Italien hat den positiven Trend unter Roberto Mancini fortgesetzt und die Türkei in Bologna mit 3:1 besiegt. Trotz großer Rotation und einer phasenweise ausgeglichenen Partie setzte sich die Squadra Azzurra dank Gianluca Scamacca, Riccardo Calafiori und Francesco Pio Esposito durch und schob sich damit in Gruppe A1 auf Rang zwei.
Für Italien war der 3:1-Erfolg ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Trotz der vielen Wechsel blieb die Mannschaft nach dem Ausgleich ruhig, fand schnell zurück in die Partie und bestätigte damit den Aufwärtstrend der vergangenen Spiele.
Mancinis Rotation geht gegen die Türkei auf
Nach dem starken 1:1 in Frankreich veränderte Mancini seine Startelf auf gleich neun Positionen. Nur Torhüter Gianluigi Donnarumma und Innenverteidiger Alessandro Bastoni standen erneut von Beginn an auf dem Platz. Italien begann wieder in einem 4-3-3, allerdings mit einer nahezu komplett neu zusammengestellten Mittelfeld- und Angriffsreihe: Alessandro Romano agierte vor der Abwehr, Issa Doumbia durfte aus dem Mittelfeld immer wieder nach vorne stoßen, Antonio Vergara und Daniel Maldini besetzten die Flügel um Mittelstürmer Scamacca.
Die vielen Wechsel waren zunächst deutlich zu spüren. Italien fand nicht sofort die passenden Abstände und hatte auch gegen den Ball Probleme mit dem türkischen 3-4-2-1. Donnarumma musste früh gegen Ozan Kabak und Yunus Akgün eingreifen. Mancini erklärte später, dass der Verlust an spielerischer Flüssigkeit aufgrund der Rotation einkalkuliert gewesen sei.
Nach 26 Minuten schlugen die Gastgeber dennoch zu. Ein Angriff verlagerte sich auf die rechte Seite, Giovanni Di Lorenzo flankte in den Strafraum, wo Doumbia zuerst an den Ball kam. Die türkische Abwehr bekam die Situation nicht geklärt, Scamacca reagierte am schnellsten und erzielte aus kurzer Distanz sein zweites Länderspieltor.
Dass die Partie keineswegs einseitig verlief, zeigen auch die Zahlen. Die Türkei hatte 55 Prozent Ballbesitz, die Abschlüsse lagen mit 15:14 nur knapp zugunsten Italiens. Auch die Strafraumkontakte waren mit 28:27 praktisch ausgeglichen. Beim xG lag Italien mit 2,03:1,61 nur knapp vorne.
Calafiori antwortet sofort auf den Ausgleich
Mancini reagierte in der 55. Minute mit einem Dreifachwechsel. Pio Esposito, Michael Kayode und Calafiori kamen in die Partie. Zunächst jubelte allerdings die Türkei: Aral Şimşir glich in der 61. Minute nach Vorarbeit von Eren Elmalı zum 1:1 aus.
Italien brauchte gerade einmal drei Minuten für die Antwort. Barella brachte den Ball von rechts in den Strafraum, wo Calafiori hochstieg und per Kopf sein erstes Tor für die Nationalmannschaft erzielte. Der frühere Bologna-Profi traf damit ausgerechnet im Stadio Renato Dall’Ara, wenige Minuten nachdem er eingewechselt worden war.
Ganz entschieden war die Partie noch nicht. Donnarumma musste beim Stand von 2:1 gegen Salih Özcan eingreifen, ehe Italien in der Schlussphase mehr Räume erhielt. In der 87. Minute machte Pio Esposito alles klar. Nach einem kraftvollen Vorstoß von Doumbia gelangte der Ball über Romano zum Stürmer, der zum 3:1 traf.
Für Esposito war es bereits das siebte Tor im 13. Länderspiel. Mancini hob anschließend vor allem dessen Hunger und Bereitschaft hervor, sich in Zweikämpfe zu werfen und Tore zu suchen. Auch Calafiori bezeichnete der Teamchef bereits als einen der Führungsspieler seiner neu formierten Mannschaft.
