Portugals Nationalmannschaft stand am Donnerstagabend ganz besonders im Fokus. Nur einen Tag nach Cristiano Ronaldos vorzeitiger Abreise aus dem Teamcamp zeigte der Titelverteidiger beim 4:2 in Dänemark eine starke Reaktion und unterstrich, dass die Mannschaft auch ohne ihren langjährigen Kapitän offensiv viel Qualität besitzt.
Portugal antwortet auf Ronaldo-Wirbel mit vier Toren
Kaum ein Spiel stand im Vorfeld derart im Zeichen eines abwesenden Spielers wie Dänemark gegen Portugal. Cristiano Ronaldo hatte nach den Spannungen der vergangenen Tage das portugiesische Teamcamp verlassen. Der 41-Jährige war zuvor beim 2:1 gegen Norwegen erstmals seit 2008 in einem Pflichtspiel als einsatzbereiter Ersatzspieler ohne Einsatz geblieben.
Jorge Jesus stellte in Kopenhagen Gonçalo Ramos ins Sturmzentrum. Sportlich ließ sich die Mannschaft von der Unruhe nichts anmerken: Portugal gewann mit 4:2 und holte damit aus den ersten drei Gruppenspielen die maximalen neun Punkte.
João Cancelo brachte den Titelverteidiger bereits in der 13. Minute in Führung. Nachdem Mikkel Damsgaard zehn Minuten später ausgeglichen hatte, kombinierte sich Portugal nur zwei Minuten danach sehenswert zum 2:1. Ramos legte den Ball mit der Ferse ab, sprintete in den Rücken der dänischen Abwehr und traf nach dem Zuspiel von Bruno Fernandes.
Gerade diese beiden frühen Treffer zeigten, wie beweglich Portugals Offensive ohne Ronaldo agieren kann. Ramos ließ sich immer wieder fallen, öffnete Räume und attackierte anschließend konsequent die Tiefe. Portugal kam insgesamt auf 19 Abschlüsse, zehn davon auf das Tor, und erspielte sich sechs Großchancen. Das xG-Verhältnis von 2,74:0,67 spricht ebenfalls deutlich für die Gäste.
Dänemark blieb dennoch im Spiel. Rasmus Højlund glich in der 53. Minute zum 2:2 aus und sorgte anschließend mit Ronaldos berühmtem „Siuuu“-Jubel für zusätzliche Brisanz.
Portugal reagierte allerdings erneut. Vitinha köpfte nach einer Flanke von Bruno Fernandes zum 3:2 ein und erzielte dabei sein erstes Länderspieltor. Kurz vor Schluss erhöhte der eingewechselte João Félix nach Vorarbeit von Diogo Dalot auf 4:2.
Symbolträchtig war auch, dass Rafael Leão nach Ronaldos Abreise dessen Nummer sieben trug. Portugals Nationaltrainer wollte die Personalie nach dem Spiel dennoch nicht weiter vertiefen. Jorge Jesus kündigte an, die Hintergründe erst nach dem abschließenden Spiel dieser Länderspielphase gegen Norwegen ausführlich zu erklären. Gleichzeitig machte er deutlich, dass kein einzelner Spieler seine sportlichen Vorstellungen verändern werde.
Für Portugal war der Abend damit zumindest auf dem Platz die bestmögliche Antwort auf die Turbulenzen. Mit neun Punkten liegt der Titelverteidiger bereits sechs Zähler vor Dänemark, Norwegen und Wales.
Griechenland verspielt 2:0-Vorsprung gegen die Niederlande
In Gruppe A2 steuerte Griechenland lange auf den nächsten Coup zu. Nach den Siegen gegen Serbien und Deutschland ging die Mannschaft von Ivan Jovanović auch gegen die Niederlande mit einer 2:0-Führung in die Pause.
Dabei mussten die Griechen früh den verletzten Christos Tzolis ersetzen. Sein Ersatz Giorgos Masouras war jedoch unmittelbar entscheidend beteiligt: In der 23. Minute verlängerte er den Ball auf Fotis Ioannidis, der zur Führung traf. Kurz vor der Pause revanchierte sich Ioannidis und legte nach einem niederländischen Fehler das 2:0 für Masouras auf.
