Sevilla zeigte vor allem vor der Pause, wie Barcelona verwundbar gemacht werden kann. Die Andalusier pressten aggressiv, verteidigten kompakt und schalteten nach Ballgewinnen schnell um. Nach dem Seitenwechsel bekam Barça das Spiel allerdings zunehmend unter Kontrolle und nutzte die nachlassende Intensität der Gastgeber konsequent aus.
Flick setzt auf eine starke Startelf – Livakovic debütiert
Flick verzichtete trotz der hohen Belastung auf eine größere Rotation. Dominik Livakovic feierte aufgrund der Knieprobleme von Joan García sein Startelfdebüt im Barcelona-Tor. Vor ihm bildeten Eric García, Andreas Christensen, Pau Cubarsí und João Cancelo die Viererkette. Rodri und Pedri besetzten das Zentrum, während Fermín López hinter Raphinha spielte. Lamine Yamal und Anthony Gordon kamen über die Flügel.
Sevilla begann mit Odysseas Vlachodimos im Tor sowie einer Viererkette um Arouna Sangante und Gabriel Suazo. Im Zentrum sollten Lucien Agoumé, Youssouf Fofana und Giorgi Kochorashvili Barcelonas Kombinationsspiel stören. Félix Correia und Miguel Sierra unterstützten Robbie Ure in der Offensive.
Der Plan der Gastgeber funktionierte zunächst hervorragend. Sevilla stellte die Räume im Zentrum eng zu, attackierte Barcelonas Ballführende früh und zwang die Gäste immer wieder zu Pässen in Bereiche, in denen sofort Druck entstand.
Fofana belohnt Sevillas starke Anfangsphase
Besonders über die Flügel wurde Sevilla gefährlich. Correia bereitete Eric García auf der linken Seite wiederholt Probleme und nutzte die Räume hinter Barcelonas hoch stehender Abwehr.
In der 18. Minute führte genau dieser Weg zum 1:0. Correia setzte sich auf links durch und brachte den Ball präzise in die Mitte. Fofana rückte aus dem Mittelfeld konsequent nach und köpfte an Livakovic vorbei zur Führung.
Der Treffer war keineswegs ein Zufallsprodukt. Sevilla gewann viele direkte Duelle und schaffte es immer wieder, nach Ballgewinnen mit wenigen Kontakten nach vorne zu spielen. Barcelona hatte zwar deutlich mehr Ballbesitz, fand gegen die kompakte Staffelung aber kaum Räume für die normalerweise so flüssigen Kombinationen.
Lamine hatte zuvor zwar bereits Vlachodimos zu einer starken Parade gezwungen, konnte dem Spiel ansonsten aber noch nicht seinen gewohnten Stempel aufdrücken. Suazo verteidigte aufmerksam gegen den 19-Jährigen und Sevilla schaffte es meist, zusätzliche Unterstützung auf dessen Seite zu bringen.
Raphinha antwortet nur wenige Minuten später
Barcelona brauchte allerdings nur vier Minuten, um den Rückstand auszugleichen. Christensen spielte einen scharfen vertikalen Pass durch das Zentrum auf Raphinha. Der Brasilianer nahm den Ball hervorragend mit, verschaffte sich mit einer schnellen Bewegung Platz und schob mit rechts zum 1:1 ein.
Es war eine der wenigen Situationen vor der Pause, in denen Barcelona Sevillas Pressing mit einem direkten Pass vollständig überspielen konnte. Raphinhas Bewegung zwischen den Linien und seine saubere erste Ballberührung machten aus einer eigentlich engen Situation sofort eine Torchance.
Am grundsätzlichen Spielbild änderte der Ausgleich zunächst wenig. Sevilla blieb mutig und hätte sogar erneut in Führung gehen können. Nach einem sehenswerten Pass mit der Ferse von Fofana kam Correia gefährlich in Richtung Tor, doch Rodri stoppte den Angriff mit einer wichtigen Rettungsaktion.
Barça ging deshalb durchaus froh mit einem Remis in die Pause. Die Gastgeber hatten Flicks Mannschaft mit ihrer Intensität und ihrem schnellen Umschalten deutlich mehr Probleme bereitet als die meisten Gegner in dieser Saison.
Lamine und Raphinha drehen das Spiel nach der Pause
Nach Wiederbeginn zeigte sich jedoch schnell ein anderes Bild. Barcelona spielte ruhiger, positionierte sich sauberer und ließ den Ball schneller durch das Zentrum laufen. Besonders Rodri sorgte dafür, dass die Gäste nach Ballverlusten weniger hektisch wurden und Sevillas Kontermöglichkeiten früher unterbanden.
Nur sieben Minuten nach Wiederbeginn fiel das 1:2. Nach einer unübersichtlichen Situation im Strafraum kam Lamine an den Ball, zog nach außen und lupfte seine Hereingabe gefühlvoll ins Zentrum. Raphinha löste sich von seinem Gegenspieler und köpfte zur Führung ein.
