Es war ein Match, das zwei Tage brauchte, um seinen Sieger zu finden. Rafael Jodar, 19 Jahre alt und als 23. Setzung bei seinem ersten professionellen Wimbledon-Auftritt dabei, bezwang den erfahrenen Pablo Carreño Busta mit 3:6, 6:3, 1:6, 6:3, 6:4. Die Gesamtspieldauer belief sich auf drei Stunden und 43 Minuten – verteilt auf zwei Abende auf Court No. 2.
Wechselbad der Gefühle: Carreño Busta gibt Führung aus der Hand
Das Duell entwickelte sich nach einem vertrauten Muster. Carreño Busta übernahm im ersten Satz mit 6:3 das Kommando und unterstrich seine Erfahrung. Im zweiten Durchgang fand Jodar jedoch seinen Rhythmus und glich mit 6:3 aus. Dann schlug der 34-jährige Spanier zurück: Mit einem dominanten 6:1 im dritten Satz brachte er sich in eine komfortable Führungsposition. Doch Wimbledon machte seinem Ruf als unberechenbare Bühne alle Ehre – die Dunkelheit unterbrach das Match am Mittwochabend, als Jodar im vierten Satz mit 2:1 vorne lag und Carreño Busta mit zwei Sätzen zu eins in Front war.
Die Nachtpause wurde zum Wendepunkt. Am Donnerstag kehrte ein verwandelter Jodar auf den Platz zurück. Er gewann den vierten Satz mit 6:3 und erzwang damit den entscheidenden fünften Durchgang. Für Carreño Busta wiederholte sich ein schmerzliches Déjà-vu: Bereits bei Roland Garros 2026 hatte er gegen denselben Gegner eine Führung von zwei Sätzen zu eins nicht über die Ziellinie gebracht.
Fünfter Satz: Jodar lässt sich nicht beirren
Der finale Durchgang begann mit einer hochdramatischen Szene. Jodar erarbeitete sich sofort drei Breakchancen beim Stand von 0:40 im ersten Aufschlagspiel von Carreño Busta – doch der Routinier wehrte alle drei ab. Ein anderer Spieler hätte den Kopf hängen lassen. Jodar nicht. Er blieb aggressiv, steigerte seine Aufschlagquote und erzielte in den entscheidenden Momenten Winner. Die nächsten vier Spiele gingen allesamt an den Teenager aus Madrid, der damit die Weichen auf Sieg stellte und mit 6:4 den Schlusspunkt setzte.
Die Statistiken zeigen das Bild eines offensiven Spielers: Jodar schlug 66 Winner – deutlich mehr als Carreño Bustas 42 – und gewann 76 Prozent seiner Netzpunkte. Dass er gleichzeitig 49 unerzwungene Fehler produzierte, unterstreicht den riskanten, aber wirkungsvollen Stil, den er besonders nach der Unterbrechung an den Tag legte. Sein erster Aufschlag war mit einer Gewinnquote von 75 Prozent ein zuverlässiges Fundament.
Historische Einordnung und Ausblick
Mit diesem Sieg schrieb Jodar ein kleines Kapitel Tennisgeschichte: Er ist erst der dritte spanische Teenager der Open Era, der in Wimbledon die dritte Runde erreichte – nach Rafael Nadal und Carlos Alcaraz. Dabei war seine einzige frühere Erfahrung auf dem heiligen Rasen ein Viertelfinale im Juniorenbereich 2024. Dass er nun auch noch Pablo Carreño Busta zum zweiten Mal in Folge bei einem Grand Slam in fünf Sätzen bezwang – nach dem Viertelfinale bei Roland Garros 2026 –, verleiht diesem Ergebnis zusätzliches Gewicht.
In der dritten Runde wartet mit dem japanischen Qualifikanten Shintaro Mochizuki eine weitere Aufgabe. Der Sieger dieses Duells trifft anschließend im Achtelfinale auf Titelverteidiger Jannik Sinner oder Jenson Brooksby. Für Rafael Jodar ist Wimbledon 2026 noch lange nicht zu Ende.