Insgesamt erhalten 44 verschiedene Spieler eine Einladung, lediglich Torhüter Finn Dahmen gehört beiden Gruppen an. Gleich 16 Profis warten noch auf ihr erstes A-Länderspiel. Damit nutzt Klopp seinen ersten Lehrgang sehr deutlich zum Kennenlernen – ohne dabei auf einen festen Kern aus erfahrenen Führungsspielern zu verzichten.
Kimmich führt den erfahreneren ersten Kader an
Das Aufgebot für das schwierige Auftaktspiel in Amsterdam und das anschließende Heimspiel gegen Griechenland besitzt die deutlich prominentere Achse. Joshua Kimmich bleibt der zentrale Führungsspieler und dürfte unter Klopp wieder verstärkt im zentralen Mittelfeld eingesetzt werden. Mit 114 Länderspielen ist der Bayern-Profi mit Abstand der erfahrenste Feldspieler beider Kader.
Um Kimmich gruppiert Klopp weitere Spieler, die auch mit Blick auf die EM 2028 tragende Rollen einnehmen sollen. Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck bilden die erfahrenste Innenverteidiger-Kombination, während Jamal Musiala nach seiner Verletzung wieder an die Nationalmannschaft herangeführt wird. Kai Havertz ist im Angriff einer von nur zwei nominellen Stürmern und soll ebenso wie Serge Gnabry Verantwortung übernehmen.
Auch die offene Torwartfrage wird zunächst in dieser Gruppe beantwortet. Marc-André ter Stegen kehrt nach seiner langen Verletzungspause zurück und soll nach dem endgültigen Rücktritt von Manuel Neuer wieder die Nummer Eins werden. Durch seinen Wechsel zu Ajax Amsterdam erhält der 34-Jährige regelmäßig Spielpraxis – ausgerechnet in seiner aktuellen Heimspielstätte steigt gegen die Niederlande Klopps Debüt. Alexander Nübel und Finn Dahmen komplettieren das Torhütertrio.
Sieben mögliche Debütanten schon im ersten Aufgebot
Trotz der erfahrenen Achse ist auch dieser Kader alles andere als konservativ zusammengestellt. Sieben Spieler warten hier noch auf ihr erstes A-Länderspiel: Der bereits erwähnte Dahmen, Hennes Behrens, Max Rosenfelder, Philipp Treu, Bambasé Conté, Yannik Engelhardt und Younes Ebnoutalib.
Gerade Ebnoutalib gehört zu den spannendsten Personalien. Der 23-jährige Stürmer schaffte seinen Durchbruch erst bei der SV Elversberg und wechselte anschließend zu Eintracht Frankfurt, wo er stark in die Saison startete. Noch vor wenigen Jahren spielte er im unterklassigen Fußball, nun bekommt er die Chance im DFB-Team.
Auch Behrens und Conté sind bemerkenswerte Nominierungen. Der erst 21-jährige Behrens etablierte sich nach seinem Wechsel zum FC Augsburg unmittelbar als Stammspieler, während Conté bei Hoffenheim mit seiner Dynamik und Vielseitigkeit auf sich aufmerksam machte. Rosenfelder und Treu profitieren wiederum von ihren konstanten Leistungen beim SC Freiburg.
Zweiter Kader deutlich experimenteller
Noch mutiger fällt Klopps Auswahl für die Partien gegen Serbien und Griechenland aus. Dort fehlen mit Kimmich, Musiala, Tah, Schlotterbeck und Havertz gleich mehrere Führungsspieler des ersten Blocks.
Die Verantwortung verteilt sich stattdessen auf eine jüngere Achse. Waldemar Anton ist in der Defensive der erfahrenste Mann, Maximilian Mittelstädt und David Raum bringen ebenfalls reichlich internationale Erfahrung mit. Im Zentrum dürfte Aleksandar Pavlović eine wichtige Rolle übernehmen, während Florian Wirtz der klare spielerische Fixpunkt dieser Mannschaft ist. Im Angriff stehen mit Jonathan Burkardt und Nick Woltemade zwei Stürmer zur Verfügung, die sich inzwischen auf höchstem Niveau etabliert haben.
Gerade offensiv fällt auf, dass Klopp massiv auf Tempo setzt. Karim Adeyemi, inzwischen beim FC Barcelona, Saïd El Mala, Brajan Gruda und Derry Scherhant sind Spieler, die Räume mit hoher Geschwindigkeit attackieren können. Das passt grundsätzlich zu einem Trainer, dessen Vereinsmannschaften stets von aggressivem Pressing, schnellen Umschaltsituationen und Läufen hinter die letzte Linie geprägt waren.
