Allerdings steckt auch Altach tief im Tabellenkeller. Die Vorarlberger liegen mit sechs Punkten unmittelbar hinter der Austria, die bei sieben Zählern hält. Im Schnabelholz treffen damit zwei Mannschaften aufeinander, die sich den bisherigen Saisonverlauf völlig anders vorgestellt hatten.
Helm bekommt drei Schicksalsspiele
Nach der jüngsten 2:3-Niederlage bei der SV Ried verschärfte sich die Trainerdiskussion bei der Austria erheblich. Laut Medienberichten fand anschließend eine mehrstündige Krisensitzung statt, bei der über die sportliche Situation und die Zukunft von Stephan Helm beraten wurde.
Wie der „Kicker“ berichtet, soll der 43-Jährige noch maximal drei Spiele Zeit bekommen, um die Trendwende zu schaffen. Nach dem Gastspiel in Altach folgen am Dienstag das Cup-Achtelfinale gegen Hartberg und am 1. November das Wiener Derby gegen Tabellenführer SK Rapid.
Hinter den Kulissen wird bereits über mögliche Nachfolger diskutiert. Als aussichtsreicher Kandidat gilt Maximilian Uhlig, der mit den Young Violets derzeit auf dem dritten Platz der 2. Liga steht. Der 33-Jährige kennt den Verein bestens und hat sich als Nachwuchstrainer einen guten Ruf erarbeitet.
Eine Rückkehr von Manfred Schmid ist hingegen vorerst ausgeschlossen. Der ehemalige Austria-Trainer wurde am Donnerstag als neuer Chefcoach des Wolfsberger AC präsentiert, nachdem dieser sich von Thomas Silberberger trennte.
Altach spielt besser, als die Tabelle vermuten lässt
Die Mannschaft von Ognjen Zarić hat ebenfalls große Schwierigkeiten, ihre Leistungen in Punkte umzumünzen. Nach neun Runden stehen lediglich zwei Siege und sieben Niederlagen zu Buche. Aus den vergangenen sieben Bundesliga-Partien holten die Vorarlberger nur drei Punkte.
Dabei präsentierte sich Altach spielerisch wiederholt besser, als es die Ergebnisse vermuten lassen. Die Mannschaft versucht, mit schnellen Kombinationen über die Außenbahnen und aggressivem Nachsetzen zu Chancen zu kommen. Besonders Ousmane Diawara sorgt mit seinem Tempo für Gefahr, während Patrick Greil mit zwei Treffern der bisher erfolgreichste Altacher Torschütze ist.
Das größte Problem ist die fehlende Konstanz. Beim jüngsten Heimspiel gegen den WAC überzeugte Altach mit einem 3:0-Erfolg, eine Woche später setzte es in Salzburg wieder eine deutliche 0:3-Niederlage.
Eine statistische Besonderheit verdeutlicht die Abhängigkeit von der Heimstärke: Sämtliche acht Saisontore und alle sechs Punkte holte Altach im eigenen Stadion. Auswärts gelang bislang noch kein Treffer.
Austria wartet seit 2022 auf einen Sieg in Altach
Auch die jüngere direkte Bilanz spricht gegen die Wiener. Ihren letzten Auswärtssieg gegen den SCR Altach feierten die Veilchen im Februar 2022. Seither gab es im Schnabelholz drei Niederlagen und zwei Unentschieden.
Das jüngste Aufeinandertreffen im Februar 2026 gewann Altach mit 2:1. Insgesamt standen sich die beiden Vereine bislang 51-mal in der Bundesliga gegenüber. Die Austria hat mit 24 Siegen gegenüber 17 Erfolgen der Vorarlberger zwar historisch die bessere Bilanz, konnte davon zuletzt auswärts aber kaum profitieren.
Die Auswärtsform liefert ebenfalls wenig Zuversicht. Nur vier Punkte holte die Austria aus ihren ersten fünf Gastspielen, sechs weniger als zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison. In den letzten drei Auswärtspartien blieb sie sieglos.
Immerhin beendete Johannes Eggestein beim 2:3 in Ried seine lange Torflaute. Der Angreifer erzielte beide Treffer und traf erstmals seit März wieder in der Bundesliga. Gegen Altach gelangen ihm in vier bisherigen Bundesligaduellen bereits drei Tore.
Austria muss auf Dragović verzichten
Personell muss Helm erneut improvisieren. Abwehrchef Aleksandar Dragović fehlt weiterhin mit muskulären Problemen. Auch Philipp Wiesinger steht noch nicht zur Verfügung. Dazu fallen weiterhin Manprit Sarkaria und Noah Botić aus, wobei Letzterer bereits schrittweise ins Mannschaftstraining zurückkehrt.
Bei Altach fehlt der gesperrte Mittelfeldspieler Mike Bähre. Ansonsten kann Zarić nach aktuellem Stand weitgehend aus dem Vollen schöpfen.
Helm forderte vor dem Spiel vor allem mehr Konsequenz in der Defensive. In Ried habe seine Mannschaft genügend Torchancen herausgespielt, allerdings im eigenen Drittel zu viele Fehler begangen. Gleichzeitig dürften seine Spieler trotz der schwierigen Situation nicht an Mut und Selbstvertrauen verlieren.
Der Austria-Trainer warnte ausdrücklich davor, Altach anhand der Tabellenposition zu unterschätzen. Die gezeigten Leistungen der Vorarlberger seien deutlich besser als ihre Punkteausbeute.
Kellerduell mit weitreichenden Folgen
Ein Heimsieg würde Altach an der Austria vorbeibringen und die Wiener weiter Richtung Tabellenende drücken. Für Helm könnte eine weitere Niederlage die ohnehin angespannte Situation endgültig zuspitzen.
Doch auch für Zarić ist die Partie richtungsweisend. Altach muss seine durchaus vorhandenen spielerischen Qualitäten endlich regelmäßiger in Punkte umsetzen, um den Anschluss an das Tabellenmittelfeld nicht frühzeitig zu verlieren.
Für die Austria stehen mit Altach, Hartberg und dem Wiener Derby drei Partien innerhalb von zehn Tagen an, die nicht nur über die kurzfristige sportliche Entwicklung entscheiden könnten. Spätestens nach dem Derby dürfte sich zeigen, ob Stephan Helm seine Arbeit bei den Violetten fortsetzen darf.