Beide österreichischen Vertreter haben nach zwei Runden Luft nach oben: Sturm hält bei einem Punkt, Salzburg bei drei. Die jüngsten Auftritte in der Bundesliga machen allerdings Hoffnung.
Sturm: Derbyschwung gegen Europas Großnamen
Ein 6:1 im Grazer Derby ist die denkbar beste Vorbereitung auf einen internationalen Fußballabend. Sturm drehte gegen den GAK einen frühen Rückstand, Oumar Diakité erzielte drei Tore, Simon Seidl bereitete drei Treffer vor. Schon beim 2:0 bei Austria Wien hatte die Mannschaft von Fabio Ingolitsch gezeigt, dass sie trotz der vielen Ausfälle konkurrenzfähig bleibt. In der Europa League fehlt dagegen noch ein Erfolgserlebnis: Auf das 0:0 gegen Rennes folgte ein 0:3 beim AFC Bournemouth.
Das Resultat in England fiel allerdings deutlicher aus als der Spielverlauf. Sturm verteidigte lange kompakt und hatte durch Jürgen Heil sowie Jacob Peter Hödl die große Gelegenheit zum Ausgleich, ehe die Kräfte ausgingen. Gegen Marseille dürfte Ingolitsch erneut auf enge Abstände zwischen den Linien und aggressive Duelle setzen. Anders als in Bournemouth wird Sturm im eigenen Stadion aber auch mutige Pressingphasen benötigen, um den Gegner nicht dauerhaft ins Angriffsdrittel kommen zu lassen.
„Marseille ist wieder über uns zu stellen, aber in dem Stadion muss man uns erst einmal schlagen“, erklärte Ingolitsch. Der Trainer will den Schwung aus dem Derby mitnehmen und ausdrücklich auf Sieg spielen.
Verletzungssorgen und die neue Nummer eins
Die personelle Situation bleibt Sturms größte Baustelle. Stammtorhüter Daniil Khudyakov erlitt im Derby einen Unterschenkelbruch; Ammar Helac soll ihn ersetzen. Bereits zuvor fehlten Otar Kiteishvili, Gizo Mamageishvili, Seedy Jatta, Nelson Weiper, Leon Grgić, Emran Soglo und Filip Rózga. Vor allem Kiteishvilis Kreativität und Jattas Tiefgang lassen sich nicht ohne Weiteres kompensieren.
Umso wichtiger werden Seidls hervorragende Form als Vorbereiter (in der Liga bereits acht Assists) sowie Diakités aktuelle Abschlussstärke. Der Stürmer kann Marseille mit direkten Läufen beschäftigen und dem eigenen Team Entlastung verschaffen.
Marseille sucht international den Befreiungsschlag
Olympique ist in der Europa League überraschend punktlos: Auf ein 1:4 bei Beşiktaş folgte eine 0:1-Heimniederlage gegen Olympiakos. In Frankreich zeigt die Formkurve dagegen nach oben. Zuletzt gewann die Mannschaft von Bruno Genesio auswärts gegen Troyes mit 2:0 und gegen Angers mit 5:2.
Besonders Igor Paixão ist mit Tempo und direkten Dribblings über links gefährlich. Amine Gouiri bietet im Zentrum Beweglichkeit und Abschlussqualität, während Timothy Weah auf der rechten Seite Druck erzeugen kann. Sturm muss deshalb gerade nach Ballverlusten die Flügel absichern. Bei Marseille fehlen Verteidiger Derek Cornelius und der erkrankte Alexi Koum. Mittelfeldstratege Pierre-Emile Højbjerg kehrt nach seiner Muskelverletzung hingegen in den Kader zurück; ob er schon beginnen kann, ist offen.
Genesio betonte vor dem Spiel, dass Marseille nach zwei Niederlagen dringend Punkte brauche, wollte sein Team aber nicht zum eindeutigen Favoriten erklären. Ein gutes Omen für Sturm liefert der direkte Vergleich: 1999 gewannen die Grazer das Champions-League-Heimspiel gegen Marseille mit 3:2, nachdem sie auswärts 0:2 verloren hatten. In den jüngsten zehn internationalen Heimspielen holte Sturm zudem sechs Siege und zwei Remis.
Salzburg muss gegen kriselnden Meister nachlegen
Für Salzburg ist der Druck vor allem wegen der Erwartungshaltung noch etwas größer. Nach dem 1:0 bei Levski Sofia setzte es gegen Milan eine 0:4-Abfuhr, bei der die Defensive wiederholt schlecht abgestimmt war. In der Liga blieb die Mannschaft von Danny Röhl dagegen ungeschlagen und antwortete am Sonntag mit einem 3:0 gegen Altach. Haris Tabaković, Jesper Lindstrøm und Damir Redžić erzielten die Tore; besonders Lindstrøm überzeugte als kreativer Antreiber.
Der heutige Gegner Celje steckt indes in einer Krise. Der slowenische Meister liegt in der heimischen Liga nur auf Rang sechs und hat unter dem seit September amtierenden Trainer Zoran Zeljković noch nicht zur früheren Stabilität gefunden. In der Europa League verlor Celje zunächst 0:2 in Leverkusen und anschließend 0:3 gegen Omonia Nikosia. Bei Tabellenführer Maribor gelang am Wochenende in der Liga immerhin ein 0:0.
Celjes offensive Qualität verlangt dennoch Aufmerksamkeit
Völlig harmlos sind die Slowenen nicht: Svit Sešlar ist ein gefährlicher Spieler für den Zwischenlinienraum, der erfahrene Benjamin Verbič sorgt über außen für Dynamik, und Blaž Kramer ist als Mittelstürmer eine Anspielstation im Strafraum. Kapitän Mario Kvesić gibt dem Mittelfeld Struktur. Zeljković weiß allerdings auch um die Probleme seines Teams: Mit Blick auf Salzburgs Geschwindigkeit warnte er sinngemäß: Während Omonia einen schnellen Spieler gehabt habe, der Celje vor Probleme stellte, verfüge Salzburg gleich über zehn solche Akteure.
Salzburg sollte möglichst häufig hoch den Ball gewinnen und Celjes Defensive vor allem mit viel Tempo beschäftigen. Gleichzeitig darf Röhl die Absicherung nicht vernachlässigen: Gegen Milan entstanden gerade nach verlorenen Zweikämpfen auf den Flügeln große Lücken. Mit Tabaković als Zielspieler und Lindstrøms Pässen besitzt Salzburg klare Ansatzpunkte. Ob Karim Konaté nach seiner Erkrankung zurückkehrt, ist offen. Enrique Aguilar, Justin Omoregie und Nikolas Veratschnig fallen definitiv aus. Celje muss auf den verletzten Jošt Pišek verzichten, könnte aber wieder auf Rechtsverteidiger Pijus Širvys setzen.
Für Salzburg ist es das erste Europacupduell mit einem slowenischen Klub. Ein Sieg wäre ein wichtiger Schritt in Richtung (zumindest) Top-24 in der Ligaphase der UEFA Europa League. Röhl formulierte den Anspruch klar: Seine Mannschaft wolle „eine starke Leistung abliefern und drei Punkte mitnehmen“. Sturm braucht gegen Marseille mindestens ebenso dringend Zählbares – wenn auch unter schwierigeren Voraussetzungen.