Für den vom Liverpool FC ausgeliehenen Innenverteidiger war es ein turbulenter Abend, der mit einem schweren Fehler begann und mit einem persönlichen Erfolgserlebnis endete. Die 19.840 Zuschauer im Estadi Ciutat de València erlebten eine dramatische Schlussphase mit drei Toren in der Nachspielzeit.
Ndukwe-Fehler bringt Sevilla früh in Führung
Nach zwei Kurzeinsätzen gegen den FC Barcelona und Villarreal durfte Ndukwe erstmals von Beginn an auflaufen. Trainer Luís Castro vertraute dem Wiener im Abwehrzentrum neben Adrián de la Fuente, doch schon nach 13 Minuten geriet der Nachwuchsspieler in den Mittelpunkt.
Ein viel zu kurz geratener Rückpass auf Torhüter Mathew Ryan wurde von Robbie Ure abgefangen. Der schottische Angreifer umspielte den australischen Schlussmann und schob zur Führung für Sevilla ein.
Die Gäste waren in der ersten Halbzeit die klar bessere Mannschaft. Besonders Youssouf Fofana bereitete der Defensive Levantes mit seinen dynamischen Vorstößen Probleme. Sevilla überzeugte durch zielstrebige Angriffe und hätte seinen Vorsprung bereits vor der Pause ausbauen können.
Nach dem Seitenwechsel traf Miguel Sierra zunächst die Latte, ehe Félix Correia in der 54. Minute nach einer Vorlage von Ure auf 2:0 erhöhte. Der Treffer wurde zunächst wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung aberkannt, nach einer VAR-Überprüfung jedoch anerkannt.
Levante fand jedoch umgehend eine Antwort. Iván Romero verkürzte drei Minuten später nach einem Zuspiel von Roger Brugué auf 1:2. Die Gastgeber wurden nun mutiger, während Sevilla zunehmend darum bemüht war, den knappen Vorsprung zu verteidigen.
Drei Tore in einer völlig verrückten Nachspielzeit
Die eigentliche Dramatik begann erst nach Ablauf der regulären Spielzeit. In der 92. Minute gelang Adrián de la Fuente mit einem sehenswerten Volley von der Strafraumgrenze der Ausgleich zum 2:2.
Doch Sevilla schlug zurück. Isaac Romero brachte die Andalusier in der 95. Minute mit einem wuchtigen Distanzschuss erneut in Führung. Beim anschließenden Jubel provozierte der Angreifer die Heimfans und wurde wegen seiner bereits zuvor erhaltenen Gelben Karte mit Gelb-Rot vom Platz gestellt.
In Überzahl mobilisierte Levante die letzten Kräfte. Auch Ndukwe rückte weit nach vorne und sorgte in der zehnten Minute der Nachspielzeit für den späten Ausgleich. Nach einem weiteren Abschluss von De la Fuente konnte Sevilla-Torhüter Odysseas Vlachodimos zunächst zweimal abwehren. Den zweiten Abpraller verwertete der aufgerückte Österreicher aus kurzer Distanz zum 3:3.
Damit machte Ndukwe seinen schweren Fehler aus der Anfangsphase zumindest teilweise wieder gut und sicherte seiner Mannschaft einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf.
90 Prozent Passquote, durchwachsene Zweikampfbilanz
Unterm Strich lieferte Ndukwe eine Partie mit Licht und Schatten. Neben seinem folgenschweren Fehlpass zeigte der 1,98 Meter große Innenverteidiger aber auch einige gelungene Defensivaktionen. Insgesamt brachte er es auf 94 Ballkontakte und war damit einer der am häufigsten eingebundenen Spieler seiner Mannschaft.
Vor allem im Spielaufbau überzeugte der Österreicher abseits seines Patzers: 73 seiner 81 Pässe fanden einen Mitspieler, was einer Quote von 90 Prozent entspricht. Dazu spielte er starke acht Pässe ins Angriffsdrittel. In den direkten Duellen präsentierte er sich dagegen weniger überzeugend. Am Boden gewann er zwei von vier Zweikämpfen, in der Luft trotz seiner Körpergröße nur vier von acht.
Die Statistiken spiegeln eine insgesamt ausgeglichene Partie wider. Levante gab mit 20:18 etwas mehr Schüsse ab, bei den Expected Goals lag Sevilla mit 2,53 zu 1,95 knapp vorne.
Von der Wiener Austria über die U17-WM nach Liverpool
Ndukwes Karriere hat in den vergangenen zwölf Monaten erheblich an Fahrt aufgenommen. Der gebürtige Wiener durchlief seit seinem siebenten Lebensjahr die Nachwuchsmannschaften der Wiener Austria und etablierte sich schließlich bei den Young Violets in der 2. Liga.
International machte er besonders bei der U17-Weltmeisterschaft 2025 in Katar auf sich aufmerksam. Als wichtiger Bestandteil der österreichischen Defensive trug er wesentlich zum überraschenden Finaleinzug des ÖFB-Nachwuchses bei. Erst im Endspiel gegen Portugal musste sich Österreich geschlagen geben.
Seine Leistungen weckten das Interesse zahlreicher internationaler Klubs. Im Jänner 2026 sicherte sich schließlich der Liverpool FC eine Kaufoption auf den Innenverteidiger, der im Sommer nach England wechselte. Zuvor hatte Ndukwe im Mai auch sein Bundesligadebüt für die Austria im Derby gegen Rapid gefeiert.
Bei Liverpool ergab sich allerdings ein administratives Hindernis. Dem Österreicher fehlten die notwendigen Punkte für eine britische Arbeitserlaubnis, weshalb er vorerst nicht für die Reds spielberechtigt war. Ende August wurde deshalb eine einjährige Leihe zu Levante vereinbart, wo er Spielpraxis auf höchstem Niveau sammeln soll.
Levante mit holprigem Saisonstart
Durch das Remis gegen Sevilla hält Levante nach sieben absolvierten Spielen bei sechs Punkten und liegt auf dem 17. Tabellenplatz. Noch ist die Saison jung, der Start verlief aber holprig. Levante muss in den kommenden Wochen konstanter punkten, um sich früh etwas Luft zu verschaffen.
Für Ndukwe geht es in Valencia vor allem um Einsatzminuten. Jedes Spiel in einer Topliga wie La Liga bringt ihn auch der britischen Arbeitserlaubnis näher, an der ein Einsatz für Liverpool im Sommer noch gescheitert war. Mit seinem ersten Startelfeinsatz und dem späten Ausgleich hat er sich bei Castro jedenfalls für weitere Einsätze empfohlen, gerade weil er nach seinem frühen Fehler nicht abtauchte, sondern bis zur letzten Minute nach vorne ging.