Die Partie hatte zwei deutlich unterschiedliche Hälften. Irland war zunächst aggressiver, gewann viele zweite Bälle und bereitete Österreich mit seinem direkten Spiel große Probleme. Nach der Pause veränderten drei Wechsel die Statik der Partie, das ÖFB-Team übernahm zunehmend die Kontrolle und war in der Schlussphase sogar dem Sieg näher.
Rangnick verändert seine Startelf auf sechs Positionen
Ralf Rangnick baute seine Mannschaft gegenüber dem 3:1 gegen den Kosovo auf sechs Positionen um. Florian Wiegele begann im Tor, Stefan Posch, David Affengruber, Philipp Lienhart und Phillipp Mwene bildeten die Viererkette. Vor Xaver Schlager und Nicolas Seiwald spielten Patrick Wimmer, Carney Chukwuemeka und Romano Schmid, ganz vorne erhielt Saša Kalajdžić den Vorzug. Chukwuemeka feierte damit sein Startelfdebüt, Konrad Laimer und Michael Gregoritsch saßen zunächst auf der Bank.
Irland begann in einem 3-4-2-1, das gegen den Ball kompakt wirkte und nach Ballgewinnen schnell nach vorne kippte. Adam Idah rückte häufig neben Parrott, während Jack Moylan nachstieß. Die Gastgeber pressten früh und waren besonders auf zweite Bälle vorbereitet.
Parrott bestraft Österreichs Probleme mit dem direkten Spiel
Österreich wollte kontrolliert über Schlager und Seiwald aufbauen und Kalajdžić als Zielspieler einbinden. Gegen das aggressive irische Anlaufen funktionierte das zunächst nur phasenweise. Rangnicks Mannschaft verlor zu viele Duelle und bekam nach langen Bällen der Iren nicht genügend Zugriff auf die zweiten Bälle.
Das 1:0 in der zwölften Minute zeigte diese Probleme deutlich. Nach einem langen Ball von Caoimhín Kelleher verlängerte Idah in Parrotts Richtung. Der Stürmer setzte sich gegen Lienhart und Affengruber durch und schob den Ball durch die Beine von Wiegele ins Tor.
Österreich stabilisierte sich danach etwas. Kalajdžić wurde häufiger als Wandspieler gefunden und legte unter anderem für Seiwald ab, dessen Abschluss knapp über das Tor ging. Kurz vor der Pause scheiterte Wimmer an Kelleher.
Irland blieb dennoch geradliniger und gefährlicher, weil Idah und Parrott die österreichische Defensive mit ihren Laufwegen immer wieder auseinanderzogen.
Irland setzt Österreich früh unter Druck
Kurz vor der Pause bestrafte Irland den nächsten unsauberen Moment in der österreichischen Defensive. Nach einer Hereingabe von Ryan Manning bekam die ÖFB-Abwehr den Ball nicht kontrolliert geklärt. Mwene produzierte einen Querschläger, Seiwald kam im anschließenden Durcheinander zu spät – Schiedsrichter Allard Lindhout entschied auf Elfmeter.
Parrott verwandelte sicher zum 2:0. Österreich ging damit trotz zunehmender eigener Spielanteile mit einem klaren Rückstand in die Kabine. Das Hauptproblem war weniger fehlender Ballbesitz als die mangelnde Kontrolle nach Ballverlusten und in den direkten Duellen.
Drei Wechsel verändern Österreichs Spiel
Rangnick reagierte zur Pause mit drei Wechseln. Wöber ersetzte Affengruber, Laimer kam für Seiwald und Gregoritsch für Chukwuemeka. Die Änderungen sollten mehr Stabilität, Intensität und Präsenz im letzten Drittel bringen.
Sofort entstand die Aufholjagd allerdings nicht. Irland verteidigte weiterhin kompakt, doch mit zunehmender Dauer machten sich die frischen Kräfte bemerkbar. Laimer erhöhte die Aggressivität im Gegenpressing, Gregoritsch besetzte zusätzlich die Räume rund um Kalajdžić.
