Manchester City hat das 199. Manchester-Derby mit 1:0 bei United gewonnen und damit auch das vierte Premier-League-Spiel unter Enzo Maresca für sich entschieden. In einem von Beginn an aufgeladenen Duell musste City nach einer Roten Karte für Phil Foden ab der 23. Minute in Unterzahl spielen, ehe Erling Haaland nach einer Stunde den einzigen Treffer erzielte. United hatte nach dem Platzverweis deutlich mehr vom Spiel, konnte die numerische Überlegenheit aber nur selten in wirklich klare Chancen ummünzen.
Foden verliert die Nerven – City muss früh umstellen
Schon vor dem Platzverweis war zu erkennen, dass beide Trainer ihre Offensivspieler sehr beweglich einsetzten. Michael Carrick stellte Matheus Cunha nominell ins Sturmzentrum, ließ ihn aber immer wieder mit Marcus Rashford auf der linken Seite die Positionen tauschen. Maresca ließ Enzo Fernández dagegen wiederholt aus der Nähe von Mittelfeldpartner Elliot Anderson nach außen driften, um City im Ballbesitz breiter zu machen.
Nach 23 Minuten änderte sich die Partie grundlegend. Nach einem Zweikampf mit Bruno Fernandes lag Foden am Boden und trat anschließend nach, wobei er den United-Kapitän am Oberkörper traf. Schiedsrichter Michael Oliver wertete die Aktion als Tätlichkeit und zeigte Rot, der VAR bestätigte die Entscheidung. Maresca akzeptierte den Platzverweis später grundsätzlich, war allerdings der Ansicht, dass auch Fernandes für die vorausgegangene Aktion härter hätte bestraft werden müssen.
City reagierte sofort auf die Unterzahl. Rayan Cherki rückte zunächst auf Fodens rechte Seite, die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen wurden kleiner und Haaland blieb als zentrale Entlastungsstation vorne. Aus der ursprünglichen Struktur wurde gegen den Ball phasenweise ein kompakter 4-4-1-Block, der vor allem das Zentrum schützen sollte.
United übernahm nun zwangsläufig mehr Ballbesitz, fand aber vor der Pause kaum Wege durch die dicht gestaffelte Defensive. Die Gastgeber ließen den Ball häufig vor Citys Formation zirkulieren, ohne genügend Tempo in die Kombinationen zu bekommen. Die beste Chance vor der Pause hatte Rashford, dessen Freistoß kurz vor dem Pausenpfiff an der Stange landete.
Die Red Devils erhöhen den Druck, City verteidigt kompakt
Maresca beschränkte sich trotz Unterzahl nicht vollständig auf Schadensbegrenzung. Zur Pause brachte er Iliman Ndiaye für Cherki und damit einen schnelleren Spieler für die rechte Seite, der nach Ballgewinnen sofort Tiefe herstellen sollte. United schob seinerseits höher und verlagerte das Geschehen zunehmend in die Hälfte der Gäste.
Sechs Minuten nach Wiederbeginn traf Kobbie Mainoo ebenfalls die Stange. Der Mittelfeldspieler gehörte insgesamt zu Uniteds auffälligsten Akteuren, weil er das Spiel unter Druck sauber weiterleitete und sich immer wieder in die Angriffe einschaltete. Auch Bruno Fernandes versuchte, mit Pässen zwischen die Linien und in die Halbräume mehr Dynamik zu erzeugen.
United hatte nun klar mehr Ballbesitz und kam insgesamt auf 16 Abschlüsse. Wirklich hochwertige Chancen blieben aber rar. Das zeigt auch der xG-Wert von 0,95: Für ein Team, das mehr als eine Stunde in Überzahl spielte und über lange Phasen das Spiel kontrollierte, fiel die Qualität der Abschlüsse vergleichsweise niedrig aus.
City verteidigte seinen Strafraum diszipliniert, zwang United oft zu Distanzschüssen oder schwierigen Abschlüssen unter Druck und blieb gleichzeitig bei Ballgewinnen gefährlich genug, um die Gastgeber an einer vollkommen kompromisslosen Schlussoffensive zu hindern.
