Das Ergebnis passte insgesamt gut zum Spielverlauf. Österreich hatte deutlich mehr Ballbesitz und verbrachte lange Phasen in der gegnerischen Hälfte, erzeugte daraus aber zu wenig echte Torgefahr. Kosovo war nach der Pause wesentlich zielstrebiger und erspielte sich insgesamt die hochwertigeren Möglichkeiten.
Rangnick verändert seine Mannschaft auf sechs Positionen
Ralf Rangnick nahm gegenüber dem 2:2 in Irland sechs Änderungen vor. Alexander Schlager kehrte ins Tor zurück, vor ihm verteidigten Stefan Posch, Debütant Felix Bacher, Kevin Danso und Konrad Laimer. Nicolas Seiwald und Xaver Schlager bildeten die Doppelsechs, Patrick Wimmer, Romano Schmid und Alexander Prass spielten hinter Michael Gregoritsch.
Auffällig war vor allem Laimers Rolle als Linksverteidiger, während Prass davor für Breite und Tiefgang sorgen sollte. Österreich trat nominell im gewohnten 4-2-3-1 an und wollte den Kosovo mit viel Ballbesitz nach hinten drücken.
Franco Foda setzte auf ein 3-4-2-1. Die Gastgeber verteidigten mit einer Fünferkette, ließen Österreich zunächst kommen und suchten nach Ballgewinnen schnell Edon Zhegrova und Baton Zabërgja hinter Vedat Muriqi. Gerade Zhegrova entwickelte sich später zum gefährlichsten Offensivspieler der Partie.
Österreich kontrolliert den Ball, findet aber kaum Lücken
In der ersten Hälfte spielte sich das Geschehen fast ausschließlich in der kosovarischen Hälfte ab. Das ÖFB-Team hatte 66 Prozent Ballbesitz, führte bei den Abschlüssen mit 8:2 und erspielte sich fünf Eckbälle. Wirklich klare Chancen entstanden daraus jedoch kaum.
Nach zehn Minuten köpfte Gregoritsch eine Posch-Flanke gefährlich aufs Tor, Amir Saipi lenkte den Ball über die Latte. Danach zeigte sich aber das zentrale Problem des österreichischen Aufbauspiels: Kosovo verteidigte das Zentrum kompakt, während der schwierige Rasen schnelle Kombinationen zusätzlich erschwerte. Österreich ließ den Ball lange laufen, fand zwischen den Linien aber selten freie Spieler.
Prass probierte es aus der Distanz, Posch kam nach einer Hereingabe zum Kopfball. Trotz der deutlichen Feldüberlegenheit brachte es Rangnicks Mannschaft vor der Pause lediglich auf 0,36 xG.
Die gefährlichste Szene entstand sogar auf der anderen Seite. Nach einem ungenauen Rückpass von Xaver Schlager rutschte Danso weg und Muriqi hatte plötzlich freie Bahn. Alexander Schlager reagierte aufmerksam, kam rechtzeitig heraus und verhinderte den Rückstand.
Kosovo wird nach der Pause deutlich gefährlicher
Nach dem Seitenwechsel veränderte sich die Partie. Österreich hatte weiterhin mehr Ballbesitz, doch Kosovo schaltete nun wesentlich entschlossener um und attackierte häufiger die Räume hinter den aufgerückten Außenpositionen.
Veldin Hodža traf nach einem Abpraller zunächst ins Tor, stand dabei aber im Abseits. Wenig später musste Schlager bei einem weiteren Abschluss eingreifen. Insgesamt parierte der ÖFB-Torhüter vier der fünf kosovarischen Schüsse auf sein Tor.
Rangnick reagierte nach 62 Minuten mit einem Dreifachtausch: Saša Kalajdžić, Christoph Lang und Marco Grüll kamen für Schmid, Wimmer und Prass. Österreich sollte dadurch direkter und präsenter im letzten Drittel werden, die nächste entscheidende Aktion gehörte allerdings den Gastgebern.
Zhegrova bereitet die verdiente Führung vor
In der 70. Minute kombinierte sich Kosovo über die rechte Seite durch. Zhegrova zog mit Tempo in den Halbraum und legte im Strafraum präzise für den kurz zuvor eingewechselten Asllani ab. Der Hoffenheim-Stürmer nahm den Ball direkt und traf flach ins linke Eck.
Zu diesem Zeitpunkt war die Führung verdient. Österreich hatte zwar mehr Kontrolle über den Ball, Kosovo erzeugte seit Wiederbeginn aber die klareren Situationen. Nur drei Minuten nach dem 1:0 hätte Rashica sogar erhöhen können: Sein Schuss landete an der Stange, den anschließenden Versuch von Hodža entschärfte Schlager.
Zhegrova war der auffälligste Feldspieler. Neben seiner Vorlage gewann er zahlreiche direkte Duelle, verbuchte sechs Tacklings sowie sechs Ballgewinne und trieb die österreichische Defensive mit seinen Dribblings immer wieder zurück. Damit verband er offensive Kreativität mit ungewöhnlich viel Defensivarbeit.
Auf österreichischer Seite blieb Gregoritsch dagegen über weite Strecken isoliert. Abgesehen von seinen Kopfballmöglichkeiten gelang es dem Stürmer selten, sich entscheidend in die Kombinationen einzuschalten – ein Sinnbild für Österreichs Probleme, aus viel Ballbesitz wirklich gefährliche Szenen zu entwickeln.
Lang rettet Österreich nach einem weiten Einwurf
Nach dem Rückstand erhöhte Rangnick das Risiko. Mit Kalajdžić zusätzlich im Angriff und mehreren offensiven Spielern rund um den Strafraum wurde das Spiel direkter. Eine längere Drangphase entstand zunächst trotzdem nicht, weil Kosovo den eigenen Strafraum weiterhin kompakt verteidigte.
Der Ausgleich fiel deshalb bezeichnenderweise nach einem Einwurf. Danso brachte den Ball weit in den Strafraum, Kalajdžić verlängerte per Kopf und Lang löste sich im Zentrum von seinem Gegenspieler. Der 24-Jährige setzte seinen Kopfball in der 85. Minute zum 1:1 ins Tor und erzielte in seinem zweiten Länderspiel seinen ersten Treffer für Österreich.
Österreich hatte 64 Prozent Ballbesitz, führte bei den Abschlüssen mit 13:10 und kam auf 32 Strafraumkontakte gegenüber 16 des Kosovo. Bei den Expected Goals lagen die Gastgeber dennoch mit 0,90:0,50 vorne. Österreich erreichte also häufig gefährliche Zonen, produzierte daraus aber nur selten hochwertige Abschlüsse.
Österreich bleibt trotz durchwachsener Leistung Tabellenführer
Das 1:1 ist aus österreichischer Sicht ein wichtiger Punkt, aber keine überzeugende Vorstellung. Rangnicks Mannschaft kontrollierte den Ball, fand gegen Kosovos kompakte Defensive jedoch zu selten Tempo und Präzision im letzten Drittel. Nach der Pause bekam das ÖFB-Team zudem die schnellen Angriffe rund um Zhegrova nicht gut genug unter Kontrolle.
Kosovo verdiente sich seine Führung mit der stärkeren Phase nach dem Seitenwechsel und hätte durch Rashica beinahe auf 2:0 erhöht. Österreich zeigte im Finish dennoch Moral und profitierte beim Ausgleich von zwei Einwechselspielern: Kalajdžić bereitete vor, Lang vollendete.
Mit acht Punkten aus vier Spielen bleibt Österreich an der Spitze der Gruppe B3. Im November folgen die beiden letzten Gruppenspiele gegen Irland und Israel.