Seit ihrer Premiere 2017 gehört die Tour of Guangxi zur WorldTour und beschließt traditionell die Saison der höchsten Rennserie im Männer-Radsport. Bis Sonntag legen die Fahrer rund 1.040 Kilometer zurück. Los geht es diesmal in Chongzuo, die Entscheidung im Gesamtklassement dürfte am letzten Tag bei der Bergankunft in Nongla fallen.
Pidcock kommt mit starker Form nach China
Tom Pidcock bestreitet erstmals die Tour of Guangxi und reist mit starken Ergebnissen aus den vergangenen Wochen nach China. Bei der Straßen-WM belegte der Brite Rang sieben, anschließend wurde er sowohl beim Giro dell’Emilia als auch bei Tre Valli Varesine Zweiter. Bei Il Lombardia fuhr er zuletzt auf Platz sechs.
Das Streckenprofil sollte ihm grundsätzlich entgegenkommen. Lange Hochgebirgspässe fehlen, dafür warten zahlreiche kurze und mittellange Anstiege sowie eine Bergankunft für explosive Fahrer am letzten Tag. Genau dort kann Pidcock seine Antrittsstärke auf kurzen, steilen Anstiegen ausspielen.
Für Pidcock geht es dabei auch um eine Premiere: Obwohl er in mehreren Disziplinen große Rennen gewonnen hat, wartet er noch auf seinen ersten Gesamtsieg bei einer WorldTour-Rundfahrt.
Nach dem Sprintauftakt nimmt die Schwierigkeit zu
Die erste Etappe über 149,4 Kilometer mit Start und Ziel in Chongzuo bietet die offensichtlichste Gelegenheit für die klassischen Sprinter. Komplett flach ist der Auftakt zwar nicht, dennoch dürfte ein Massensprint das wahrscheinlichste Szenario sein.
Schon am zweiten Tag wird es anspruchsvoller. Auf den 179,7 Kilometern nach Jingxi befindet sich im letzten Renndrittel ein längerer Anstieg. Bis zum Ziel bleibt danach noch genügend Zeit, damit sich Gruppen wieder zusammenschließen können, doch für schwerere Sprinter könnte es erstmals schwierig werden.
Die dritte Etappe ist mit 212,3 Kilometern der längste Abschnitt der Rundfahrt und bringt mehr als 2.000 Höhenmeter. Mehrere Anstiege im letzten Renndrittel könnten dafür sorgen, dass erstmals auch die Klassementfahrer stärker in Erscheinung treten.
Noch interessanter wird der vierte Tag von Bama nach Tian’e. Auf 165,7 Kilometern kommen knapp 2.700 Höhenmeter zusammen. Mehrere Anstiege im Mittelteil der Etappe bieten Möglichkeiten für Attacken, ehe es in Richtung Ziel wieder leichter wird. Wer nicht bis Nongla warten möchte, könnte hier versuchen, früh Druck auf die Konkurrenz auszuüben.
Auch Etappe fünf nach Yizhou ist mit mehr als 2.000 Höhenmetern keineswegs einfach. Da das Finale deutlich flacher wird, haben dort aber sowohl Ausreißer als auch robuste Sprinter Chancen.
Entscheidung am Schlussanstieg in Nongla
Die Gesamtwertung dürfte erst am letzten Tag entschieden werden. Die sechste Etappe führt über 165,8 Kilometer von Yizhou zur Nongla Scenic Area. Der entscheidende Schlussanstieg misst rund 3,1 Kilometer bei durchschnittlich 6,3 Prozent.
Der Durchschnittswert täuscht etwas, denn einzelne Rampen erreichen rund zehn Prozent. Damit ist der Anstieg weniger etwas für reine Hochgebirgsspezialisten, sondern vielmehr für explosive Kletterer und Puncheure.
Dass in Nongla Rundfahrten entschieden werden, zeigte schon das Vorjahr. Paul Double setzte sich dort ab und legte damit den Grundstein für seinen späteren Gesamtsieg. Diesmal steht die Bergankunft sogar erst am letzten Tag auf dem Programm. Wer dort die Führung übernimmt, muss sie anschließend nicht mehr verteidigen.
Double, Ayuso und Narváez fordern Pidcock
Titelverteidiger Double gehört deshalb erneut zum engeren Favoritenkreis. Auch Juan Ayuso bringt die Fähigkeiten mit, um die Rundfahrt zu gewinnen. Der Spanier verfügt über deutlich mehr Erfahrung bei längeren Etappenrennen als viele seiner Konkurrenten, entscheidend wird allerdings seine Form nach einer langen Saison sein.
Jhonatan Narváez passt ebenfalls sehr gut zum Streckenprofil. Der Ecuadorianer wurde bereits im Vorjahr Dritter und ist besonders stark auf kurzen, intensiven Anstiegen.
Weitere interessante Namen sind Kévin Vauquelin, Ilan Van Wilder, Maxim Van Gils, Daniel Felipe Martínez, Léo Bisiaux und Jarno Widar. Gerade Widar hat zuletzt auf sich aufmerksam gemacht und Pidcock bei Tre Valli Varesine im Sprint einer Dreiergruppe geschlagen.
Magnier erneut im Mittelpunkt der Sprints
Auf den flacheren Etappen zählt Paul Magnier erneut zu den Topfavoriten. Der Franzose dominierte die Tour of Guangxi 2025 mit fünf Etappensiegen und reist auch diesmal mit starker Form an.
Eine Wiederholung dieser Dominanz dürfte jedoch schwer werden. Mit Olav Kooij steht ein weiterer Topsprinter am Start. Dazu kommen Kaden Groves, Jordi Meeus, Max Kanter, Milan Fretin, Juan Sebastián Molano und Fabio Jakobsen.
Zum Saisonabschluss wartet die Tour of Guangxi damit noch einmal mit einem starken Feld und abwechslungsreichen Etappen auf. Die Sprinter dürften den Auftakt prägen, ehe die Klassementfahrer zunehmend in den Vordergrund rücken. Vieles deutet darauf hin, dass der Gesamtsieg erst auf den letzten Kilometern der WorldTour-Saison entschieden wird – und genau dort könnte Pidcocks Explosivität zum entscheidenden Vorteil werden.