Machtdemonstration im ersten Satz
Montreal, 14. August 2026: Auf dem Outdoor-Hartplatz des IGA Stadiums schrieb Ben Shelton Tennis-Geschichte. Mit dem 6:3, 7:6-Sieg gegen Brandon Nakashima verteidigte der an Nummer 5 gesetzte Linkshänder aus Atlanta seinen Titel beim National Bank Open – und reihte sich damit in eine illustre Gesellschaft ein. Vor ihm gelang diese Titelverteidigung in Kanada im 21. Jahrhundert nur Andy Murray, Novak Djokovic und Rafael Nadal.
Der erste Satz gehörte klar Shelton. Mit seinem Aufschlag dominierte er von Beginn an: Er gewann alle seine Aufschlagspiele und ließ Nakashima kaum Breakbälle zu. 86 Prozent der Punkte bei eigenem ersten Aufschlag, dazu kein einziger Doppelfehler – Shelton gab dem Gegner schlicht keine Angriffsfläche. Nakashima, als 28. der Setzliste ins Turnier gegangen, fand im ersten Satz noch keinen Rhythmus und musste das 3:6 ohne nennenswerte Gegenwehr hinnehmen.
Tiebreak entscheidet den zweiten Satz
Im zweiten Satz steigerte sich Nakashima spürbar. Der Rechtshänder aus San Diego, der auf dem Weg ins Finale zwei knappe Drei-Satz-Matches überstanden hatte und ab dem Viertelfinale sein bestes Tennis gezeigt hatte, kämpfte sich ins Spiel. Kein Break fiel auf beiden Seiten – Shelton blieb bei eigenem Aufschlag makellos, Nakashima wehrte die wenigen Drucksituationen ab. So ging der Satz in den Tiebreak.
Dort behielt Shelton die Nerven. Mit 7:4 entschied er den Tiebreak für sich und machte damit den Titelgewinn perfekt. Nakashima, der damit seine erste Masters-1000-Finalteilnahme überhaupt abschloss, sicherte noch einen Matchball ab – mehr war am Ende nicht drin. Die Gesamtbilanz der Begegnung sprach eine deutliche Sprache: Shelton gewann 55 Prozent der Punkte, erzielte 22 Winners und verwertete die Hälfte seiner Breakbälle. Nakashima blieb bei einer Quote verwerteter Breakbälle von null Prozent.
Historisches All-American-Finale
Das Duell hatte über den sportlichen Rahmen hinaus Bedeutung. Es war das erste All-American-Finale bei einem ATP-Masters-1000-Event seit dem Aufeinandertreffen von Andy Roddick und Mardy Fish in Cincinnati 2003 – und beim National Bank Open selbst das erste amerikanische Herren-Einzel-Finale seit Andre Agassi gegen Pete Sampras im Jahr 1995.
Für Ben Shelton war es der siebte ATP-Titel seiner Karriere und der vierte im Jahr 2026, nach Erfolgen in Dallas, München und Stuttgart. Seine Kopf-an-Kopf-Bilanz gegen Nakashima wuchs auf 6:0 an – in keiner der sechs Begegnungen benötigte Shelton einen dritten Satz. Nakashima, der seit seinem ersten Titelgewinn 2022 in San Diego auf seinen zweiten ATP-Titel wartete, muss die Suche fortsetzen. Der Weg nach Montreal war dennoch bemerkenswert: Ins Halbfinale und dann ins Finale zu kommen, nachdem man das Turnier mit zwei Drei-Satz-Matches begonnen hatte, zeigt seine Qualität in dieser Woche.