Rückstand, Reaktion, Sieg – Dellien dreht das Spiel
Auf dem roten Sand von Kitzbühel hat Hugo Dellien Velasco eindrucksvoll bewiesen, warum er als bester bolivianischer Tennisspieler seiner Generation gilt. Im Halbfinale des Generali Open Qualifikation bezwang er den 23-jährigen Italiener Michele Ribecai in drei Sätzen mit 4:6, 6:1, 6:3 und buchte damit sein Finalticket. Es war ein Spiel in zwei völlig unterschiedlichen Hälften – mit einem klaren Wendepunkt nach dem ersten Satz.
Ribecai, dessen Career-High-Ranking bei Platz 281 liegt, startete mutig in die Partie und nutzte seinen Aufschlag im ersten Durchgang effektiv: 71 Prozent der Punkte auf den ersten Aufschlag bedeuteten solide Grundlage für seine aggressiven Grundlinienaktion. Mit 6:4 sicherte er sich Satz eins und schien den erfahreneren Gegner unter Druck setzen zu können.
Dellien schaltet einen Gang höher
Doch der Bolivianer antwortete mit einer Leistungsexplosion im zweiten Satz. Dellien, dessen Lieblingsbelag seit jeher der Sand ist, fand nun seinen Rhythmus vom Grundstrich – und Ribecai hatte kaum eine Antwort parat. Das 6:1 war ein Statement. Während Dellien 92 Prozent seiner Aufschlagspiele gewann und im Return 40 Prozent der Punkte holte, blieb Ribecai in der Rückschlagrolle bei lediglich 8 Prozent gewonnener Return-Games – ein drastisches Ungleichgewicht, das die Statistiken schonungslos offenlegen.
Im entscheidenden dritten Satz behielt Dellien die Kontrolle. Mit einer Break-Quote von 40 Prozent – verglichen mit 25 Prozent bei Ribecai – gelang es ihm, die entscheidenden Momente für sich zu entscheiden. Das 6:3 brachte den Gesamtsieg und unterstrich, wie souverän er den Rückstand in einen Durchmarsch verwandelt hatte. Insgesamt gewann Dellien 54 Prozent aller gespielten Punkte und sicherte sich 8 der letzten 10 Ballwechsel – ein starkes Schlussbild.
Ein Bolivianer auf der Sandplatzbühne Europas
Hugo Dellien Velasco, geboren 1993 in Trinidad im bolivianischen Tiefland, hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass er auf Sand mit der europäischen Elite mithalten kann. Sein Career-High von Platz 64 im ATP-Ranking – erzielt im August 2022 – machte ihn damals zum höchstplatzierten Bolivianer seit Mario Martínez, der 1983 Rang 60 erreicht hatte. Diese historische Dimension zeigt, welches Gewicht seiner Karriere zukommt.
Michele Ribecai hingegen verlässt Kitzbühel mit einer Leistung, die trotz der Niederlage Zuversicht geben kann. Der junge Italiener, der seine stärksten Ergebnisse ebenfalls auf Sand erzielt, zeigte im ersten Satz, dass er imstande ist, erfahrene Gegner herauszufordern. Der Weg ins Finale blieb ihm diesmal verwehrt – der Halbfinalsturz war jedoch kein Einbruch, sondern das Resultat einer klaren taktischen Steigerung des Gegners.
Hugo Dellien Velasco steht knapp vor dem Einzug ins Hauptfeld der Generali Open Kitzbühel 2026 und hat sich auf dem Alpen-Sand das Recht erarbeitet, um den Titel mit zu spielen.