Max Verstappen sicherte sich zunächst die provisorische Sprint-Pole vor George Russell und Charles Leclerc. Gleichzeitig steht der Niederländer noch unter Beobachtung der Stewards, während Russell unabhängig vom Sprint am Sonntag wegen eines Motorenwechsels vom Ende des Feldes starten muss.
Verstappen bestätigt Aufwärtstrend von Red Bull
Verstappen setzte im entscheidenden SQ3 mit 1:31,156 Minuten die Bestzeit und war damit 0,120 Sekunden schneller als Russell. Leclerc folgte mit 0,243 Sekunden Rückstand, dahinter reihten sich Oscar Piastri, Lando Norris, Lewis Hamilton und WM-Leader Kimi Antonelli ein. Liam Lawson, Isack Hadjar und Pierre Gasly komplettierten die Top Ten.
Ganz sicher war Verstappens Startplatz unmittelbar danach allerdings noch nicht. In SQ1 soll er Lewis Hamilton im Bereich einer Gelbphase überholt haben, nachdem Sergio Pérez in die Streckenbegrenzung gefahren war und Trümmerteile verloren hatte. Verstappen wurde deshalb zu den Stewards bestellt. Untersucht wird, ob er Hamilton im Bereich der Gelbphase regelwidrig überholt hatte. Zusätzlich sorgten Probleme mit der Zeitnahme zwischen SQ1 und SQ2 für eine Verzögerung.
Sportlich setzt Verstappen damit seinen klaren Aufwärtstrend fort. Erst am vergangenen Wochenende gewann der vierfache Weltmeister den turbulenten Bahrain-GP in Malaysia und feierte seinen ersten Saisonsieg. Antonelli wurde Zweiter, Hamilton Dritter, während Russell wenige Runden vor Schluss mit einem technischen Defekt ausschied.
Singapur ist für Verstappen dennoch besonderes Terrain: Marina Bay gehört zu den wenigen Strecken, auf denen er noch nie einen Grand Prix gewonnen hat. In den vergangenen beiden Jahren wurde er jeweils Zweiter.
Antonelli reist mit komfortabler WM-Führung an
In der Fahrer-WM besitzt Antonelli vor dem Singapur-Wochenende weiterhin ein komfortables Polster. Der Mercedes-Pilot hält bei 320 Punkten und liegt 84 Zähler vor Russell. Hamilton folgt mit 214 Punkten, Leclerc mit 191. Norris und Verstappen stehen jeweils bei 188 Punkten.
Für Russell wird das Wochenende dennoch besonders kompliziert. Der Brite gewann 2025 in Singapur von der Pole Position, muss den Grand Prix diesmal aber wegen mehrerer neuer Komponenten seiner Power Unit von ganz hinten in Angriff nehmen. Insgesamt summieren sich die Strafen auf 40 Startplätze, die allerdings nur für den Grand Prix gelten, nicht für den Sprint.
Umso bemerkenswerter war Russells Geschwindigkeit am Freitag: Im einzigen freien Training hatte er vor Leclerc und Norris die Bestzeit gesetzt. Verstappen wurde auf Medium-Reifen Sechster, während ein Großteil der direkten Konkurrenz seine schnellsten Zeiten auf Soft fuhr.
19 Kurven, tropische Hitze und kaum Raum für Fehler
Marina Bay ist 4,927 Kilometer lang, der Grand Prix führt über 62 Runden und damit 305,337 Kilometer. Die 19 Kurven, die Mauern unmittelbar neben der Ideallinie und zahlreiche harte Bremszonen bestrafen Fehler besonders konsequent. Dazu kommt eine hohe körperliche Belastung.
Die FIA hat für das Wochenende offiziell eine sogenannte „Heat Hazard“ ausgerufen. Deshalb müssen die Autos mit dem vorgeschriebenen Driver Cooling System ausgestattet werden. Die Fahrer können dabei eine spezielle Kühlweste nutzen, durch die gekühlte Flüssigkeit zirkuliert.
Die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit machen Singapur traditionell zu einem der körperlich anspruchsvollsten Rennen des Jahres. Über die komplette Renndistanz können die Fahrer mehrere Kilogramm Körpergewicht verlieren.
Auch Safety-Car-Phasen gehören in Singapur regelmäßig zur strategischen Rechnung. Gleichzeitig kostet ein normaler Boxenstopp rund 22 Sekunden, weshalb das Timing eines Reifenwechsels besonders wichtig werden kann.
Sprint am Samstag, Grand Prix am Sonntag
Das Sprint-Format wird 2026 erstmals in Singapur ausgetragen und bildet gleichzeitig den Abschluss der Sprint-Saison. Dadurch hatten die Teams am Freitag lediglich eine Trainingsstunde, bevor bereits das Sprint-Qualifying anstand. Gerade auf einem Stadtkurs, auf dem sich Grip und Vertrauen normalerweise über mehrere Trainings aufbauen, erhöht das die Fehleranfälligkeit deutlich.
Der Sprint über 21 Runden beginnt am Samstag um 11:00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Um 15:00 Uhr folgt das reguläre Qualifying für den Grand Prix. Das Rennen startet am Sonntag um 14:00 Uhr und geht über 62 Runden.
Nach Verstappens Sieg in Malaysia und seiner starken Vorstellung im Sprint-Qualifying stellt sich vor allem die Frage, ob Red Bulls Aufschwung auch auf dem engen Stadtkurs Bestand hat. Antonelli kann die WM dagegen weiterhin kontrolliert angehen, während für Russell ausgerechnet auf jener Strecke, auf der er vor einem Jahr dominierte, am Sonntag eine Aufholjagd vom Ende des Feldes bevorsteht.