Mehr als vier Jahre später haben sich die Vorzeichen grundlegend verändert. Guimarães zählt mittlerweile zu den komplettesten zentralen Mittelfeldspielern der Premier League und bringt genau jene Qualitäten mit, die Arteta in seinem Zentrum benötigt: Pressingresistenz, Zweikampfstärke, vertikales Passspiel und taktische Flexibilität. Der 28-Jährige unterschrieb beim Arsenal FC einen Vierjahresvertrag, zudem besteht eine Option auf eine weitere Saison.
Arsenal sagte 2022 noch ab
Wie The Athletic berichtet, beschäftigte sich der Arsenal FC bereits im Jänner 2022 intensiv mit Guimarães, der damals noch für Olympique Lyon spielte. Edu, damals Technischer Direktor des Arsenal FC, und Vorstandsmitglied Tim Lewis hatten einen möglichen Transfer vorbereitet, Arteta war jedoch nicht vollständig davon überzeugt, dass der Brasilianer zum geplanten Kaderumbau passen würde.
Newcastle United griff schließlich zu – und Guimarães entwickelte sich dort in den folgenden Jahren zu einem der wichtigsten Spieler des Klubs. Er wurde Kapitän und Publikumsliebling, absolvierte insgesamt 195 Pflichtspiele und steuerte dabei 31 Tore und 32 Assists bei. 2025 führte er Newcastle als Kapitän zum Gewinn des League Cups.
Seine letzte Premier-League-Saison war gleichzeitig seine stärkste im Trikot der Magpies. Mit neun Toren und fünf Assists zeigte Guimarães erneut, dass seine Qualitäten weit über die eines klassischen defensiven Mittelfeldspielers hinausgehen.
Langer Poker um die Ablöse
Entsprechend schwierig gestalteten sich die Verhandlungen. Newcastle wollte seinen Kapitän zunächst keinesfalls abgeben und soll zu Beginn mindestens 100 Millionen Pfund gefordert haben. Das erste Angebot des Arsenal FC im Juni lag allerdings lediglich bei 45 Millionen Pfund.
Guimarães selbst wollte den Wechsel nach London allerdings unbedingt vollziehen. Am Ende einigten sich die Klubs auf eine Ablöse von kolportierten 75 Millionen Pfund ohne erfolgsabhängige Bonuszahlungen.
Für den Arsenal FC ist eine derart hohe Investition in einen Spieler, der im November seinen 29. Geburtstag feiert, eher ungewöhnlich. Diesmal steht allerdings nicht das Entwicklungspotenzial im Vordergrund. Arsenal kauft einen Spieler, der die Premier League bestens kennt und der Mannschaft sofort weiterhelfen soll.
Pressingresistent und aggressiv gegen den Ball
Guimarães kann sowohl als Sechser als auch als Achter eingesetzt werden. Gerade seine Ruhe und technische Qualität unter gegnerischem Druck machen ihn für Artetas Fußball interessant. Der Brasilianer bietet sich auch in engen Räumen an, kann sich aus Drucksituationen lösen und sucht anschließend häufig den vertikalen Pass, anstatt lediglich den Ballbesitz mit sicheren Querpässen abzusichern.
Gleichzeitig bringt er viel Physis und eine überragende Zweikampfstärke mit. Laut Opta Analyst gewann Guimarães in der vergangenen Saison durchschnittlich 6,1 Duelle pro 90 Minuten – mehr als jeder zentrale Mittelfeldspieler der Gunners. Auch seine 1,6 gewonnenen Tacklings pro 90 Minuten lagen über den Werten der Arsenal-Mittelfeldspieler. Bei den Balleroberungen schnitt lediglich Declan Rice besser ab.
Eine weitere Stärke könnte für Arsenal ebenfalls besonders wertvoll werden: Guimarães zieht zahlreiche Fouls. Seit seinem Premier-League-Debüt im Februar 2022 wurde er 410-mal regelwidrig gestoppt – häufiger als jeder andere Spieler der Liga in diesem Zeitraum. Für eine Mannschaft, die bei Standardsituationen seit Jahren zu den gefährlichsten in England zählt, sind zusätzliche Freistöße in aussichtsreichen Positionen ein nicht zu unterschätzender Faktor.
Mehrere Varianten mit Rice und Zubimendi
Die naheliegendste Rolle für Guimarães dürfte zunächst jene als Achter sein. Bei Newcastle rückte er in seiner letzten Saison häufiger nach vorne und bewegte sich besonders oft im rechten Halbraum. Seine neun Ligatore und fünf Assists waren auch eine Folge dieser offensiveren Ausrichtung.
Arteta könnte beispielsweise Martín Zubimendi als tiefsten Mittelfeldspieler aufstellen und davor Rice und Guimarães einsetzen. Arsenal hätte damit ein Zentrum mit enormer Lauf- und Zweikampfstärke, das gleichzeitig über genügend technische Qualität verfügt, um sich auch gegen intensives Pressing durchzusetzen.
Je nach Gegner sind aber auch andere Varianten möglich. Guimarães kann selbst auf die Sechserposition zurückfallen, wodurch Rice weiter nach vorne rücken könnte. Ebenso erhält Arteta mehr Möglichkeiten, seine zentralen Mittelfeldspieler gezielt zu entlasten.
Dabei hilft, dass der Brasilianer in den vergangenen Jahren nur selten verletzungsbedingt außer Gefecht war. Seit seinem Newcastle-Debüt verpasste er lediglich 16 Premier-League-Spiele.
Für die kolportierten 75 Millionen Pfund erhält der Arsenal FC einen Mittelfeldspieler, der mehrere Rollen auf höchstem Niveau ausfüllen kann. Guimarães verfügt über viel Premier-League-Erfahrung und verbessert die Mannschaft sowohl im Spiel mit als auch gegen den Ball. Mehr als vier Jahre nachdem Arteta bei einem Transfer noch Zweifel hatte, passt der Brasilianer nun beinahe ideal zu jenem Mittelfeld, das der Arsenal-Trainer inzwischen aufgebaut hat.