Binnen eineinhalb Jahren führte der Weg des ivorischen Flügelspielers damit von einem weitgehend unbekannten Talent über Leganés und die Bundesliga bis zu einem der teuersten Transfers der Fußballgeschichte.
Alleine die Entwicklung seines Marktwerts ist außergewöhnlich. Leipzig verpflichtete Diomande erst im Sommer 2025 für rund 20 Millionen Euro von CD Leganés. Nun erhält der Bundesligist mindestens 125 Millionen Euro. Nach Angaben der spanischen Zeitung „AS“ können weitere 15 Millionen Euro an Bonuszahlungen hinzukommen, womit das Gesamtpaket auf 140 Millionen Euro anwachsen könnte. Der „Guardian“ berichtet ebenfalls von 125 Millionen Euro fix, nennt allerdings zehn Millionen an möglichen Boni. Da die Klubs die finanziellen Details nicht offiziell veröffentlichten, gilt vor allem die fixe Ablöse von 125 Millionen Euro als weitgehend gesichert.
Vom unbekannten Talent zum Bundesliga-Star
Diomandes Karriere verlief alles andere als gewöhnlich. Der 2006 in Abidjan geborene Offensivspieler verbrachte einen Teil seiner fußballerischen Ausbildung in den USA und spielte zwischen 2022 und 2024 an der DME Academy in Florida. Im Jänner 2025 landete er schließlich bei Leganés.
Dort benötigte er nur wenige Monate, um auf sich aufmerksam zu machen. Sein LaLiga-Debüt feierte er ausgerechnet im Santiago Bernabéu gegen Real Madrid. Am Ende seiner ersten Profisaison standen zehn Ligaeinsätze, sechs davon von Beginn an, sowie zwei Tore und zwei Assists. Leganés hatte seinen damals noch völlig unerprobten Neuzugang mit einer Ausstiegsklausel über 20 Millionen Euro ausgestattet – Leipzig bezahlte diese Summe vollständig, wohlwissend welch riesiges Potential in Diomande schlummert.
Was danach passierte, konnte aber Leipzig selbst kaum so erwarten. Diomande entwickelte sich innerhalb weniger Monate von einem Perspektivspieler zu einem der auffälligsten Flügelspieler der Bundesliga. In 36 Pflichtspielen für RB kam er auf 13 Tore und zehn Assists. In der Bundesliga alleine waren es zwölf Treffer und acht Vorlagen in 33 Partien. Am Ende der Saison wurde er zum „Rookie der Saison“ gewählt.
Dribbelwerte auf absolutem Topniveau
Dabei erzählen Tore und Assists nur einen Teil der Geschichte. Diomandes herausragende Qualität ist das Dribbling. Kein Leipzig-Spieler kam in der vergangenen Bundesliga-Saison auch nur annähernd an seine Werte heran.
„FotMob“ weist für den Ivorer 4,3 erfolgreiche Dribblings pro 90 Minuten bei einer Erfolgsquote von 59,9 Prozent aus. Das entspricht etwas mehr als sieben Dribblingversuchen pro 90 Minuten. Insgesamt gelangen ihm 118 erfolgreiche Dribblings – 50 mehr als jedem anderen Bundesliga-Spieler.
Das ist gerade angesichts des hohen Volumens bemerkenswert. Diomande sucht nicht nur gelegentlich das Eins-gegen-Eins, sondern baut sein Spiel darauf auf und gewinnt trotzdem deutlich mehr als die Hälfte dieser Duelle. Dazu kommt bereits eine erstaunliche Effizienz vor dem Tor. Seine zwölf Bundesligatreffer erzielte er bei nur 53 Abschlüssen, 26 davon gingen aufs Tor. Seine 0,73 Torbeteiligungen pro 90 Minuten sind für einen 19-jährigen Flügelspieler in seiner ersten kompletten Bundesligasaison ebenfalls außergewöhnlich.
Sein Output lag zudem deutlich über den Expected Goals. Statistische Modelle kamen für seine Bundesligasaison auf knapp sieben xG, tatsächlich erzielte Diomande zwölf Tore. Eine solche Überperformance muss sich über mehrere Jahre erst bestätigen, sie verdeutlicht aber seine bereits vorhandene Abschlussqualität.
