Wimbledon, Court 17 – Was als offenes Duell zweier Qualifikanten begann, entwickelte sich zu einem der emotionalsten Matches der zweiten Runde. Michael Zheng bezwang Nicolás Mejía mit 7:6, 6:7, 1:6, 4:6 und schrieb damit ein weiteres Kapitel seiner bemerkenswerten Aufstiegsgeschichte.
Mejía kämpft sich in den ersten Satz
Nicolás Mejía, Kolumbiens Nummer eins und erst kürzlich für sein erstes Grand-Slam-Hauptfeld qualifiziert, zeigte von Beginn an, dass er den großen Rasenplätzen gewachsen ist. Mit einer soliden Aufschlagquote von 65 Prozent beim ersten Aufschlag und einer Fehlerquote, die zunächst im Rahmen blieb, machte der Kolumbianer Zheng das Leben schwer. Der erste Satz musste im Tiebreak entschieden werden – Zheng behielt mit 7:4 die Nerven und sicherte sich einen knappen Vorsprung.
Mejía ließ sich davon nicht beirren. Im zweiten Satz steigerte er sein Return-Spiel und zwang Zheng in weitere enge Ballwechsel. Erneut landete die Entscheidung im Tiebreak – und hier schrieb das Match seinen dramatischsten Moment.
Der Schlüsselmoment: Ein Winner im Fallen
Mejía führte im zweiten Satz-Tiebreak mit 6:4 und hielt zwei Satzbälle in der Hand – eine mögliche 2:0-Satzführung schien zum Greifen nah. Dann das Unvorstellbare: Zheng glitt beim Abrufen eines Droppshots auf dem Rasen aus, fiel zu Boden und spielte im Fallen mit ausgestrecktem Schläger einen Volley-Winner. Die Aktion rettete den Punkt, brach Mejías Rhythmus – und kostete ihn letztlich den Satz. Beim Stand von 9:8 verwandelte Zheng seinen dritten Satzball zum 10:8 und glich auf 1:1 aus.
Dieser Moment war mehr als ein spektakulärer Einzelpunkt. Er verschob das psychologische Gleichgewicht des Matches spürbar. Während Mejía sichtlich mit dem verpassten Satzball haderte, spielte Zheng mit wachsendem Selbstvertrauen. Der Dritte und vierte Satz gingen klar an den Amerikaner: 6:1 und 6:4.
Zhengs Aufschlag als Trumpfkarte
Die Statistiken unterstreichen, wie dominant Zheng nach dem Wendepunkt agierte. Mit 20 Assen und einer Aufschlagquote von 100 Prozent bei den gewonnenen Aufschlagspielen ließ er Mejía im Return-Spiel kaum eine Chance – der Kolumbianer gewann lediglich 19 Prozent der Return-Spiele. Zhengs 58 Winner standen 31 unerzwungenen Fehlern gegenüber, eine Bilanz, die auf einem anspruchsvollen Rasenbelag überzeugt.
Mejía dagegen blieb bei den Break-Chancen vollständig chancenlos: 0 Prozent Conversion-Rate. Das bedeutet, er gewann zwar 81 Prozent seiner eigenen Aufschlagspiele, konnte aber nie den entscheidenden Break erzielen, um das Match zu drehen.
Karrierebestes Ergebnis für den Ivy-League-Absolventen
Für Michael Zheng bedeutet der Sieg weit mehr als nur ein weiteres Match in seiner noch kurzen Profikarriere. Der 22-Jährige aus New Jersey, der im Mai 2026 sein Studium an der renommierten Columbia University abschloss und als zweifacher NCAA-Einzelmeister in die Profikarriere startete, steht erstmals in der dritten Runde eines Grand-Slam-Turniers. Erst in der Runde davor hatte er den gesetzten Cameron Norrie im fünften Satz-Tiebreak bezwungen.
Mejía hingegen verlässt Wimbledon mit gemischten Gefühlen: Sein Grand-Slam-Debüt endete in der zweiten Runde, doch der Kolumbianer bewies, dass er auf diesem Niveau mithalten kann. Der verpasste Satzball im zweiten Durchgang bleibt der entscheidende Moment – und vermutlich einer, der ihn noch eine Weile beschäftigen wird.