Durch den Sieg zieht Atlético in der Tabelle am Stadtrivalen vorbei und steht nun mit 16 Punkten auf Rang zwei. Real hält bei 15 Zählern und liegt bereits sechs Punkte hinter dem weiterhin makellosen Tabellenführer FC Barcelona.
Beide Trainer setzen auf prominente Offensivreihen
Diego Simeone begann in einem 3-4-2-1 mit Cristian Romero, Marc Pubill und Dávid Hancko in der Dreierkette. Giuliano Simeone und Grimaldo besetzten die Außenbahnen, Álex Baena und Kang-in Lee spielten hinter Jonathan David. Julián Álvarez, Ademola Lookman und Koke saßen zunächst auf der Bank, während Pablo Barrios und Alexander Sørloth verletzungsbedingt fehlten.
José Mourinho bot bei Real nahezu seine gesamte verfügbare Offensivprominenz auf. Jude Bellingham spielte hinter Kylian Mbappé, Vinícius Júnior und Arda Güler komplettierten die offensive Reihe. Federico Valverde und Aurélien Tchouaméni sicherten dahinter ab. Éder Militão, Ferland Mendy und Rodrygo standen verletzungsbedingt nicht zur Verfügung.
Viele Fouls, wenig Spielfluss vor der Pause
Von Beginn an entwickelte sich weniger ein spielerisch hochklassiges als ein intensives Derby. Beide Mannschaften gingen aggressiv in die Zweikämpfe, unterbrachen gegnerische Umschaltmomente früh und ließen kaum längere Kombinationen zu.
Atlético allein beging in der ersten Hälfte zehn Fouls – so viele wie seit 2018 in keiner ersten Derby-Halbzeit gegen Real mehr. Dementsprechend schwer fanden beide Teams einen Rhythmus. Real hatte etwas mehr Geschwindigkeit in einzelnen Dribblings, konnte Mbappé und Vinícius aber kaum in gefährlichen Räumen einsetzen. Atlético verteidigte die zentralen Zonen eng und zwang den Stadtrivalen häufig nach außen.
Für Diskussionen sorgte eine Szene um Cristian Romero und Bellingham. Nach einem harten Einsteigen des Atlético-Verteidigers schaltete sich der VAR ein. Eine zunächst gegen Bellingham ausgesprochene Gelbe Karte wurde zurückgenommen, Romero sah Gelb. Real reklamierte in der Szene einen Platzverweis. Kurz vor der Pause blieb anschließend auch ein hartes Einsteigen von Kang-in Lee gegen Valverde ohne Karte.
Sportlich blieb die erste Hälfte arm an Höhepunkten. Atlético brachte keinen einzigen Abschluss auf das Tor, insgesamt lag die Chancenqualität beider Mannschaften mit 0,19 zu 0,13 xG ausgesprochen niedrig.
VAR schickt Huijsen vom Platz – Grimaldo trifft
Simeone reagierte zur Pause und brachte Koke für den bereits verwarnten Pubill. Der Routinier verlieh Atléticos Mittelfeld sofort mehr Ruhe im Ballbesitz, während Llorente flexibler auf die rechte Seite ausweichen konnte.
Die entscheidende Szene folgte kurz danach. Hancko spielte den Ball hinter die Real-Abwehr auf Giuliano Simeone, der in Richtung Tor zog und von Huijsen im Strafraum zurückgehalten wurde. Schiedsrichter Miguel Ángel Ortiz Arias entschied auf Elfmeter und zeigte dem Innenverteidiger zunächst Gelb.
Nach Ansicht der Bilder am Monitor änderte er seine Entscheidung jedoch und verwies Huijsen als letzten Verteidiger vom Platz. Grimaldo übernahm den Elfmeter und brachte Atlético in der 53. Minute mit 1:0 in Führung.
Mourinho reagierte sofort drastisch. Rüdiger kam für Güler, um die Viererkette wiederherzustellen, gleichzeitig ersetzte Yan Diomande bereits in der 54. Minute Vinícius. Der Brasilianer hatte bis dahin kaum Einfluss genommen und nur drei seiner sieben direkten Duelle gewonnen.
