Es war kein einfacher Nachmittag für Daniil Medvedev. Der an Position acht gesetzte Profi verlor den ersten Satz auf Court 2 gegen den Spanier Daniel Mérida Aguilar klar mit 3:6 – und stand damit erneut vor dem Szenario, das ihm im Vorjahr das frühe Aus in Wimbledon eingebracht hatte. Doch diesmal ließ Medvedev keine Zweifel aufkommen: Er drehte das Match und gewann letztlich souverän mit 3:6, 6:3, 7:5, 6:2.
Mérida Aguilar mit furiosem Beginn
Der 21-jährige Mérida Aguilar, der vor diesem Turnier noch nie das Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers erreicht hatte, präsentierte sich im Auftaktsatz von seiner besten Seite. Mit aggressivem Grundlinienspiel und einem nahezu fehlerfreien Aufschlag – seine erste Aufschlagquote lag über das gesamte Match bei 69 Prozent – setzte er Medvedev frühzeitig unter Druck. Der Spanier nutzte konsequent seine Chancen: Bei einer Break-Quote von 33 Prozent hielt er Medvedves Return-Spiel zunächst weitgehend in Schach. Der Satzgewinn zum 6:3 war für einen Spieler bemerkenswert, der in den zurückliegenden zwölf Monaten von Weltranglistenplatz 235 auf Platz 84 geklettert war – ein Sprung, der seinen Aufstieg durch zwei ATP-Challenger-Titel in Pozoblanco und auf Teneriffa unterstrich.
Medvedev übernimmt das Kommando
Ab dem zweiten Satz veränderte sich das Bild grundlegend. Medvedev stabilisierte seinen Aufschlag, erhöhte das Tempo und begann, das Return-Spiel als Waffe einzusetzen. Mit 83 Prozent verwandelten Break Points war er in dieser Kategorie erdrückend überlegen, während Mérida Aguilar nur 17 Prozent seiner Break-Möglichkeiten gegen den Aufschlag Medvedves abwehrte. Der zweite Satz ging klar mit 6:3 an Medvedev.
Der dritte Satz wurde zum emotionalen Kern des Matches. Mérida Aguilar stemmte sich gegen den drohenden Einbruch, hielt das Spiel lange ausgeglichen und zwang Medvedev zu höchster Konzentration. Doch am Ende setzte sich der Erfahrenere durch: 7:5 für Medvedev – und damit die endgültige Wende. Der vierte Satz verlief dann einseitig. Medvedev, mittlerweile vollständig in seinem Rhythmus, ließ dem Spanier mit einem 6:2 kaum Gegenwehr zu. 13 Asse und 38 Winner standen am Ende in seiner Statistik, dazu eine Aufschlagquote von 78 Prozent auf den ersten Aufschlag.
Einordnung und Ausblick
Das Ergebnis ist auch eine Antwort auf Medvedves durchwachsene Rasensaison 2026, in der er vor Wimbledon Niederlagen gegen Spieler aus den hinteren Regionen der Weltrangliste hinnehmen musste. Auf dem wichtigsten Rasenplatz der Welt jedoch zeigte er einmal mehr, dass er zu den besten Spielern auf diesem Belag zählt – zweimal stand er bereits im Halbfinale in Wimbledon, 2023 und 2024. Das frühe Aus im Vorjahr bleibt damit eine Ausnahme.
Für Daniel Mérida Aguilar, der sein Grand-Slam-Hauptfelddebüt mit einem respektablen Auftritt beendete, ist das Turnier vorbei. Der Spanier, der in der ersten Runde regulär gegen Ugo Carabelli gewonnen hatte, bewies auf Court 2 dennoch, dass sein rasanter Aufstieg kein Zufall war. Medvedev zieht in die dritte Runde ein – das erste Aufeinandertreffen beider Spieler auf der ATP-Tour endet mit einer klaren Aussage.