen verdienten ersten Sieg. Atalanta bleibt nach dem Auftakterfolg gegen Pafos bei drei Punkten.
Hajduk Split gehört dagegen weiterhin zur makellosen Spitzengruppe. Die Kroaten ließen dem überraschenden 2:1 gegen Ajax nun das 1:0 in Thun folgen. Mit sechs Punkten steht der kroatische Traditionsklub bereits ausgezeichnet da.
Acht Mannschaften mit perfekter Bilanz
Neben Lugano und Hajduk haben sechs weitere Mannschaften beide Begegnungen gewonnen.
Panathinaikos übernahm mit einem 5:1-Auswärtssieg bei Kairat Almaty die Tabellenführung. Cyriel Dessers erzielte dabei zwei Treffer. Monaco gehört nach dem Erfolg gegen Freiburg ebenfalls zur Spitzengruppe. Trabzonspor bezwang Heart of Midlothian mit 2:0. Mohamed Salah steuerte einen Treffer und eine Vorlage bei. Auch Twente Enschede bleibt nach einem 4:1 bei den Lincoln Red Imps ohne Punktverlust.
Brann Bergen gewann bei Kauno Žalgiris mit 4:1, wobei Noah Holm den ersten Hattrick der laufenden Ligaphase erzielte. Das achte makellose Team ist Sint-Truiden: Die Belgier setzten sich nach ihrem Auftaktsieg gegen Iberia Tiflis nun auch mit 1:0 beim FC Midtjylland durch.
Die Ausgangslage bleibt dennoch offen. Brighton, nach seinem 4:0 zum Auftakt ebenfalls hoch eingeschätzt, musste sich beim tschechischen Vertreter Jablonec mit einem doch enttäuschenden 0:0 begnügen.
Mehrere Favoriten stehen bereits unter Druck
Besonders ernüchternd verlief der Saisonstart für einige international etablierte Mannschaften.
Getafe hat nach dem 1:1 gegen Universitatea Craiova und dem 2:5 gegen Lugano lediglich einen Punkt. Gleich sieben Gegentore in zwei Begegnungen verdeutlichen die Defensivprobleme. Auch Pafos steht nach dem 1:3 bei Atalanta und einem enttäuschenden 1:1 gegen Riga nur bei einem Zähler. Midtjylland kam zunächst gegen Egnatia nicht über ein 1:1 hinaus und verlor nun sogar zuhause gegen Sint-Truiden.
Roter Stern Belgrad musste sich nach der 2:3-Niederlage in Lugano mit einem 2:2 gegen den FC Kopenhagen begnügen. Der serbische Traditionsklub wartet ebenfalls noch auf seinen ersten Sieg.
Nächster Spieltag bringt mehrere Spitzenduelle
Am 5. November stehen einige besonders interessante Begegnungen an. Freiburg gastiert bei Trabzonspor und trifft damit auf eine Mannschaft mit sechs Punkten. Ajax muss auswärts beim bislang enttäuschenden FC Midtjylland antreten. Für Getafe wird das Heimspiel gegen Brighton zur nächsten beinharten Bewährungsprobe. Lugano empfängt Kauno Žalgiris und hat gute Chancen, seine Siegesserie fortzusetzen. Thun benötigt gegen Hearts dringend die ersten Punkte.
Ein direktes Duell zweier makelloser Mannschaften steht ebenfalls auf dem Programm: Sint-Truiden empfängt Brann Bergen. Mindestens eines der beiden Teams wird damit erstmals Punkte abgeben.
Vier Spieltage bleiben anschließend noch, ehe die besten acht Mannschaften direkt ins Achtelfinale einziehen und die Plätze neun bis 24 die Play-offs bestreiten. Und bereits jetzt zeichnet sich ein enger Kampf um die begehrten Plätze ab…