Historisches Duell unter Landsleuten
New York war Schauplatz eines Halbfinales der besonderen Art: Ben Shelton und Frances Tiafoe standen sich auf dem Hartplatz des Arthur Ashe Stadium gegenüber – am Ende setzte sich Shelton, an Nummer 8 gesetzt, gegen den als Nummer 11 gesetzten Tiafoe mit 4:6, 6:3, 6:3, 7:5 durch und löste das Finalticket.
Shelton war mit einer beeindruckenden Vorgeschichte ins Halbfinale eingezogen: Im Viertelfinale hatte er Titelverteidiger Carlos Alcaraz in fünf Sätzen bezwungen – in einem Match, das erst um 3:33 Uhr morgens endete und damit den spätesten Abschluss in der Geschichte der US Open markierte. Tiafoe seinerseits hatte auf dem Weg ins Halbfinale einen Zwei-Satz-Rückstand gegen Landsmann Alex Michelsen aufgeholt. Das Aufeinandertreffen der beiden war damit ein Duell zweier Kämpfernaturen.
Tiafoe stark im ersten Satz, Shelton dreht das Match
Den ersten Satz bestimmte Tiafoe. Im neunten Game erzielte er das entscheidende Break und baute den Vorteil souverän zum 6:4-Satzgewinn aus. Shelton leistete sich in dieser Phase 14 unerzwungene Fehler und fand noch nicht in sein Spiel. Doch ab dem zweiten Satz war ein anderer Shelton zu sehen: Er dominierte mit seinem Aufschlag, erzielte am Ende des Matches 20 Asse bei einer Quote von 75 Prozent beim ersten Aufschlag und gewann 77 Prozent der Punkte bei diesem. Tiafoes Vorhand begann unter dem wachsenden Druck zu bröckeln, und sein erster Aufschlag wurde unzuverlässiger – Shelton nutzte diese Schwäche konsequent als Aggressor von der Grundlinie. Den zweiten und dritten Satz gewann er jeweils mit 6:3.
Nervenstarke Schlussphase entscheidet das Match
Im vierten Satz lieferte Tiafoe nochmals Gegenwehr. Er wehrte bei eigenem Aufschlag Breakbälle ab und hielt das Match lange offen. Doch Shelton zeigte sich in den entscheidenden Momenten nervenstark: Er wehrte im vierten Satz drei Breakbälle ab und erzielte schließlich beim Stand von 6:5 das entscheidende Break zum 7:5-Satzgewinn und gleichzeitig dem Matcherfolg. Einzig ein kurzer Zwischenfall lockerte die Anspannung: Tiafoe protestierte nach einem Punkt beim Schiedsrichter und erwirkte die Wiederholung des Punktes – ohne dass dies am Spielverlauf etwas änderte.
Die Statistik spiegelte Sheltons Überlegenheit in den letzten drei Sätzen wider: Er gewann 54 Prozent aller Punkte, erzielte 47 Winner und verwertete 45 Prozent seiner Breakbälle, während Tiafoe lediglich 29 Prozent seiner Breakbälle nutzte und 90 Prozent seiner Aufschlagspiele abgeben musste. Shelton gewann 90 Prozent seiner Aufschlagspiele – eine Machtdemonstration bei eigenem Aufschlag. Nach dem Match würdigte Shelton seinen Gegner in einer bewegenden Courtside-Rede und bezeichnete Tiafoe als eine Art großen Bruder. Für Tiafoe bleibt der Trost, dass er mit seinem dritten US-Open-Halbfinale (2022, 2024, 2026) in diesem Jahrhundert allein neben Andre Agassi steht.