Liverpool überzeugte dabei nicht über die gesamte Spielzeit. Nach der frühen Führung wurden die Gäste zunehmend passiver und überließen Ipswich vor allem in der zweiten Hälfte mehr vom Spiel. Im Vergleich zu den ersten beiden Ligapartien war die defensive Absicherung nach Ballverlusten allerdings deutlich stabiler. Liverpool hielt erstmals in dieser Premier-League-Saison die Null.
Araújo statt Frimpong bringt mehr Balance
Iraola veränderte seine Startelf gegenüber dem 2:2 gegen Nottingham Forest nur auf einer Position. Ronald Araújo ersetzte Jeremie Frimpong rechts in der Viererkette und feierte seinen ersten Start für Liverpool. Während Frimpong seine Position sehr offensiv interpretiert, blieb Araújo häufiger in der Absicherung. Liverpool verlor dadurch auf rechts etwas Dynamik nach vorne, war nach Ballverlusten aber besser aufgestellt.
Auch bei hohen Bällen bringt der körperlich deutlich präsentere Uruguayer im Vergleich zu Frimpong zusätzliche Sicherheit. Gegen Ipswich gewann Araújo alle sechs seiner Luftduelle, insgesamt entschied er neun von zehn Zweikämpfen für sich. Damit unterstrich er bereits bei seinem ersten Start, welchen Mehrwert sein Profil der Liverpool-Defensive geben kann.
Auch andere Sommerzugänge prägten die Mannschaft bereits. Jérémy Jacquet begann erneut neben Virgil van Dijk in der Innenverteidigung, Víctor Muñoz startete auf dem Flügel. Der prominenteste Neuzugang kam nach 64 Minuten ins Spiel: Bradley Barcola feierte nach seinem mehr als 100 Millionen Euro teuren Wechsel von Paris Saint-Germain sein Liverpool-Debüt.
Der französische Nationalspieler soll mit Tempo, Dribblings und Tiefenläufen vor allem über links zusätzliche Möglichkeiten schaffen und die Konkurrenz auf den offensiven Außenpositionen erhöhen. Generell hat Liverpool den Kader stark auf Iraolas vertikalen und laufintensiven Fußball zugeschnitten. Einen klassischen neuen Sechser holten die Reds allerdings nicht; Wataru Endo wurde zuletzt zudem nicht für die Champions-League-Ligaphase nominiert.
Isak bestraft Ipswich mit frühem Doppelpack
Liverpool erwischte einen idealen Start. Bereits in der sechsten Minute leistete sich Ipswich im Spielaufbau einen folgenschweren Fehler. Die Reds schalteten schnell um, Cody Gakpo bediente Isak und der Schwede traf zum 0:1.
Nur drei Minuten später funktionierte dieselbe Kombination erneut. Ipswich stand hoch, während Gakpo im Mittelfeld viel Platz erhielt. Der Niederländer spielte mit dem Außenrist einen Pass durch die Mitte auf Isak, der an einem Gegenspieler vorbeizog. Torhüter Kjell Scherpen verließ sein Tor früh, wodurch Isak den Ball links an ihm vorbei zum 0:2 einschieben konnte.
Für den 26-Jährigen war es nach seinem Treffer gegen Nottingham Forest bereits das dritte Ligator der Saison. Nach einer von Verletzungen geprägten vergangenen Spielzeit scheint Isak körperlich wieder näher an seinem besten Niveau zu sein.
Nach dem frühen Doppelschlag hatte Liverpool weiterhin mehr Ballbesitz, entwickelte offensiv aber nicht den Druck, den der Spielstand erwarten ließ. Ein drittes Tor fiel beinahe dennoch: Wirtz startete hinter die Ipswich-Abwehr und legte anschließend quer auf Isak, der den Ball im Tor unterbrachte. Der Schwede stand beim Zuspiel allerdings im Abseits, weshalb der Treffer nach dem VAR-Check aberkannt wurde.
Ipswich wird stärker, Liverpool bleibt defensiv stabil
In der zweiten Hälfte verschoben sich die Spielanteile. Ipswich wurde mutiger, kam häufiger zum Abschluss und Liverpool entwickelte selbst nur noch wenig Torgefahr. Die Reds wurden zunehmend passiv und konzentrierten sich darauf, die Führung zu kontrollieren.
Eine mögliche Elfmeterchance hatte Liverpool noch nach einem Foul an Dominik Szoboszlai. Der VAR griff allerdings ein, weil der Ungar bereits vor dem Kontakt im Abseits gestanden hatte.
Auch die Statistiken spiegeln diesen Spielverlauf wider. Ipswich kam auf 14 Abschlüsse, Liverpool auf zehn. Die Gastgeber verzeichneten mit 0,73 auch einen etwas höheren Expected-Goals-Wert als Liverpool, das auf 0,66 xG kam. Das lag vor allem daran, dass die Reds nach dem frühen 2:0 kaum noch große eigene Chancen produzierten und Ipswich im weiteren Verlauf häufiger zum Abschluss kam.
Wirklich gefährlich wurden die Gastgeber allerdings nur selten. Zehn ihrer 14 Schüsse wurden von außerhalb des Strafraums abgegeben. Der xG-Wert zeigt deshalb weniger eine klare Überlegenheit von Ipswich als vielmehr, dass Liverpool nach dem perfekten Start offensiv zu wenig nachlegte.
Defensiv war dennoch ein Fortschritt gegenüber den ersten beiden Ligaspielen zu erkennen. Vor allem die Absicherung nach Ballverlusten funktionierte besser. Araújos vorsichtigere Interpretation der Rechtsverteidigerposition half dabei, ohne dass die Verbesserung allein an ihm festzumachen wäre. Jacquet und van Dijk mussten deutlich seltener große Räume hinter einer aufgerückten Abwehr verteidigen.
Das deckte sich auch mit Iraolas Einschätzung. Der Liverpool-Trainer hatte vor der Partie einen besseren Start gefordert und bekam mit den beiden frühen Isak-Toren genau diesen. Nach dem Spiel zeigte er sich mit dem verbesserten Pressing und der defensiven Stabilität zufrieden, räumte aber zugleich ein, dass die zweite Hälfte schwächer gewesen sei. Ipswich-Trainer Gary O’Neil hob dagegen die Reaktion seiner Mannschaft nach dem schwierigen Beginn hervor. Die Gastgeber fanden nach dem frühen 0:2 besser in die Partie, konnten ihre stärkeren Phasen aber nicht in Tore ummünzen.
Champions-League-Start gegen Atlético als Gradmesser
Mit fünf Punkten aus drei Spielen rückte Liverpool nach dem Freitagsspiel vorerst auf Rang fünf der Premier League vor. Nach zwei Unentschieden ist damit der erste Saisonsieg geschafft, auch wenn die Reds nach dem frühen 2:0 offensiv deutlich mehr aus ihrer komfortablen Ausgangslage hätten machen können.
Viel Zeit bleibt ohnehin nicht: Bereits am Mittwoch beginnt für Liverpool die Ligaphase der Champions League mit dem Heimspiel gegen Atlético Madrid. Gegen die Mannschaft von Diego Simeone wird sich zeigen, ob die gegen Ipswich verbesserte defensive Stabilität auch gegen einen deutlich stärkeren Gegner Bestand hat.