Liverpool, PSG und Manchester City wollten Diomande
Diese Zahlen lösten früh einen Wettlauf der europäischen Spitzenklubs aus. Besonders intensiv beschäftigte sich Liverpool mit Diomande. Nach dem Abgang von Mohamed Salah sahen die „Reds“ in ihm eine mögliche langfristige Lösung für die rechte Seite. Ein Angebot über rund 100 Millionen Euro wurde abgelehnt, später soll Liverpool sogar bis zu 116 Millionen Euro, also 100 Millionen Pfund, geboten haben.
Auch das Interesse von Paris Saint-Germain war lange sehr konkret und galt zwischenzeitlich sogar als wahrscheinlichste Option. Diomande hatte sich mit PSG bereits grundsätzlich über einen Transfer verständigt. Manchester City hinterlegte ebenfalls Interesse und signalisierte laut „Sky“ ein Paket um 100 Millionen Euro. Arsenal gehörte ebenfalls zu den Klubs, die sich mit dem Flügelspieler beschäftigten.
Dann schaltete sich Real Madrid ein. Ein erstes Angebot über 90 Millionen Euro plus zehn Millionen an Boni lehnte Leipzig noch ab. Die Spanier erhöhten schrittweise und konnten gleichzeitig den Spieler für ihr Projekt gewinnen.
Dabei spielte auch José Mourinho eine wichtige Rolle. Diomandes Berater Nathan Campbell bezeichnete den neuen Real-Trainer gegenüber „The Athletic“ sogar als entscheidenden Faktor. Mourinho sprach persönlich mit Diomande auf Französisch und erklärte ihm, welche Rolle er für den schnellen und dribbelstarken Flügelspieler vorgesehen hat. Auch Chefscout Juni Calafat soll maßgeblich daran beteiligt gewesen sein, den Transfer binnen kurzer Zeit in Richtung Madrid zu drehen.
PSG zog sich schließlich öffentlich aus den Verhandlungen zurück und bezeichnete sowohl die geforderte Ablöse als auch die Gehaltsforderungen als „völlig übertrieben“. Real war hingegen bereit, das finanzielle Gesamtpaket zu stemmen.
Teuerster Real-Transfer der Geschichte
Schon die fixe Ablöse macht den Deal historisch. Mit 125 Millionen Euro ist Diomande nach den derzeitigen Angaben der teuerste Einkauf der Real-Geschichte gemessen am garantierten Sockelbetrag.
Jude Bellingham kostete Borussia Dortmund 2023 zunächst 103 Millionen Euro, Gareth Bale wechselte 2013 für rund 101 Millionen von Tottenham und Eden Hazard 2019 für etwa 100 Millionen vom Chelsea FC nach Madrid. Bei Bellingham kann die Gesamtsumme durch Bonuszahlungen allerdings auf ungefähr 134 Millionen Euro steigen. Diomande könnte mit seinen eigenen Boni nun sogar die Marke von 140 Millionen erreichen.
Gleichzeitig ist er der teuerste afrikanische Fußballer der Geschichte und der mit Abstand teuerste Verkauf von RB Leipzig. Leganés profitiert ebenfalls: Der Klub hat Anspruch auf mindestens fünf Prozent der beim Weiterverkauf erzielten Summe beziehungsweise des vereinbarten Mehrerlöses und dürfte dadurch noch einmal rund sechs bis sieben Millionen Euro kassieren.
Für Real Madrid ist die enorme Summe vor allem eine Investition in die Zukunft. Diomande ist erst 19, besitzt aber schon jetzt einiges an Erfahrung, Sicherheit im Abschluss und vor allem außergewöhnliche Eins-gegen-Eins-Qualitäten auf höchstem Niveau. Innerhalb von etwas mehr als einem Jahr stieg er von zehn LaLiga-Partien für Leganés zu einem 125-Millionen-Euro-Spieler auf. Nun muss er beweisen, dass dieser rasante Aufstieg auch im weißen Trikot weitergeht. Ein Unterfangen, das schon aufgrund der größeren Konkurrenz im Team kein einfaches wird.