Nach 205,3 Kilometern und 4:17:55 Stunden Fahrzeit durfte Magnier auf der Mönckebergstraße über den Sieg jubeln. Für den Profi von Soudal Quick-Step war es der nächste große Erfolg in einer ohnehin starken Saison, nachdem er bereits drei Etappen des Giro d’Italia gewonnen hatte. Im Vorjahr war der Franzose bei den Cyclassics noch Dritter geworden.
Sechs Ausreißer bestimmen lange das Rennen
Wie bereits 2025 prägte eine frühe Fluchtgruppe große Teile des Rennens. Jonas Rutsch, Benjamin Thomas, Dries de Pooter, Niklas Behrens, Loe van Belle und Filip Maciejuk setzten sich schon früh vom Hauptfeld ab und erarbeiteten sich zeitweise einen Vorsprung von mehr als vier Minuten.
Im Vorjahr hatte Rory Townsend mit einem erfolgreichen Ausreißercoup überrascht, diesmal ließen sich die Sprinterteams jedoch nicht auf dem falschen Fuß erwischen. Vor allem die fünf Passagen über den kurzen, aber steilen Waseberg sorgten im weiteren Rennverlauf für eine zunehmende Selektion im Feld.
Bei der letzten Überquerung konnten sich Rutsch und Thomas noch einmal von Behrens und van Belle lösen. Die Aussichten auf einen weiteren Coup eines Ausreißers waren zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits gering: Kurz nach der Kuppe und rund 15 Kilometer vor dem Ziel wurde die Flucht endgültig vom ersten Verfolgerfeld beendet.
Milan und Kooij verpassen die entscheidende Gruppe
Die wiederholten Anstiege hatten das Feld zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich dezimiert. Mit Jonathan Milan und Olav Kooij fehlten zwei der im Vorfeld am höchsten eingeschätzten Sprinter in der entscheidenden Gruppe.
Da vorne mehrere Mannschaften konsequent Tempo machten, gelang den zurückgefallenen Fahrern auf den verbleibenden flachen Kilometern keine Rückkehr mehr. Vor allem Soudal Quick-Step hatte ein großes Interesse daran, die Konkurrenz auf Distanz zu halten und Magnier in einer möglichst günstigen Ausgangsposition ins Finale zu bringen.
Auch Isaac del Toro versuchte noch, das Rennen offensiv zu gestalten. Der Mexikaner, der Ende Juli den dritten Gesamtrang bei der Tour de France belegt hatte, attackierte im Finale, konnte auf dem flachen Terrain Richtung Hamburger Innenstadt aber keinen entscheidenden Vorsprung herausfahren.
Für del Toro war es ohnehin kein völlig störungsfreier Nachmittag gewesen. Zuvor war er bei der Aufnahme eines Verpflegungsbeutels gestürzt, konnte das Rennen allerdings rasch fortsetzen. Einen schwereren Zwischenfall gab es bereits früher im Rennen: Michael Matthews gehörte nach einem Sturz zu jenen Fahrern, die die Cyclassics nicht beenden konnten.
Magnier im Sprint nicht zu schlagen
Im Finale brachte Soudal Quick-Step seinen Kapitän zunächst in eine gute Position. Der letzte Helfer war zwar bereits vor dem eigentlichen Sprint aufgebraucht, doch Magnier fand auch ohne klassischen Lead-out den richtigen Moment.
Laurence Pithie ging mit Unterstützung eines Teamkollegen an die Spitze, als Magnier seinen Sprint eröffnete, konnte aber nicht mehr dagegenhalten. Der Franzose setzte sich deutlich ab und hatte auf der Ziellinie mehr als eine Radlänge Vorsprung.
Mike Teunissen sicherte sich Rang zwei, Pithie wurde Dritter. Dahinter folgten Paul Penhoët und der Deutsche Henri Uhlig, der als Fünfter für das beste Resultat eines deutschen Fahrers sorgte. Arnaud De Lie, im Vorjahr noch Zweiter, kam diesmal nicht über Rang zehn hinaus.
Aus österreichischer Sicht schaffte es Marco Haller in die erste große Gruppe und belegte den 26. Platz. Der 35-Jährige verbindet mit Hamburg besondere Erinnerungen: 2022 hatte er die Cyclassics sensationell gewonnen und sich damals im Sprint einer kleinen Spitzengruppe unter anderem gegen Wout van Aert durchgesetzt.
Tragischer Todesfall beim Jedermannrennen
Überschattet wurde der Radsporttag von einem Todesfall beim zuvor ausgetragenen Jedermannrennen, an dem rund 12.000 Hobbyfahrer teilnahmen. Ein 70-jähriger Teilnehmer kam am Vormittag auf der Strecke zu Fall und musste noch vor Ort reanimiert werden. Er wurde unter laufenden Wiederbelebungsmaßnahmen ins Krankenhaus gebracht, wo er später verstarb.
Die genaue Ursache des Zwischenfalls war zunächst nicht geklärt. Nach Angaben von Polizei und Feuerwehr stand im Raum, dass dem Sturz ein internistischer Notfall beziehungsweise eine Vorerkrankung vorausgegangen sein könnte. Der Veranstalter sprach von einem Schwächeanfall.