Haaland trifft nach langer VAR-Prüfung
In der 60. Minute schlug City dann entscheidend zu. Nach einer Hereingabe von Joško Gvardiol traf Haaland aus spitzem Winkel zum 1:0. Zunächst ging die Fahne wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung nach oben, ehe eine lange VAR-Prüfung folgte. Patrick Dorgus ausgestreckter Fuß hatte Haaland jedoch knapp im Spiel gehalten.
Komplizierter war die Rolle von Enzo Fernández. Der Argentinier befand sich klar im Abseits und sprang nach der Hereingabe zum Ball, ohne diesen zu berühren. Weil Lisandro Martínez unmittelbar neben ihm auf die Aktion reagieren musste, stellte sich die Frage, ob Fernández damit dennoch aktiv ins Spiel eingriff. Der VAR entschied, dass keine strafbare Abseitsposition vorlag, und gab den Treffer. Carrick konnte diese Auslegung nach dem Spiel kaum nachvollziehen und argumentierte, dass Martínez gerade wegen Fernández reagieren musste.
Nach dem 0:1 veränderte sich das Spielbild noch einmal. United rückte mit mehr Spielern nach vorne und versuchte, City dauerhaft am eigenen Strafraum festzusetzen. Die Gäste verteidigten nun noch tiefer, hielten die Abstände zwischen Abwehr und Mittelfeld eng und verzichteten zunehmend auf längere Ballbesitzphasen.
Haaland blieb dabei enorm wichtig. Der Norweger war nicht nur Torschütze, sondern auch die zentrale Anspielstation für lange Bälle und Entlastungsangriffe. Er band Uniteds Innenverteidiger, gewann mehrere direkte Duelle und verhinderte damit, dass die Gastgeber ihre letzte Linie vollständig nach vorne schieben konnten.
United läuft an – City hält stand
In der Schlussphase brachte Carrick mit Benjamin Šeško und später Joshua Zirkzee zusätzliche Präsenz in den Strafraum. Trotzdem fand United nur selten klare Lösungen gegen Citys tiefen Block. Viele Angriffe endeten mit Hereingaben oder zweiten Bällen, die von der dicht gestaffelten Defensive abgefangen wurden.
Gerade Joško Gvardiol und Matheus Nunes spielten dabei eine wichtige Rolle. Beide verteidigten aggressiv nach vorne, gewannen entscheidende Zweikämpfe und räumten immer wieder im Strafraum auf. City kam insgesamt auf 25 Klärungsaktionen.
Ganz ohne eigene Gefahr blieb City aber nicht. Fernández zwang Senne Lammens nach einem Konter zu einer starken Parade, bei der der Ball anschließend noch die Stange touchierte. Diese Szenen hielten United davon ab, sämtliche Absicherung aufzugeben.
Die letzte große Möglichkeit gehörte dennoch den Gastgebern. In der Nachspielzeit kam Bryan Mbeumo gefährlich zum Abschluss, doch Gianluigi Donnarumma reagierte stark und hielt den Auswärtssieg fest.
Auch die xG-Werte verdeutlichen, wie ungewöhnlich die Partie verlief. United kam trotz deutlicher spielerischer Überlegenheit nach dem Platzverweis nur auf 0,95 xG, City auf 0,99. Das 0:1 war damit keineswegs ein Resultat, das völlig gegen die Qualität der herausgespielten Möglichkeiten sprach. United hatte mehr Aktionen und deutlich mehr Ballbesitz, City verteidigte die entscheidenden Räume jedoch besser und nutzte eine seiner wenigen klaren Gelegenheiten.
City bleibt makellos, United steckt im Mittelfeld fest
City hält nach vier Spieltagen bei zwölf Punkten und ist unter Maresca damit weiterhin ohne Punktverlust. Wegen der Tordifferenz liegen die Citizens hinter Arsenal auf Rang zwei. United steht nach der zweiten Saisonniederlage mit vier Punkten lediglich auf Platz 13.
Für beide Mannschaften geht es zunächst im League Cup weiter. United empfängt am Mittwoch Brighton & Hove Albion, City spielt einen Tag später zu Hause gegen Norwich City. Am kommenden Premier-League-Wochenende gastieren die Red Devils bei Fulham, während City Sunderland empfängt.