Es war ein Duell zweier Linkshänder mit kontrastierten Spielstilen: Benjamin Todd Shelton, an Nummer 8 gesetzt und der bestplatzierte US-Amerikaner im Turnier, bezwang Denis Viktorovich Shapovalov im Arthur Ashe Stadium mit 7:6, 6:7, 6:3, 6:4 und löste damit sein Ticket für die Runde der letzten 16. Der Sieg war die Quittung für einen konzentrierten Auftritt in den entscheidenden Momenten – und die Fortsetzung einer persönlichen Erfolgsserie gegen den Kanadier, die nun bei 5:0 steht.
Zwei Tiebreaks eröffnen ein enges Duell
Die ersten beiden Sätze gerieten zu einem echten Nervenspiel. Shelton entschied den ersten Tiebreak mit 7:3 für sich und schien das Match früh in die gewünschte Richtung zu lenken. Shapovalov antwortete jedoch mit Entschlossenheit: Im zweiten Satz drehte der Kanadier den Tiebreak mit 7:5 zu seinen Gunsten und glich zum 1:1 aus. Beide Spieler dominierten bei eigenem Aufschlag über weite Strecken – Shelton gewann 82 Prozent seiner Aufschlagspiele, Shapovalov immerhin 71 Prozent. Shapovalov schlug acht Asse, Shelton 14; die Aufschlaggeschwindigkeiten der beiden Linkshänder lagen mit durchschnittlich 188 beziehungsweise 193 km/h beim ersten Aufschlag nah beieinander. Das Duell war nach zwei Sätzen vollkommen offen.
Shelton übernimmt das Kommando
Ab dem dritten Satz zeigte Shelton, warum er 2026 bereits vier Titel auf drei verschiedenen Belägen gewonnen hatte. Er verwertete seine Breakchancen konsequent – 55 Prozent seiner Breakbälle nutzte er – und ließ Shapovalov kaum noch für Gefahr sorgen. Im dritten Satz gewann er klar mit 6:3, im vierten setzte er mit dem 6:4 den Schlusspunkt. Shapovalov, der mit einer ausgeglichenen Saisonbilanz und mehreren verletzungsbedingten Rückschlägen nach New York gekommen war, wehrte seinerseits lediglich 45 Prozent der Breakbälle ab – zu wenig gegen einen Gegner, der in den entscheidenden Phasen keine Nachlässigkeiten zuließ. Mit 47 Winners stand Shelton am Ende weit vor Shapovalov (28), auch wenn er mit 54 unerzwungenen Fehlern eine höhere Fehlerquote als der Kanadier (36) aufwies.
Historische Marke und Blick nach vorne
Mit dem Einzug ins Achtelfinale unterstrich Shelton nicht nur seine Form in diesem Jahr, sondern schrieb auch ein kleines Stück Tennisgeschichte: Als erster amerikanischer Linkshänder erreichte er zum vierten Mal in Folge die dritte Runde der US Open. Für Shapovalov hingegen spiegelte das Ausscheiden das gewohnte Muster wider – in seinen vier vorangegangenen US-Open-Teilnahmen war er nie über die dritte Runde hinausgekommen. Der Kanadier war zuletzt als Finalist in Los Cabos in Form gewesen und hatte mit einem souveränen Dreisatzsieg über Luca Van Assche in die zweite Woche drängen wollen. Shelton, der 2023 das Halbfinale in Flushing Meadows erreicht hatte und in den beiden Folgejahren jeweils früh ausgeschieden war, nimmt nun den nächsten Anlauf auf einen tiefen Lauf beim letzten Grand Slam des Jahres.