Für Lamine war die Szene gleichzeitig der Wendepunkt seines persönlichen Spiels. Nachdem er vor der Pause häufiger in Einzelaktionen hängen geblieben war, traf er nun bessere Entscheidungen und nutzte die Aufmerksamkeit der Sevilla-Abwehr zunehmend dazu, Räume für seine Mitspieler zu schaffen.
Barcelona übernahm endgültig die Kontrolle. Über die gesamte Partie kamen die Gäste auf rund 69 Prozent Ballbesitz und 24 Abschlüsse. Noch deutlicher war die Entwicklung nach der Pause: Sevilla konnte kaum noch längere Angriffe aufbauen, während Barça immer häufiger in den gegnerischen Strafraum gelangte.
Christensen muss verletzt vom Platz
Ein Rückschlag folgte dennoch. Christensen blieb nach einem Zweikampf mit Robbie Ure am Boden liegen und signalisierte kurz darauf, dass es nicht weiterging. Der Däne fasste sich an den linken Oberschenkel und wurde durch Gerard Martín ersetzt.
Auf der Bank war Christensen anschließend sichtlich niedergeschlagen. Eine genaue Diagnose stand unmittelbar nach dem Spiel noch aus. Nach seinem Kreuzbandriss in der vergangenen Saison wäre ein längerer Ausfall für den 30-Jährigen besonders bitter.
Auch für Flick wäre die nächste Verletzung in der Defensive problematisch. Barcelona ist in diesem Mannschaftsteil ohnehin nicht übermäßig breit aufgestellt, während Christensen in Sevilla bis zu seiner Auswechslung eine gute Partie gezeigt und unter anderem den ersten Treffer mit seinem vertikalen Zuspiel eingeleitet hatte.
Raphinha macht den zweiten Dreierpack in Folge perfekt
In der 69. Minute fiel schließlich die Entscheidung. Barcelona gewann den Ball und schaltete schnell um. Lamine trieb die Aktion mit Tempo nach vorne und wartete genau auf den richtigen Moment, ehe er Raphinha zwischen den Sevilla-Verteidigern bediente.
Der Brasilianer lief frei auf Vlachodimos zu und hob den Ball über den Torhüter zum 3:1. Damit hatte Raphinha seinen Dreierpack komplettiert: ein Treffer mit rechts, einer per Kopf und einer mit links.
Seine Effizienz war außergewöhnlich. Raphinha benötigte lediglich vier Abschlüsse für seine drei Tore und schoss nach seinem Dreierpack gegen Racing Santander zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage drei Tore in einem Spiel.
Lamine lieferte nach der Pause ebenfalls einen entscheidenden Beitrag. Er bereitete sowohl das 2:1 als auch das 3:1 vor und kreierte insgesamt sechs Chancen. Sobald Barcelona mehr Kontrolle über das Zentrum gewann, konnte auch der Flügelspieler seine Qualitäten wesentlich besser einbringen.
Barças Offensive bleibt kaum zu stoppen
Die xG-Werte von rund 3,2 zu 0,45 verdeutlichen, wie stark sich das Kräfteverhältnis im Verlauf der Partie verschob. Gerade nach der Pause erspielte sich Sevilla praktisch keine hochwertige Möglichkeit mehr, während Barcelona mehrfach die Chance auf weitere Treffer hatte. Raphinha traf bei einem Eckball noch die Stange, später ließ auch der eingewechselte Karim Adeyemi eine gute Möglichkeit liegen.
Flick kann damit vor allem mit der Reaktion seiner Mannschaft zufrieden sein. Sevilla hatte Barcelona vor der Pause mit aggressivem Pressing, hoher Intensität und schnellen Angriffen ernsthaft gefordert. Nach dem Seitenwechsel fand der Tabellenführer jedoch die passenden Lösungen und kontrollierte die Partie deutlich souveräner.
Raphinha stellt historischen Barça-Rekord auf
Raphinhas Saisonstart nimmt inzwischen historische Dimensionen an. Wettbewerbsübergreifend hält der Brasilianer nach acht Pflichtspielen bei 14 Toren. Nach sieben Partien hatte er bereits elf Treffer erzielt und damit Messis besten Start in eine Barça-Saison übertroffen. Nur Mariano Martín war 1943/44 zu diesem Zeitpunkt mit zwölf Toren noch erfolgreicher – nach dem Dreierpack in Sevilla liegt nun auch diese historische Vergleichsmarke hinter Raphinha.
Gleichzeitig bleiben die defensiven Warnzeichen bestehen. Bereits gegen Racing hatte Barça zwei vermeidbare Gegentreffer kassiert, in Sevilla entstanden vor der Pause erneut gefährliche Situationen nach Ballverlusten und hinter der hoch stehenden Abwehr. Sollte Christensen länger fehlen, wird die ohnehin nicht besonders breite Defensive zusätzlich geschwächt.
Offensiv befindet sich Barcelona dagegen in außergewöhnlicher Form. Neben Raphinhas Rekordserie lieferte Lamine in Sevilla zwei weitere Vorlagen. Sieben Siege aus sieben Ligaspielen und acht Erfolge in den ersten acht Pflichtspielen unterstreichen, wie schwer Flicks Mannschaft momentan über 90 Minuten zu kontrollieren ist.