Die beiden Transfers sind zugleich Teil des Umbruchs, den United und City im zentralen Mittelfeld vorantreiben. Michael Carrick sucht bei United nach mehr Athletik und Stabilität im Zentrum, während Enzo Maresca bei City nach dem Abschied von Rodri ein neues Mittelfeld formen muss. Baleba und Bouaddi lösen diese Aufgaben auf unterschiedliche Weise.
Manchester United zahlt über 80 Millionen Euro für Baleba
Carlos Baleba unterschrieb bei Manchester United einen Vertrag bis Juni 2031, zudem besitzt der Klub eine Option auf ein weiteres Jahr. Für den 22-jährigen Kameruner fließen rund 76 Millionen Euro an Brighton & Hove Albion, durch Bonuszahlungen kann die Ablöse auf mehr als 80 Millionen Euro anwachsen. United beschäftigte sich bereits länger intensiv mit Baleba und führt den Spieler schon lange auf seiner Scouting-Liste.
Aktuell muss sich Carrick allerdings noch gedulden. Baleba verletzte sich in der Vorbereitung am Sprunggelenk und dürfte erst im September wieder zur Verfügung stehen. Der Neuzugang ist nach Youri Tielemans und Andrey Santos bereits die dritte prominente Verstärkung für das zentrale Mittelfeld in diesem Sommer. Gleichzeitig verließ Casemiro den Klub in Richtung Inter Miami.
Balebas Weg nach Manchester begann in Kamerun bei Futur Soccer und der renommierten Fußballschule der Brasseries du Cameroun. Anfang 2022 wechselte er nach Lille, wo ihm schnell der Sprung in den Profikader gelang. Bereits im Sommer 2023 holte Brighton den damals 19-Jährigen in die Premier League. In drei Jahren absolvierte er dort 112 Pflichtspiele und erzielte vier Tore.
Warum Baleba gut zu Carricks United passt
Balebas größte Qualitäten liegen im Spiel gegen den Ball und in dynamischen Spielsituationen. Er verteidigt aggressiv nach vorne, erkennt Möglichkeiten für frühe Ballgewinne und verfügt über den Antritt, um auch größere Räume abzusichern. In der vergangenen Premier-League-Saison gehörte er bei der Kombination aus Tacklings und Interceptions zu den besten acht Prozent und bei gewonnenen zweiten Bällen sogar zum obersten Prozent der Liga.
Hinzu kommt seine Fähigkeit, mit dem Ball Raum zu überbrücken. Der Linksfuß kann sich aus Drucksituationen lösen und anschließend mit kraftvollen Läufen durchs Mittelfeld vorstoßen. Gerade das macht ihn für Carricks 4-2-3-1 interessant.
Neben Tielemans könnte Baleba stärker die defensive Absicherung übernehmen und dem Belgier Freiheiten im Spielaufbau verschaffen. Mit Kobbie Mainoo wäre eine ähnliche Arbeitsteilung denkbar. Andrey Santos wiederum könnte selbst die tiefere Position besetzen und Baleba erlauben, seine Dynamik als Box-to-Box-Spieler stärker auszuspielen. United bekommt damit keinen reinen Abräumer, sondern einen Mittelfeldspieler, dessen Rolle je nach Partner variieren kann.
City macht Bouaddi zum teuersten Teenager der Premier League
Noch tiefer griff Manchester City für Ayyoub Bouaddi in die Tasche. Der 18-Jährige kommt vom LOSC Lille, jenem Klub, bei dem zuvor auch Baleba den Sprung in den Profifußball geschafft hatte, und unterschrieb bei Manchester City ebenfalls bis 2031. Das Gesamtpaket soll sich auf rund 100 Millionen Euro belaufen – etwa 95 Millionen Euro fixe Ablöse plus mögliche Bonuszahlungen. Damit wird Bouaddi zum teuersten Teenager, den je ein Premier-League-Klub verpflichtet hat.
Dabei hat Bouaddi trotz seines Alters bereits enorme Erfahrung gesammelt. Lille holte ihn mit 13 Jahren in die Akademie. Drei Tage nach seinem 16. Geburtstag debütierte er im Europacup und entwickelte sich anschließend rasch zum Stammspieler. Insgesamt verlässt er Lille nach 96 Profieinsätzen. Allein in der vergangenen Ligue-1-Saison stand er 28-mal in der Startelf.
International spielte der in Frankreich geborene Mittelfeldspieler zunächst für französische Nachwuchsauswahlen, ehe er sich 2026 für das Heimatland seiner Eltern entschied. Bei der anschließenden Weltmeisterschaft stand Bouaddi in fünf der sechs Partien Marokkos in der Startformation und erreichte mit den Atlas Lions das Viertelfinale.
Abseits des Platzes ist seine Laufbahn ebenfalls ungewöhnlich: Bouaddi studiert parallel zu seiner Profikarriere Mathematik und fiel bereits als Jugendlicher mit hervorragenden schulischen Leistungen und einem Sieg bei einem französischen Redewettbewerb auf.
Kann Bouaddi die Rodri-Lücke schließen?
Bouaddi soll bei Manchester City langfristig zu einer prägenden Figur im Mittelfeld werden, verfügt aber über andere Stärken als Rodri. Bouaddi ist auf der Sechserposition noch kein fertiger Spielmacher. Seine größten Stärken liegen derzeit in seiner Ruhe am Ball, seiner Pressingresistenz und seinem ausgeprägten Gespür für Räume.
Seine Athletik und Beweglichkeit helfen ihm dabei, Zweikämpfe zu gewinnen und größere Räume im Zentrum zuverlässig abzudecken. Unter Druck kann er den Ball mit kleinen Richtungswechseln und geschicktem Körpereinsatz behaupten. Im Spiel gegen den Ball agiert er meist geduldig und rückt erst dann aus seiner Position, wenn sich eine gute Gelegenheit zum Eingreifen bietet.
Im progressiven Passspiel besitzt Bouaddi dagegen noch Entwicklungspotenzial. Er ist derzeit eher ein Stabilisator, der den Ball zuverlässig zirkulieren lässt, als ein Spieler, der permanent mit riskanten Pässen Linien überspielt. Maresca dürfte deshalb vor allem daran arbeiten, Bouaddi im Spielaufbau noch stärker einzubinden und ihn zu einem Spieler zu entwickeln, der aus der Tiefe regelmäßig Tempo und Richtung einer Partie vorgibt.