Griechenlands erste Hälfte war ein Musterbeispiel für effizienten Umschaltfußball. Bei lediglich 34 Prozent Ballbesitz kamen die Gastgeber auf sieben Abschlüsse und rund 0,93 xG. Die Niederlande hatten zwar deutlich mehr vom Ball, fanden gegen den kompakten griechischen Block aber kaum klare Abschlusspositionen.
Nach der Pause änderte sich das Spiel komplett. Griechenland zog sich immer weiter zurück, während Oranje den Druck erhöhte. Die Niederländer hatten nach dem Seitenwechsel 76 Prozent Ballbesitz und kamen auf 14:1 Abschlüsse. Von Griechenlands insgesamt rund 0,95 xG entstanden praktisch sämtliche gefährlichen Szenen bereits in der ersten Halbzeit.
Virgil van Dijk brachte die Gäste in der 59. Minute per Kopf zurück. Zweimal jubelte anschließend Denzel Dumfries über den vermeintlichen Ausgleich, beide Treffer wurden jedoch wegen Abseits aberkannt.
In der 89. Minute fiel das 2:2 schließlich doch noch. Nach einer abgeblockten Aktion landete der Ball bei Tijjani Reijnders, der aus kurzer Distanz vollendete. Griechenland bleibt mit sieben Punkten Tabellenführer, die Niederlande folgen mit fünf Zählern vor Deutschland mit vier Punkten.
Deutschland mit Befreiungsschlag, Österreich holt 0:2 auf
Deutschland feierte beim 2:0 gegen Serbien seinen ersten Sieg unter Jürgen Klopp. Tom Bischof und Florian Wirtz trafen für eine Mannschaft, die mit 32:1 Abschlüssen und dominantem Gegenpressing klar überlegen war. Die ausführliche Analyse zum deutschen Befreiungsschlag gibt es bei uns separat.
Österreich musste in Dublin hingegen einen Rückschlag hinnehmen. Troy Parrott brachte Irland mit einem Doppelpack 2:0 in Führung, ehe die ÖFB-Elf nach der Pause reagierte. Alexander Prass verkürzte in der 71. Minute, sechs Minuten später traf Michael Gregoritsch per direktem Freistoß zum 2:2. Auch dieses Spiel haben wir ausführlich analysiert.
Wales verschärft Norwegens Probleme
Im zweiten Spiel der Portugal-Gruppe gewann Wales mit 2:1 gegen Norwegen. Oscar Bobb brachte die Gäste zunächst in Führung, Daniel James glich noch vor der Pause aus. Unmittelbar nach Wiederbeginn sah Torbjørn Heggem Rot, den daraus resultierenden Freistoß verwertete Neco Williams zum Siegtreffer. Erling Haaland blieb ungewöhnlich unauffällig. Norwegen hat nach dem Auftaktsieg gegen Dänemark mittlerweile zweimal in Folge verloren.
In Liga B endete das zweite Spiel der österreichischen Gruppe zwischen Israel und dem Kosovo torlos. Auch in Liga D gab es keinen Sieger: Aserbaidschan und Liechtenstein trennten sich 0:0, Malta und Gibraltar spielten 1:1.
Hochkarätiges Nations-League-Wochenende
Der Spieltag wird am Wochenende mit mehreren Topduellen fortgesetzt. Bereits am Freitag empfängt Frankreich Italien, während Belgien auf die Türkei trifft. Am Samstag ist England in Kroatien zu Gast, Spanien bekommt es zu Hause mit Tschechien zu tun.
Am Sonntag sind dann wieder die beiden Gruppen im Einsatz, die bereits am Donnerstag gespielt haben. Deutschland reist zur Revanche nach Griechenland, während die Niederlande Serbien empfangen. Portugal trifft im Estádio do Dragão erneut auf Norwegen – anschließend will Jorge Jesus auch ausführlicher über die Hintergründe von Ronaldos Abreise sprechen. Österreich gastiert am selben Abend im Kosovo und will weiterhin ungeschlagen bleiben.