Tien dominiert von Beginn an
Es war ein Duell zweier aufstrebender Talente, das die Zuschauer im Stade IGA erwartete – doch Learner Tien ließ von Beginn an keinen Zweifel daran, wer das Viertelfinale des ATP-Masters-1000-Turniers in Montreal bestimmen würde. Der 20-jährige Linkshänder aus Irvine, Kalifornien, an Nummer 12 gesetzt, gewann gegen den ungesetzten Spanier Daniel Mérida Aguilar mit 6:3 und 6:2 und zog in zwei klaren Sätzen ins Halbfinale ein.
Tien dominierte mit seinem Aufschlag: Er gewann 89 Prozent seiner Aufschlagspiele, erzielte bei seinem ersten Aufschlag 71 Prozent der Punkte und ließ keinen einzigen Doppelfehler zu. Dazu verwertete er 50 Prozent seiner Breakbälle und wehrte 67 Prozent der Breakbälle des Gegners ab. Mérida Aguilar hingegen gewann lediglich 50 Prozent seiner Aufschlagspiele und kam bei eigenem Aufschlag auf magere 53 Prozent gewonnener Punkte beim ersten Aufschlag.
Mérida Aguilar ohne Mittel gegen starkes Return-Spiel
Das Return-Spiel Tiens war der entscheidende Faktor. Der Amerikaner gewann 51 Prozent aller Return-Punkte und setzte den Spanier damit unter permanenten Druck. Mérida Aguilar leistete sich 32 unerzwungene Fehler – mehr als doppelt so viele wie Tien, der auf 17 kam. Diese Fehlerquote spiegelte wider, wie sehr der 21-jährige Madrilene in die Defensive gedrängt wurde. Am Netz zeigte sich der Kontrast noch deutlicher: Tien gewann 89 Prozent seiner Netzpunkte, Mérida Aguilar nur 17 Prozent.
Dabei war Mérida Aguilar mit neun Siegen in seinen letzten zehn Matches in exzellenter Verfassung nach Montreal gekommen. Er hatte auf dem Weg ins Viertelfinale vier Matches bestritten – gegen Draxl, Humbert, Michelsen und Griekspoor – und dabei deutlich mehr Spielzeit absolviert als Tien, der nur drei Matches benötigte. Doch gegen Tiens konterangreifenden, geduldigen Stil fand der Spanier an diesem Tag kein Rezept.
Historischer Rahmen für ein junges Duell
Das Viertelfinale hatte auch eine besondere historische Dimension: Alle acht verbliebenen Spieler in Montreal waren nach dem Jahr 2000 geboren – ein Novum in der Geschichte des Turniers. Mérida Aguilar, der erst wenige Wochen zuvor in Umag seinen ersten ATP-Titel gewonnen hatte, bestritt sein erstes Masters-1000-Viertelfinale überhaupt. Auf dem Hartplatz der ATP-Haupttour hatte er vor diesem Turnier noch keinen einzigen Sieg verbuchen können.
Tien hingegen zeigte einmal mehr, dass er auf diesem Belag zu Hause ist. Mit dem Einzug ins Halbfinale wurde er zum jüngsten amerikanischen Mann, der seit Andy Roddick – damals 19 Jahre alt im Jahr 2002 – die Runde der letzten Vier in Montreal erreichte. Es war zudem sein zweites Masters-1000-Halbfinale der Saison nach Indian Wells. Die Machtdemonstration gegen Mérida Aguilar, der am Ende 60 Prozent der gewonnenen Punkte auf der Gegenseite stehen sah, unterstrich Tiens Aufstieg in die Weltspitze eindrucksvoll.