Nach der 0:2-Niederlage gegen Belgien zum Auftakt holte Italien damit sieben Punkte aus den folgenden drei Partien. Die Azzurri liegen mit sieben Zählern nun hinter Frankreich mit zehn, aber vor Belgien mit sechs Punkten. Mancini rechnet damit, dass das direkte Duell in Belgien im November entscheidend für den Kampf um die Qualifikation werden könnte.
Frankreichs Joker drehen die Partie gegen Belgien
Frankreich bleibt nach einem außergewöhnlichen Finish Tabellenführer. Belgien führte im Stade de France bis zur 77. Minute mit 1:0, ehe die eingewechselten Désiré Doué, Rayan Cherki und Michael Olise die Partie komplett drehten. Innerhalb von nur 14 Minuten erzielten die Franzosen vier Treffer, Olise traf dabei doppelt.
Alle vier französischen Tore gingen auf das Konto von Jokern – ein eindrucksvoller Beleg für die enorme Qualität auf Zinédine Zidanes Bank. Den spektakulären 4:1-Sieg der Franzosen haben wir in einem eigenen Artikel ausführlich analysiert.
Schweden marschiert weiter, Mamardashvili hält Elfmeter
In Liga B blieb Schweden auch im vierten Spiel ungeschlagen. Viktor Gyökeres erzielte bereits in der 13. Minute das entscheidende Tor beim 1:0 in Rumänien. Die Rumänen wurden nach der Pause gefährlicher, doch Torhüter Viktor Johansson hielt vier Abschlüsse und sicherte den Schweden die drei Punkte. Mit zehn Zählern führt Schweden die Gruppe B4 zwei Punkte vor Bosnien-Herzegowina an.
Bosnien-Herzegowina hielt mit einem 1:0 gegen Polen den Anschluss an die Tabellenspitze. Ivan Bašić verwandelte in der 84. Minute den entscheidenden Elfmeter. Polen hatte zuvor mehr Abschlüsse verzeichnet, konnte seine Möglichkeiten jedoch nicht nutzen.
In Gruppe B2 verpasste Nordirland beim 0:0 gegen Georgien den Sieg vor allem wegen Giorgi Mamardashvili. Der georgische Torhüter parierte in der 84. Minute einen Elfmeter von Isaac Price und hielt insgesamt fünf Schüsse. Nordirland hatte über weite Strecken mehr vom Spiel, konnte seine Überlegenheit aber nicht in Tore ummünzen.
Ungarn gewann parallel mit 2:1 gegen die Ukraine. Milán Tóth brachte die Ungarn nach der Pause in Führung, Roman Yaremchuk glich in der 83. Minute aus – doch nur zwei Minuten später erzielte Márk Csinger den Siegtreffer.
In Liga C drehte Zypern einen Rückstand gegen Lettland noch in einen 2:1-Sieg. Giannis Kosti glich in der 70. Minute aus, Marcus Edwards entschied die Partie in der vierten Minute der Nachspielzeit. Montenegro und Armenien trennten sich 0:0; die Montenegriner spielten nach dem Ausschluss von Stefan Lončar die Schlussphase in Unterzahl.
Spanien und England beschließen den vierten Spieltag
Am heutigen Dienstag wird der vierte Nations-League-Spieltag abgeschlossen. Die Gruppenphase selbst ist damit allerdings noch nicht beendet: Im November folgen noch die Spieltage fünf und sechs.
In Liga A richtet sich der Blick vor allem auf Gruppe A3. Spanien gastiert in Kroatien und könnte seinen perfekten Start mit dem vierten Sieg fortsetzen. Die Kroaten müssen dagegen auf das historische 0:7 gegen England reagieren. England empfängt zeitgleich Tschechien und will nach dem Kantersieg in Rijeka den nächsten Schritt in Richtung Viertelfinale machen.
In Liga B empfängt die ebenfalls noch makellose Schweiz Nordmazedonien, während Schottland auf Slowenien trifft. Dazu stehen sechs Begegnungen der Liga C auf dem Programm, darunter das Duell zwischen Belarus und dem bislang offensiv starken Finnland.