Australisches Duell in der Qualifikation
Montreal hat beim ATP-Masters-1000-Turnier National Bank Open eine besondere Bedeutung für Alexei Popyrin: 2024 gewann der Australier hier seinen bislang größten Karrieretitel und wurde damit zum ersten australischen Masters-1000-Sieger seit Lleyton Hewitt (Indian Wells 2003). Zwei Jahre später ist die Ausgangslage eine völlig andere. Ein Formtief mit fünf Niederlagen in Serie ließ Popyrins Weltranglistenposition von Rang 54 zu Saisonbeginn auf Rang 103 abrutschen – und zwang ihn zur Teilnahme an der Qualifikation. Dort wartete in der ersten Runde ein Landsmann: Thanasi Kokkinakis, der nach einer schweren Pectoralis-Operation im Februar 2025 erst allmählich auf die Tour zurückkehrt und derzeit auf einem ATP-Ranking von rund 855 notiert ist.
Das All-Australian-Duell versprach Brisanz. Zwei Spieler, die beide ihr bestes Tennis kennen, aber aus sehr unterschiedlichen Gründen im Qualifikationsfeld standen. Für Popyrin war es eine Bewährungsprobe, für Kokkinakis ein wichtiger Schritt auf dem langen Weg zurück in den Tenniszirkus.
Popyrin dominiert mit dem Aufschlag – Erster Satz geht klar an ihn
Im ersten Satz zeigte Popyrin sofort, warum er in Montreal einst eine Machtdemonstration abliefern konnte. Er dominierte mit seinem Aufschlag: Seine Aufschlagquote von 62 Prozent beim ersten Aufschlag und ein Gewinn von 92 Prozent der Punkte nach erstem Aufschlag sorgten für eine stabile Grundlage. Popyrin ließ bei eigenem Aufschlag keinen einzigen Breakball zu – seine Service-Spiele-Gewinnquote blieb im gesamten Match bei makellosen 100 Prozent. Auf der anderen Seite gelang es ihm, die eigenen Breakchancen zu verwerten: 50 Prozent Breakball-Ausbeute reichten, um den ersten Satz mit 6:4 zu seinen Gunsten zu entscheiden.
Kokkinakis zeigte mit sieben Assen und einer Gewinnquote von 83 Prozent auf den ersten Aufschlag durchaus solide Aufschlagleistungen, konnte jedoch im Return-Spiel kaum Druck entfalten. Lediglich 18 Prozent der Return-Punkte konnte er für sich verbuchen – zu wenig, um echte Gegenwehr zu leisten.
Aufgabe im zweiten Satz beendet das Duell vorzeitig
Der zweite Satz verlief bis zur Unterbrechung ausgeglichener. Beim Stand von 2:3 aus Sicht von Popyrin beendete Kokkinakis die Partie durch Aufgabe. Was genau ihn zur Aufgabe zwang, blieb offen – angesichts seiner langen Verletzungsgeschichte ist körperlicher Verschleiß jedoch als Faktor nicht auszuschließen.
Die Statistiken widerspiegeln ein Match, das Popyrin fest in der Hand hatte, solange es dauerte. Er gewann 54 Prozent aller Punkte, verzeichnete sieben Asse und sicherte sich alle eigenen Aufschlagspiele. Kokkinakis dagegen blieb bei einer Breakball-Conversion von null Prozent und gewann lediglich 29 Prozent der Return-Punkte.
Ausblick: Popyrin auf dem Weg zurück
Mit diesem Sieg in der Qualifikation setzt Popyrin ein erstes Zeichen auf dem Weg zurück in die Weltspitze. Der Weg ins Hauptfeld des Turniers, bei dem er 2024 triumphierte, ist noch weit – doch der Auftakt ist geglückt. Kokkinakis hingegen muss seinen Aufbau nach der Operation weiter geduldig vorantreiben.