Für Arsenal war es ein bemerkenswerter Einbruch nach einem perfekten Saisonstart. In den ersten vier Premier-League-Partien hatte die Mannschaft von Mikel Arteta insgesamt nur ein Gegentor kassiert – gegen Brighton waren es innerhalb von 57 Minuten gleich drei. Drei Tage nach der spektakulären Aufholjagd im EFL Cup bei Manchester United setzte Brighton damit bereits das nächste Ausrufezeichen.
Arteta setzt weitgehend auf seine Stammelf
Von einer B-Elf konnte bei Arsenal keine Rede sein. Gegenüber dem 2:0 bei Sunderland nahm Arteta lediglich zwei Änderungen vor. Jurriën Timber ersetzte Ben White auf der rechten Abwehrseite, Bruno Guimarães begann anstelle von Myles Lewis-Skelly neben Declan Rice. Bukayo Saka, Martin Ødegaard, Christos Tzolis und Kai Havertz bildeten die Offensivreihe.
Brighton musste dagegen kurzfristig auf Kapitän Lewis Dunk verzichten, der wegen Nackenproblemen ausfiel. Pascal Struijk rückte in die Innenverteidigung. Zudem erhielt Neuzugang Chema Andrés nach seiner Einwechslung beim 5:0 gegen Coventry erstmals von Beginn an eine Chance in der Premier League. Pascal Groß führte die Mannschaft als Kapitän an, während der 19-jährige Charalampos Kostoulas erneut im Sturmzentrum begann.
Brightons Pressing bringt Arsenal früh aus dem Rhythmus
Schon in der Anfangsphase zeigte sich, womit Hürzeler den Meister vor Probleme stellen wollte. Brighton presste Arsenals ersten Aufbau sehr aggressiv, Kostoulas arbeitete dabei konsequent gegen die Innenverteidiger und lenkte die Gunners immer wieder in Situationen, in denen die nächsten Passwege zugestellt waren.
Arsenal hatte zwar mehr Ballbesitz, konnte daraus aber kaum Kontrolle entwickeln. Selbst David Raya geriet unter Druck und spielte einen Ball direkt zu Yasin Ayari, ehe Rice mit einer starken Rettungsaktion Schlimmeres verhinderte. Kurz zuvor hatte Raya bereits einen Abschluss von Kostoulas parieren müssen.
Brighton musste dafür nicht dauerhaft den Ball haben. Die Gastgeber konzentrierten sich vielmehr darauf, nach Ballgewinnen schnell vertikal zu spielen und die Räume vor Arsenals Abwehr zu attackieren. Genau dort entstanden schließlich die ersten beiden Tore.
In der 31. Minute ließ sich Kostoulas fallen, drehte auf und bediente Groß. Arsenal rückte nicht konsequent heraus, sodass der Deutsche rund 20 Meter vor dem Tor ausreichend Platz erhielt. Sein Schuss schlug über die Stange ins Tor ein.
Kostoulas bestraft Arsenals passives Verteidigen
Kurz vor der Pause wurde Arsenals Defensive erneut dafür bestraft, zu viel Raum preiszugeben. Diego Gómez spielte Kostoulas an, der vor dem Strafraum weder von Rice noch von Gabriel entscheidend attackiert wurde. Der Grieche zog aus der Distanz ab und traf präzise zum 2:0.
Dass beide Treffer aus größerer Entfernung fielen, ist für die Einordnung wichtig. Brighton hatte Arsenal zwar spielerisch und mit seinem Pressing unter erheblichen Druck gesetzt, die Abschlüsse selbst besaßen aber keine besonders hohen xG-Werte. Die enorme Effizienz der Gastgeber machte deshalb aus einem spielerischen Vorteil eine komfortable Pausenführung.
Kostoulas war dabei die zentrale Figur. Neben seinem Treffer bereitete er das 1:0 vor, setzte Arsenals Aufbau permanent unter Druck und bewegte sich geschickt zwischen Sturmzentrum und offensivem Mittelfeld. Bereits beim 3:2-Pokalerfolg gegen Manchester United hatte er getroffen. Brighton verfügt damit derzeit über einen Angreifer, der nicht nur im Strafraum, sondern auch in Hürzelers Pressingsystem enorm wichtig ist.