In der 67. Minute brachte Rangnick mit Prass noch einen weiteren dynamischen Spieler. Vier Minuten später zahlte sich dieser Wechsel aus.
Prass leitet die Aufholjagd ein
Wimmer setzte den gerade eingewechselten Liam Kitching nahe am Strafraum unter Druck und gewann den Ball. Seine Hereingabe wurde zunächst abgefangen, landete über Jayson Molumby aber wieder bei Wimmer. Der Österreicher legte auf Prass zurück, der den Ball wuchtig unter die Latte setzte.
Zunächst wurde der Treffer wegen einer vermeintlichen Abseitsposition aberkannt. Die Wiederholung zeigte jedoch, dass der entscheidende Ball zu Wimmer von Molumby gekommen war. Nach dem VAR-Check zählte das 2:1.
Nun kippte die Dynamik endgültig. Irland zog sich weiter zurück, Österreich gewann mehr zweite Bälle und hielt den Gegner stärker in dessen Hälfte. Der Druck führte nur sechs Minuten später zum Ausgleich.
John Egan verursachte knapp außerhalb des Strafraums einen Freistoß in aussichtsreicher Position. Gregoritsch übernahm die Verantwortung und nutzte Kellehers Stellung geschickt aus. Der irische Torhüter orientierte sich früh in Richtung der von der Mauer abgedeckten Ecke, Gregoritsch reagierte darauf und schlenzte den Ball präzise in die dadurch freigewordene Torwartecke. Kelleher kam nicht mehr rechtzeitig zurück – 2:2.
Der Treffer war zugleich sinnbildlich für Österreichs zweite Hälfte. Gregoritsch war zur Pause gekommen, sorgte mit seiner Präsenz für zusätzliche Gefahr im Strafraum und belohnte die deutlich mutigere Phase des ÖFB-Teams schließlich mit dem Ausgleich.
Österreich ist dem Sieg am Ende näher
In der Schlussphase hatten beide Mannschaften noch Möglichkeiten. Wiegele verhinderte gegen Dara O’Shea einen erneuten Rückstand, auf der anderen Seite schoss Gregoritsch aus kurzer Distanz über das Tor. In der 89. Minute bot sich Prass nach einer Kalajdžić-Vorlage sogar noch die Chance auf das 3:2, sein Abschluss ging jedoch vorbei.
Die Gesamtzahlen zeigen ein ausgeglichenes Spiel mit unterschiedlichen Stärken. Österreich hatte 58 Prozent Ballbesitz und führte bei den Abschlüssen mit 16:9, die xG-Werte lagen dennoch mit 1,56:1,36 leicht auf irischer Seite – auch wegen des Elfmeters. Bei den Strafraumkontakten lag Österreich mit 30:28 knapp vorne.
Parrott war mit seinem Doppelpack der prägende Spieler der ersten Hälfte. Für Österreich entwickelte sich Wimmer mit seiner Aktivität und der Vorbereitung des Anschlusstreffers zu einem wichtigen Faktor, während Prass und Gregoritsch als Joker die Aufholjagd vollendeten.
Starke Reaktion nach schwacher erster Hälfte
Österreich muss sich vorwerfen lassen, in der ersten Hälfte nicht konsequent genug gegen Irlands Intensität und direktes Spiel dagegengehalten zu haben. Die Defensive war bei beiden Gegentoren unsauber, zudem gingen zu viele zweite Bälle verloren. Umso positiver war die Reaktion nach der Pause: Die Wechsel griffen, das Gegenpressing wurde besser und in der Schlussphase entwickelte das ÖFB-Team deutlich mehr Druck.
Mit sieben Punkten bleibt Österreich an der Spitze der Gruppe B3. Bereits am Sonntag wartet auswärts gegen den Kosovo die nächste Aufgabe.