Giuliano bereitet Jonathan Davids 2:0 vor
Real hatte sich nach dem Platzverweis kaum neu sortiert, als Atlético bereits nachlegte. Giuliano bekam rechts Raum, setzte sich durch und brachte den Ball in die Mitte. Jonathan David stand richtig und verwertete die Hereingabe in der 59. Minute zum 2:0.
Gerade Giuliano entwickelte sich zum entscheidenden Spieler der zweiten Hälfte. Er provozierte den Elfmeter samt Platzverweis und bereitete anschließend den zweiten Treffer vor. Seine Dynamik auf der rechten Seite stellte Marc Cucurella immer wieder vor Probleme.
David bestätigte ebenfalls seine starke Form. Für den Kanadier war es bereits im dritten LaLiga-Einsatz in Folge ein Treffer. Kurz darauf machte er für Julián Álvarez Platz.
Atlético hatte nun vollständige Kontrolle. Über die gesamte Partie kamen die Gastgeber auf 61 Prozent Ballbesitz, 18:8 Abschlüsse und 38:14 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum. Courtois verhinderte mit mehreren starken Paraden, dass die Partie frühzeitig endgültig entschieden war. Unter anderem parierte er stark gegen Romero, ehe Konaté wenig später einen Versuch von Álvarez auf der Linie klärte.
Reals Offensive bleibt lange wirkungslos
Mourinhos Mannschaft fand in Unterzahl kaum noch Möglichkeiten, Atlético dauerhaft zurückzudrängen. Mbappé blieb mit nur einem Abschluss, der das Tor verfehlte, nahezu komplett aus dem Spiel. Auch Bellingham konnte trotz einiger guter Zuspiele keine nachhaltige Dynamik erzeugen.
Die xG-Werte von 2,38 zu lediglich 0,32 zugunsten Atléticos zeigen deutlich, wie gering Reals offensive Gefahr insgesamt war. Für die Königlichen war es sogar der niedrigste xG-Wert in einem LaLiga-Spiel seit Februar 2015 – damals ebenfalls gegen Atlético.
Dass Real trotzdem bis zum Ende im Spiel blieb, lag vor allem an Courtois. Der Belgier parierte fünf Abschlüsse und verhinderte statistisch deutlich mehr als ein zusätzliches Gegentor. Der Torhüter war damit trotz der Niederlage einer der auffälligsten Akteure auf dem Platz.
Rüdiger sorgt noch einmal für Spannung
Mourinho brachte in der 82. Minute Bernardo Silva für Bellingham – und dieser Wechsel brachte zumindest noch einmal Hoffnung. In der 89. Minute flankte Bernardo einen Freistoß in den Strafraum, wo Rüdiger am höchsten stieg und zum 2:1 einköpfte.
Real warf in der sechsminütigen Nachspielzeit noch einmal alles nach vorne, wirklich zwingend wurde es jedoch nicht mehr. Atlético hätte auf der Gegenseite bei mehreren Kontern sogar den dritten Treffer erzielen können, spielte diese Situationen aber nicht konsequent genug aus.
Atlético rückt vor Real – Mourinho unter Druck
Für Atlético ist der Derbysieg auch aufgrund der Art und Weise ein wichtiges Signal. Simeones Mannschaft hielt die Partie bereits bei elf gegen elf ausgeglichen und nutzte den Platzverweis anschließend konsequent. Mit 16 Punkten springen die Rojiblancos auf Rang zwei und liegen fünf Zähler hinter Barcelona.
Real fällt dagegen mit 15 Punkten hinter den Stadtrivalen zurück. Neben Huijsens Platzverweis dürfte Mourinho vor allem beschäftigen, wie wenig Gefahr seine prominent besetzte Offensive entwickelte. Gerade Mbappé und Vinícius konnten Atlético kaum vor Probleme stellen.
Nach der Länderspielpause gastiert Atlético am 10. Oktober bei Alavés und empfängt drei Tage später Manchester United in der Champions League. Real spielt am 10. Oktober zuhause gegen Villarreal, ehe am 14. Oktober das Champions-League-Auswärtsspiel bei der AS Roma wartet.