Standardsituation macht Arsenals Fehlstart perfekt
Wer nach der Pause mit einer Reaktion des Meisters gerechnet hatte, wurde schnell enttäuscht. Arsenal fand weiterhin kaum Möglichkeiten, Brighton dauerhaft nach hinten zu drücken. Stattdessen fiel nach 57 Minuten das dritte Tor.
Groß schlug einen Eckball tief in den Strafraum. Chema Andrés setzte sich in der Luft gegen Gabriel und Ødegaard durch und köpfte bei seinem ersten Premier-League-Start zum 3:0 ein. Raya blieb auf der Linie und konnte nicht mehr eingreifen.
Auch diese Szene passte zum schwachen Defensivtag der Gunners. Gabriel hatte bereits beim zweiten Treffer zu passiv verteidigt und verlor nun das entscheidende Kopfballduell. Bruno Guimarães fand im Mittelfeld kaum Lösungen gegen Brightons Druck und wurde nach einer Stunde ausgewechselt. Arteta brachte unter anderem Martín Zubimendi, Mikel Merino, Viktor Gyökeres und Eberechi Eze, doch die grundsätzlichen Probleme blieben bestehen.
Arsenal lässt seine besten Möglichkeiten liegen
Auf den ersten Blick wirken die xG-Werte überraschend. Arsenal kam auf 1,58 xG, Brighton lediglich auf 1,33. Der Meister hatte damit durchaus Situationen, aus denen zumindest ein Treffer möglich gewesen wäre. Brighton schaffte es aber wesentlich besser, seine Angriffe mit Tempo zu Ende zu spielen und Arsenal nach Ballverlusten sofort wieder unter Druck zu setzen.
Der höhere Arsenal-xG-Wert konzentrierte sich zudem auf wenige gute Situationen. Vor allem Havertz hatte die Möglichkeit, das Spiel noch einmal zu öffnen, scheiterte jedoch. Insgesamt fehlte den Gunners im Strafraum die Konsequenz. Saka und Ødegaard fanden nur selten Räume zwischen Brightons eng gestaffelten Linien, während Tzolis kaum Einfluss auf das Spiel entwickelte.
Das 0:3 war deshalb einerseits härter, als die Chancenqualität vermuten lässt. Andererseits hätte Brighton den Sieg sogar noch höher gestalten können. Pascal Struijk köpfte knapp vorbei, Georginio Rutter verfehlte das Tor aus guter Position und Malick Yalcouyé traf in der Schlussphase die Stange.
Brighton setzt nach United-Sieg das nächste Ausrufezeichen
Binnen weniger Tage hat Brighton damit zwei starke Leistungen gegen prominente Gegner gezeigt. Schon bei Manchester United ließ sich die Mannschaft von einem frühen Rückstand nicht aus dem Konzept bringen und drehte die Partie noch. Gegen Arsenal war es nun vor allem Hürzelers Spielplan, der überzeugte: aggressives Pressing, schnelle vertikale Angriffe und konsequentes Nachrücken brachten den Meister über weite Strecken aus seiner gewohnten Struktur.
Für Arsenal endet damit der perfekte Saisonstart. Artetas Mannschaft hatte zwar längere Ballbesitzphasen und auch Möglichkeiten auf einen eigenen Treffer, agierte im Aufbau unter Druck aber ungewöhnlich fehleranfällig. Vor der eigenen Abwehr wurden Gegenspieler mehrfach zu spät aufgenommen, bei den Gegentoren fehlte die nötige Aggressivität und offensiv fanden die Gunners gegen Brightons kompakte Staffelung zu selten klare Lösungen. Nach vier sehr stabilen Auftritten zeigte Arsenal damit erstmals in dieser Saison größere Schwächen auf beiden Seiten des Balles.