Vor 81.365 Zuschauern im ausverkauften Signal Iduna Park waren die Münchner vor allem in der ersten Hälfte klar überlegen. Dortmund steigerte sich nach dem Seitenwechsel erheblich und kam durch Fabio Silva noch einmal heran, für den Ausgleich reichte es aber nicht mehr. Bayern gewann den Supercup damit zum zwölften Mal.
Brown überrascht auf der Zehn und trifft
Vincent Kompany musste unter anderem auf Jamal Musiala, Serge Gnabry und Lennart Karl verzichten und entschied sich für eine ungewöhnliche Lösung. Nathaniel Brown, im Sommer von Eintracht Frankfurt verpflichtet und eigentlich auf der linken Abwehrseite zuhause, begann als Zehner hinter Harry Kane. Der österreichische Nationalspieler Konrad Laimer rückte dafür in die Viererkette.
Die Variante funktionierte. Nach einer zunächst ausgeglichenen Anfangsphase übernahm Bayern zunehmend die Kontrolle und setzte Dortmund mit hohem Pressing unter Druck. In der 28. Minute setzte sich Michael Olise auf der rechten Seite durch und legte in den Rückraum, wo Brown aus rund 16 Metern flach zum 1:0 abschloss. Es war bei seinem Pflichtspieldebüt für Bayern zugleich sein erster Treffer für den neuen Klub.
Zur Pause spiegelten auch die Statistiken die deutlichen Kräfteverhältnisse wider. Bayern führte bei den Abschlüssen mit 11:1, brachte sechs Versuche auf das Tor und hatte 69 Prozent Ballbesitz. Dortmund verteidigte über längere Phasen tief und suchte nach Ballgewinnen den schnellen Weg nach vorne, kam damit aber kaum zu gefährlichen Situationen.
Kurz vor der Pause bestraften die Gäste einen weiteren Dortmunder Fehler. Bayerns Pressing führte zu einem Ballverlust des BVB, Olise reagierte schnell und erhöhte in der Nachspielzeit auf 2:0. Der Franzose hatte damit bereits vor der Pause einen Treffer vorbereitet und selbst getroffen.
Dortmund steigert sich nach der Pause
Niko Kovač reagierte zur Halbzeit und brachte Giannis Konstantelias für Samuele Inacio. Später kamen unter anderem Joey Veerman, Maximilian Beier und Fabio Silva. Dortmund wurde dadurch deutlich aktiver und konnte Bayern wesentlich häufiger in die eigene Hälfte drücken.
Konstantelias belebte das Offensivspiel unmittelbar nach seiner Einwechslung, wenig später musste Manuel Neuer bei einem Abschluss von Konstantinos Karetsas erstmals ernsthaft eingreifen. Bayern verlor zunehmend jene Kontrolle, die die erste Hälfte geprägt hatte, und kam selbst seltener zu längeren Ballbesitzphasen.
In der 75. Minute wurde Dortmund für seine Steigerung belohnt. Nach einem schnellen Angriff über die linke Seite vollendete Fabio Silva zum 1:2 und machte die Schlussphase noch einmal spannend.
Bayern hatte auf der anderen Seite Chancen auf die Entscheidung, doch Gregor Kobel parierte unter anderem gegen Aleksandar Pavlović und Olise. Dortmund blieb ebenfalls gefährlich, ehe Ramy Bensebaini in der 90. Minute nach einem harten Foul an Ismael Saibari die Rote Karte sah. Selbst in Unterzahl kam der BVB noch zu einer großen Ausgleichschance, doch Beier setzte seinen Abschluss in der Nachspielzeit über die Latte.
xG-Werte spiegeln das Ergebnis wider
Über die gesamte Partie hatte Bayern 58 Prozent Ballbesitz und brachte zehn Abschlüsse auf das Dortmunder Tor. Mit 2,35 zu 1,11 zeichneten auch die Expected Goals den Spielverlauf und den 2:1-Endstand ziemlich genau nach.
Olise war mit einem Tor und einer Vorlage der entscheidende Offensivspieler. Brown zeigte gleichzeitig, dass er Kompany auch auf einer für ihn ungewohnten Position eine zusätzliche Option bieten kann. Der Bayern-Trainer lobte den Neuzugang anschließend als „unfassbar schlauen Spieler“ und verwies insbesondere auf dessen gutes Gespür für Räume. Ganz neu war die Rolle für Brown allerdings nicht: Kompany hatte ihn bereits während der Vorbereitung im offensiven Zentrum getestet.
Kompany lobt die Mentalität
Kompany zeigte sich nach dem ersten Titel der Saison entsprechend zufrieden und hob vor allem die Einstellung seiner Mannschaft hervor. Aufgrund unterschiedlicher Rückkehrzeitpunkte hatten einige Bayern-Spieler erst wenige gemeinsame Trainingseinheiten absolviert.
„Heute sind wir zufrieden mit dem ersten Titel – aber morgen wieder hungrig“, sagte Kompany nach der Partie.
Kovač ärgerte sich dagegen vor allem über die erste Hälfte. Dortmund habe ordentlich begonnen, Bayern mit eigenen Fehlern aber immer stärker gemacht. Insbesondere der zweite Gegentreffer unmittelbar vor der Pause schmerzte den BVB-Trainer. Mit der deutlichen Leistungssteigerung nach dem Seitenwechsel zeigte er sich dagegen zufrieden.
Bayern nimmt damit bereits vor dem Bundesliga-Start den ersten Titel der Saison mit. Dortmund konnte nach der schwachen ersten Hälfte zumindest mit seiner Reaktion nach der Pause Mut für die kommenden Aufgaben sammeln.