Keidel, Baur und Janelt unter den größten Überraschungen
Die überraschendste Nominierung ist wohl Felix Keidel. Der 23-Jährige spielte vor wenigen Monaten noch in der 2. Bundesliga und sammelte mit Aufsteiger Elversberg erst kürzlich seine ersten Bundesliga-Erfahrungen. Keidel kann sowohl im defensiven Mittelfeld als auch auf der rechten Abwehrseite eingesetzt werden und erhält nun direkt seine erste Chance bei der Nationalmannschaft.
Auch Mika Baur von Celtic Glasgow war im Vorfeld nicht unter den Favoriten auf eine Nominierung zu finden. Der technisch starke Offensivspieler entwickelte sich nach seinem Wechsel nach Schottland sehr schnell weiter und wird nun ebenso getestet wie Vitaly Janelt. Der Brentford-Profi spielt bereits seit Jahren auf hohem Premier-League-Niveau, wurde beim DFB aber bislang nie berücksichtigt.
Weitere mögliche Debütanten dieses zweiten Kaders sind Noah Atubolu, Jonas Urbig, Finn Jeltsch, Saïd El Mala, Brajan Gruda und Derry Scherhant. Atubolu empfahl sich nach seinem Wechsel zu Eintracht Frankfurt unter anderem mit starken Leistungen vom Elfmeterpunkt, während Jeltsch beim VfB Stuttgart bereits in jungen Jahren zum Stammspieler wurde.
Prominente Namen fehlen komplett
Bei 44 nominierten Spielern fallen die Nichtberücksichtigten besonders auf. Oliver Baumann spielt nach der Rückkehr ter Stegens zunächst keine Rolle mehr, auch Loris Karius erhielt trotz starker Leistungen bei Schalke keine Einladung.
Auf den Feldspielerpositionen fehlen unter anderem Leroy Sané, Deniz Undav, Pascal Groß, Angelo Stiller und Jamie Leweling. Gerade Undav und Stiller durften nach ihren Leistungen der vergangenen Monate durchaus mit einer Nominierung rechnen, Stiller wurde allerdings zuletzt bei Stuttgart verletzt ausgewechselt. Sané wiederum gehörte noch zum WM-Aufgebot, konnte Klopp nach seinem Wechsel zu Galatasaray aber offenbar nicht ausreichend überzeugen.
Assan Ouédraogo wäre dagegen wohl ein Kandidat gewesen, fällt nach einer neuerlichen Schulterverletzung jedoch aus.
Die Botschaft der ersten Nominierung ist damit eindeutig: Klopp legt die Hierarchie nicht sofort endgültig fest. Neben einem klaren Kern um Kimmich, ter Stegen, Tah, Musiala, Wirtz und Havertz öffnet er die Tür ungewöhnlich weit. Vier Nations-League-Spiele werden damit auch zu einem groß angelegten Auswahlverfahren für die neue DFB-Generation.
Kader gegen die Niederlande und Griechenland
Torhüter: Finn Dahmen (FC Augsburg), Alexander Nübel (Beşiktaş), Marc-André ter Stegen (Ajax Amsterdam)
Verteidigung: Hennes Behrens (FC Augsburg), Yann Aurel Bisseck (Inter Mailand), Nathaniel Brown (FC Bayern München), Max Rosenfelder (SC Freiburg), Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund), Jonathan Tah (FC Bayern München), Philipp Treu (SC Freiburg), Josha Vagnoman (VfB Stuttgart)
Mittelfeld: Nadiem Amiri (1. FSV Mainz 05), Bambasé Conté (TSG Hoffenheim), Yannik Engelhardt (SC Freiburg), Chris Führich (VfB Stuttgart), Serge Gnabry (FC Bayern München), Lennart Karl (FC Bayern München), Joshua Kimmich (FC Bayern München), Jamal Musiala (FC Bayern München), Felix Nmecha (Borussia Dortmund), Kevin Schade (FC Brentford), Anton Stach (Leeds United)
Angriff: Younes Ebnoutalib (Eintracht Frankfurt), Kai Havertz (FC Arsenal)
Kader gegen Serbien und Griechenland
Torhüter: Noah Atubolu (Eintracht Frankfurt), Finn Dahmen (FC Augsburg), Jonas Urbig (FC Bayern München)
Verteidigung: Waldemar Anton (Borussia Dortmund), Ridle Baku (RB Leipzig), Finn Jeltsch (VfB Stuttgart), Maximilian Mittelstädt (VfB Stuttgart), David Raum (RB Leipzig), Malick Thiaw (Newcastle United)
Mittelfeld: Karim Adeyemi (FC Barcelona), Mika Baur (Celtic Glasgow), Tom Bischof (FC Bayern München), Saïd El Mala (1. FC Köln), Brajan Gruda (RB Leipzig), Vitaly Janelt (FC Brentford), Felix Keidel (SV Elversberg), Aleksandar Pavlović (FC Bayern München), Derry Scherhant (SC Freiburg), Florian Wirtz (FC Liverpool)
Angriff: Jonathan Burkardt (Eintracht Frankfurt), Nick Woltemade (Juventus Turin)