Über die gesamten 90 Minuten erspielten sich die Gäste die etwas besseren Möglichkeiten. Spanien kam auf 15 Abschlüsse und 1,99 xG, England auf zwölf Versuche und 1,51 xG. Entscheidend war neben der höheren Chancenqualität vor allem, dass Spaniens Pressing Englands Spielaufbau mehrfach zu folgenschweren Fehlern zwang.
Tuchel verändert England – Spanien mit starker Besetzung
Thomas Tuchel musste auf mehrere wichtige Spieler verzichten. Declan Rice, Cole Palmer, Kobbie Mainoo, Marcus Rashford und Tino Livramento standen nicht zur Verfügung. Im Tor erhielt James Trafford den Vorzug vor Jordan Pickford. Jarell Quansah, Ezri Konsa, Marc Guéhi und Nico O’Reilly bildeten die Viererkette, davor spielten unter anderem Elliot Anderson, Myles Lewis-Skelly und Jude Bellingham. Anthony Gordon und Bukayo Saka unterstützten Harry Kane.
Spanien trat ebenfalls nicht mit der nominell stärksten Elf an. Pedri, Baena und Oyarzabal begannen auf der Bank. Luis de la Fuente setzte zunächst auf Rodri und Fabián Ruiz im Zentrum, Dani Olmo davor sowie Lamine Yamal und Nico Williams auf den Flügeln. Ferran Torres begann als Mittelstürmer.
Spanien setzt Englands Aufbau früh unter Druck
England wollte konsequent flach von hinten herausspielen. Trafford und die Innenverteidiger sollten Spanien herauslocken und anschließend die erste Pressinglinie überspielen. Die Gäste stellten die kurzen Passwege jedoch früh zu und rückten bei Rückpässen aggressiv nach.
Dabei wirkte England mit dieser Art des Aufbaus über weite Strecken nicht wirklich komfortabel. Mehrfach fehlten klare Anschlussoptionen, Pässe wurden unter Druck zu spät oder unsauber gespielt und die Abstände zwischen Innenverteidigern und Mittelfeld waren nicht immer passend. Gerade weil Spanien die erste Linie so konsequent anlief, mussten Guéhi, Konsa und Trafford immer wieder Lösungen unter hohem Zeitdruck finden. Die daraus entstehenden Fehler waren weniger einzelne Ausrutscher als ein wiederkehrendes Muster dieser ersten Hälfte.
Genau daraus entstand bereits in der zweiten Minute das 0:1. Guéhi fand vor sich keine freie Anspielstation, drehte zurück und wurde von Yamal unter Druck gesetzt. Der Spanier nahm ihm den Ball ab, lief frei auf Trafford zu und traf präzise über den Innenbereich der Stange ins lange Eck.
England hielt trotzdem zunächst an seinem Aufbau fest. Spanien kam dadurch immer wieder früh an den Ball und hätte die Führung rasch ausbauen können. Ferran Torres traf zunächst nach einer Flanke von Fabián Ruiz, stand beim Kopfball aber knapp im Abseits.
Danach vergab der Stürmer zwei große Möglichkeiten. Zunächst scheiterte er nach einem Pass von Yamal im Eins-gegen-Eins an Trafford, später setzte er einen weiteren freien Abschluss neben das Tor. Auch Olmo kam nach einem sehenswerten Hackenpass von Yamal gefährlich zum Abschluss.
Gordon leitet Englands überraschende Wende ein
Während Spanien die Anfangsphase kontrollierte, fand England zunehmend eine andere Lösung. Statt jeden Angriff geduldig aufzubauen, suchten die Gastgeber nach Ballgewinnen schneller den Weg in die Tiefe. Besonders Gordon und Bellingham profitierten davon.
In der 36. Minute verlor Nico Williams nach einem Ausrutscher den Ball, Anderson leitete sofort den Konter ein. Gordon kombinierte mit Bellingham, bekam den Ball zurück und schloss den schnellen Angriff mit einem flachen Schuss zum 1:1 ab.
Der Treffer leitete die beste englische Phase ein. Nur vier Minuten später flankte O’Reilly aus dem linken Halbraum in den Strafraum. Kane setzte sich vor Aymeric Laporte durch und köpfte Richtung Tor, Cucurella fälschte den Ball noch unglücklich ab – 2:1.
Gordon gehörte zu den auffälligsten Spielern der Partie. Neben seinem Treffer brachte er 20 seiner 23 Pässe zum Mitspieler, gewann sieben Zweikämpfe und eroberte fünf Bälle. Bellingham war ebenfalls zentral für Englands gefährlichste Aktionen und bereitete insgesamt fünf Abschlüsse vor.
Kanes Fehlschuss hält Spanien im Spiel
England kam mit viel Tempo aus der Kabine. Bellingham dribbelte in der 52. Minute in den Strafraum und kam nach einem Kontakt mit Rodri zu Fall. Nach VAR-Überprüfung gab Schiedsrichter Davide Massa Elfmeter.
Kane hatte die große Möglichkeit, auf 3:1 zu erhöhen. Beim Anlauf rutschte ihm jedoch das Standbein weg, sein Schuss krachte an die Latte. Statt eines möglichen Zwei-Tore-Vorsprungs blieb Spanien damit im Spiel.
De la Fuente reagierte unmittelbar. Ferran und Nico Williams gingen vom Feld, Oyarzabal und Baena kamen. Beide Wechsel veränderten Spaniens Angriff deutlich.
Baena und Oyarzabal drehen die Partie erneut
Baena benötigte nur fünf Minuten für seinen ersten entscheidenden Beitrag. Wieder ging dem Treffer ein Fehler im englischen Aufbau voraus. O’Reilly spielte einen ungenauen Ball direkt in den zentralen Raum, Olmo reagierte sofort und legte auf Baena ab. Der eingewechselte Mittelfeldspieler verschaffte sich mit einer kurzen Bewegung Platz und traf in der 60. Minute zum 2:2.
Spanien gewann nun wieder mehr Kontrolle. Mit Pedri, der wenig später für Fabián Ruiz kam, erhöhte sich zusätzlich die Passsicherheit im Zentrum. England blieb über Bellingham und Saka gefährlich, fand aber nicht mehr regelmäßig die Räume, die Gordon vor der Pause genutzt hatte.
In der 74. Minute zahlte sich de la Fuentes Wechselstrategie endgültig aus. Baena fand Oyarzabal zwischen den englischen Verteidigern, der Angreifer blieb vor Trafford ruhig und vollendete zum 3:2.
Englands Spielaufbau bleibt die größte Baustelle
England versuchte in der Schlussphase noch einmal Druck aufzubauen, Spanien brachte den Vorsprung jedoch kontrolliert über die Zeit. Für die Gastgeber blieb vor allem der flache Spielaufbau gegen aggressives Pressing problematisch, während ihre schnellen Umschaltaktionen deutlich besser funktionierten.
Spanien zeigte dagegen, wie wirkungsvoll das eigene Pressing sein kann und welche Qualität von der Bank kommt. Baena und Oyarzabal drehten die Partie nach ihrer Einwechslung endgültig. Bereits am Dienstag gastiert England in Prag bei Tschechien, Spanien empfängt in Sevilla Kroatien.